„Lily’s Ton und Träume 2012“ im Peter-Weiss-Haus

Die Literaturhäuser Rostock und Kopenhagen veranstalten zum letzten Mal ihr deutsch-dänisches Musik- und Literaturfestival

29. September 2012, von
„Lily’s Ton und Träume 2012“ - Alle Beteiligten bei der gemeinsamen Jamsession im Peter-Weiss-Haus
„Lily’s Ton und Träume 2012“ - Alle Beteiligten bei der gemeinsamen Jamsession im Peter-Weiss-Haus

Noch bevor Lily richtig groß geworden ist, muss sie auch schon wieder verschwinden. Lily, das ist das Kind der Literaturhäuser Rostock und Kopenhagen. Gemeinsam haben die Einrichtungen drei Jahre lang Experimentalmusik auf Literatur, Klänge auf Lyrik treffen lassen und so mit „Lily’s Ton und Träume“ ein einzigartiges Festival erschaffen. Doch nun wird das Projekt nicht mehr gefördert und nach diesem Jahr, zumindest in der aktuellen Form, eingestellt.

Von Trübsal oder Abschiedsstimmung war gestern im Peter-Weiss-Haus trotzdem keine Spur. Im Gegenteil, die acht Künstler, sieben von ihnen waren von Angang an dabei, nutzten die Bühne mit ihren Instrumenten, Organen und Texten noch einmal voll aus. Gut 50 Gäste, ein paar mehr als in der vergangenen Woche im Literaturhaus Kopenhagen, lauschten so den Klangteppichen mit deutschen und dänischen Textfragmenten.

Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan
Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan

Den Anfang machten Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan. Sie hatten durch Zufall kurz vor der diesjährigen Aufführung in Dänemark in einem Container das Innenleben eines Klaviers gefunden. Dies begeisterte die beiden so sehr, dass sie daraus kurzerhand ein eigenes Instrument für ihren Auftritt machten. Sie entlockten dem großen Seitenbrett mit Kugeln und kleinen Spielzeugen verschiedenste Geräusche, die sie mit Effektgeräten immer weiter verdichteten.

Von oben filmte eine Kamera das Geschehen, sodass die Performance um eine weitere visuelle Ebene erweitert wurde. In der Kombination mit Randis virtuoser Sprachakrobatik und den immer wieder geloopten dänischen Texten von Morten entstand ein fast sphärisches Kunsterlebnis. Das Instrument selbst durfte in der Pause von den Gästen ausprobiert werden, was auch zahlreich gemacht wurde.

Carlo Ihde
Carlo Ihde

Im Anschluss an die beiden folgte der diesjährige Gast im Ensemble, Carlo Ihde. Der Rostocker Student, der sich schon auf vielen Bühnen der Stadt präsentierte, trank sich vor seinem Auftritt mit echtem Kopenhagener Literaturhaus-Lagerbier etwas Mut an. Er spielte Lieder auf dem Klavier und dem Harmonium und streute immer wieder Kürzestgeschichten ein.

Lars Skinnebach und Johanna Borchert
Lars Skinnebach und Johanna Borchert

Ihm folgte eine Performance von Lars Skinnebach und der Klavierspielerin Johanna Borchert. Sie kreierte mit dem Instrument, das sie teilweise mit Pferdehaar auf kreative Art bespielte, Klangkulissen für die dänischen Gedichte Skinnebachs. Ohne Einleitung oder Übersetzung musste ihr Inhalt für den Dänischunkundigen zweitrangig werden. Ihre Wirkungskraft entfaltete sich allein durch die Lautmalerei.

Sebastian Bode, Martin Lau und Jonas Wolter
Sebastian Bode, Martin Lau und Jonas Wolter

Nach der Pause gehörte Martin Lau die Bühne. Er, Sebastian Bode und Jonas Wolter als Gruppe Teleskop ergänzten das Programm um eine weitere Klangcollage, bestehend aus deutschen Worten, Gitarrenspiel und Schlagwerk.

Das Highlight des Abends war die gemeinsame Jamsession. Ohne vorherige Absprachen entstand so in Zusammenarbeit aller Beteiligten (bis auf Lars Skinnebach) eine dichte Klangwand, die noch einmal verdeutlichte, dass Töne als universelles Kommunikationsmittel über Grenzen hinweg funktionieren können.

Trotz des zunehmenden Erfolgs können die Literaturhäuser die Kosten in Höhe von etwa 20.000 Euro für das Zwillingsfestival in Kopenhagen und Rostock nicht mehr alleine tragen. In diesem Jahr versagte schon das Land Mecklenburg-Vorpommern die Finanzierung, weshalb Carlo Ihde auch nicht mit nach Kopenhagen fuhr. Und auch die dänische Förderung bleibt im nächsten Jahr aus. „Wir sind schon ein bisschen enttäuscht“, sagte Reiner Mnich vom Literaturhaus Rostock. „Über die drei Jahre hat sich eine enge Beziehung aufgebaut und die Kernbesetzung arbeitet einfach toll zusammen.“

Die Verantwortlichen der Literaturhäuser Rostock und Kopenhagen: Thomas Aagaard (Kopenhagen), Cmilla Pape (Kopenhagen), Mona Munek (Kopenhagen), Reiner Mnich (Rostock), Marlene Mouritzen (Kopenhagen), Evi Gäßler (Rostock), Doreen Katzberg (Rostock) und Paul Opstrup (Kopenhagen)
Die Verantwortlichen der Literaturhäuser Rostock und Kopenhagen: Thomas Aagaard (Kopenhagen), Cmilla Pape (Kopenhagen), Mona Munek (Kopenhagen), Reiner Mnich (Rostock), Marlene Mouritzen (Kopenhagen), Evi Gäßler (Rostock), Doreen Katzberg (Rostock) und Paul Opstrup (Kopenhagen)

Aber auch zukünftig wollen Rostock und Kopenhagen weiter zusammenarbeiten. „Wir wollten es mit Lily schaffen, Kunst über Grenzen zu führen und diese Idee wollen wir nun versuchen zu erweitern“, verriet Paul Opstrup vom Literaturhaus Kopenhagen. Momentan befindet sich ein Autorenaustausch in der Planung, an dem auch Norwegen und Schweden beteiligt sein sollen. Doch noch ist das Zukunftsmusik.

Erst einmal können Kurzentschlossene heute noch einmal das Peter-Weiss-Haus besuchen und den zweiten Tag des „Lily’s Ton und Träume 2012“ genießen. Bis auf Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan sind alle Künstler des gestrigen Tages wieder mit dabei.

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