Rostock nimmt Corona-Patienten aus Sachsen auf

Mecklenburg-Vorpommern hilft Sachsen mit der Aufnahme von Corona-Patienten – gestern kam der erste Erkrankte an, Notärzte wurden für den Lufttransport von Covid-19-Intensivpatienten geschult

22. Dezember 2020, von
Daniel Rowan (li.) und Frank Zabell von der Johanniter Luftrettung unterweisen Ärzte und Sanitäter am Südstadt-Klinikum Rostock im Umgang mit dem Unterdruck-Transport-Zelt IsoArk
Daniel Rowan (li.) und Frank Zabell von der Johanniter Luftrettung unterweisen Ärzte und Sanitäter am Südstadt-Klinikum Rostock im Umgang mit dem Unterdruck-Transport-Zelt IsoArk

Während Intensivstationen in Sachsen durch eine hohe Zahl von Corona-Patienten an ihre Grenzen stoßen, gibt es bei uns im Land noch freie Kapazitäten. Bis zu zehn Intensivpatienten werden daher über Weihnachten und den Jahreswechsel in unser Bundesland verlegt. „Mecklenburg-Vorpommern hat eine Anfrage aus Sachsen mit der Bitte um Unterstützung bekommen“, erklärte Gesundheitsminister Harry Glawe gestern. „Die Unimedizinen in Rostock und Greifswald sowie das Südstadtklinikum in Rostock stehen zur Verfügung.“

Der erste Erkrankte ist bereits gestern Abend in der Unimedizin Rostock angekommen, heute soll dort ein weiterer Patient folgen. „Die Lage vor allem in Ostsachsen ist ernst. Aktuell haben wir noch ausreichend Kapazitäten, um den sächsischen Kollegen und Patienten zu helfen“, erklärte Prof. Dr. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Unimedizin.

Sicherer Luft-Transport im Unterdruckzelt

Den luftgebundenen Patiententransport soll der am Südstadt-Klinikum stationierte Intensivtransporthubschrauber „Christoph Rostock“ übernehmen. Bereits 2013 hat sich die Johanniter Luftrettung auf den Transport infektiöser Patienten spezialisiert. Dafür steht das geschlossene Infektions-Transportsystem IsoArk zur Verfügung. Es besteht aus einem Isolierzelt und dem zugehörigen Filtersystem.

Infektions-Transportsystem IsoArk
Infektions-Transportsystem IsoArk

Während hinter der Klinik erstmals der Marinehubschrauber Sea King landete, wurden im Hörsaal Notärzte und Sanitäter im Umgang mit dem Transportsystem geschult. Der Patient liegt in einem Unterdruckzelt mit Ein- und Ausgangsfiltern, das ihn vollständig von der Umgebung isoliert und damit die Besatzung sowie das medizinische Personal in der engen Hubschrauberkabine „bestmöglich schützt“, erklärt Johanniter-Schulungsleiter Daniel Rowan vom Luftrettungszentrums in Reichelsheim (Wetteraukreis in Hessen). 99,9995 Prozent der Bakterien und Viren werden vom System ausgefiltert. Schleusen und integrierte Handschuhe in allen vier Kammern ermöglichen bei Bedarf die Versorgung der Patienten, so Rowan.

Das System besteht aus dem Boden und einer Haube, die über einen Reißverschluss miteinander verbunden sind. Hierüber werden die Erkrankten auf den Intensivstationen ein- und ausgeschleust. Nach jedem Transport wird das System vollständig desinfiziert. Durchschnittlich sechs Stunden nimmt der gesamte Transport incl. Vor- und Nachbereitung in Anspruch, erklärt Frank Zabell, Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung. Etwa 25.000 Euro kostet das Filtersystem, die steigende Nachfrage habe auch hier zu höheren Preisen geführt.

Länderübergreifender Patiententransport nach dem Kleeblattkonzept

Eigentlich war bei einer Überlastungssituation eine Verlegung nach dem Kleeblattkonzept geplant. Können Krankenhäuser keine Intensivpatienten mehr aufnehmen, sollte ein länderübergreifender Patiententransport innerhalb eines Kleeblatts erfolgen. Mecklenburg-Vorpommern bildet zusammen mit Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen solch ein Kleeblatt.

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Brandenburg bilden eine weitere gemeinsame Region. Da die Zahl der Intensivpatienten dort insgesamt deutlich höher als im Nordosten ist, hat Mecklenburg-Vorpommern seine Hilfe angeboten. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist mit 426,8 Fällen pro 100.000 Einwohner im Freistaat Sachsen derzeit am höchsten. Mit 97,4 liegt der Wert bei uns im Land deutlich niedriger.

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