Das Netzwerk Hanse: Globalisierung im Mittelalter

Ringvorlesung des Wissenschaftsverbundes Um-Welt der Uni Rostock widmet sich Themen der Globalisierung

30. Oktober 2010, von
Kogge zur Hansezeit
Kogge zur Hansezeit

Globalisierung – ein Schlagwort, das Assoziationen weckt, vermutlich bei jedem ganz unterschiedliche. Der eine mag an Mc Donald’s denken, an Coca Cola, Siemens oder einen der vielen anderen Global Player. Vielleicht kommen einem auch die Wirtschaftskrise und die internationalen Finanzmärkte in den Sinn oder man denkt an den Klimawandel und die vielen Probleme, die die Ungleichverteilung globaler Ressourcen mit sich bringt.

Wer aber würde bei Globalisierung schon spontan ans Mittelalter denken? Und doch gab es im Mittelalter bereits das, wovon viele Politiker heute noch träumen: einen zusammenhängenden, globalen Wirtschaftsraum rund um die Ostsee.

Im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung „Globalisierung“ des Wissenschaftsverbundes Um-Welt beleuchtete Dr. Steffen Stuth vom Kulturhistorischen Museum Rostock am Donnerstag das Netzwerk der Hanse.

„Der Mensch konzentrierte sich auf seine Stadt, der Mensch konzentrierte sich auf sein Dorf“, veranschaulichte Stuth die vorherrschende Situation im Mittelalter. Mit mehr als 30 Einwohnern war ein Dorf schon groß, ebenso Städte mit mehr als zwei- oder dreitausend Bewohnern. Nicht gerade Fakten, die dafür sprechen, dass wir uns im Mittelalter in einem Zeitraum der Globalisierung bewegen.

Dr. Steffen Stuth
Dr. Steffen Stuth

„Aber dennoch“, so Stuth, „ist gerade die Hanse, ist das Netzwerk der Hanse ein Ausdruck beginnender Globalisierung.“ Eine neue Erkenntnis, die erst in den letzten Jahren der Hanse-Forschung gewachsen sei.

Nationalstaatliche und sprachliche Grenzen, wie wir sie heute im Ostseeraum haben, gab es im Mittelalter nicht. Der Raum war damals viel stärker vereinigt. Aber was war die Hanse überhaupt?

Keineswegs ein föderalistisches System, wie Deutschland oder Nordamerika heute. Die Hanse war eher ein loser Städtebund, so Stuth: „Man gehörte dazu, wenn man sich zugehörig fühlte und man schied aus, wenn man keinen Erfolg mehr mit der Mitgliedschaft in diesem Bündnis verbinden konnte.“

Und doch gibt es erstaunlich viele Gemeinsamkeiten in den Städten der Hanse. Fast überall finden sich ähnliche Strukturen von Stadtgestaltung, Sprache, Recht und Kultur. All das über ein Gebiet, das von London bis Nowgorod, von Bergen und Gotland bis in den süddeutschen Raum reicht. Für Stuth durchaus Indizien dafür, dass es eben nicht einzelne Städte gewesen sind, sondern Städte, aus denen die Hanse zusammengesetzt ist. „All diese Städte beziehen sich aufeinander, alle diese Städte umfassen einen gemeinsamen Raum und so begreifen sie sich auch.“

Interessante Einblicke, gelungene Parallelen und ein erfrischend anderer Blick auf das große Thema der Globalisierung sorgten für eine kurzweilige Vorlesung am Donnerstag.

Ringvorlesung „Globalisierung“ des Wissenschaftsverbundes Umwelt an der Uni Rostock
Ringvorlesung „Globalisierung“ des Wissenschaftsverbundes Umwelt an der Uni Rostock

Weiter geht es in der Ringvorlesung am 4. November mit Professor Dr. Michael Rauscher vom Lehrstuhl Außenwirtschaft am Institut für Volkswirtschaftslehre. In seiner Vorlesung widmet er sich der Globalisierung der Wirtschaft und dem Klimawandel.

Organisiert wird die Vorlesungsreihe vom Wissenschaftsverbund Um-Welt (WVU). Der WVU ist ein Zusammenschluss der mit Umweltfragen beschäftigten Institute an der Universität Rostock.

Die Vorlesungen finden bis zum 27. Januar 2011 immer donnerstags um 17:15 statt, das vollständige Programm gibt es auf der Website des WVU. Interessierte Gäste sind zu den kostenlosen Vorlesungen herzlich willkommen.

Schlagwörter: Geschichte (87)Globalisierung (1)Hanse (4)Universität Rostock (341)

Das könnte dich auch interessieren:

2 Kommentare

  • Ingo Reger sagt:

    Zur HANSE:

    Welchen Einfluß haben die im Jahre 1307 aus Frankreich geflohenen Tempelritter in Südskandinavien, und somit der Gründung der Hanse, hinterlassen?

    Neben der These, daß die Templer auf die britischen Inseln flüchteten, gibt es die Vermutung, daß sie sich auch in Dänemark niedergelassen haben.
    Im Jahre 1219 gab es ein dänisches Einflußgebiet das vom heutigen Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, dem dänischen Kernland und Südschweden reichte. Könnten die Templer neben dem Deutschritterorden im Ostseeraum gewirkt haben?

    mit freundlichen Gruß

  • Anton Johannes sagt:

    Die Templer bauten auf Bornholm Rundkirchen, nach dem Muster von Drüggelte bei Soest, hauptsächlich zur Schulung und Einweihung der Novizen. Unter dem Boden in der Kirche von Österlars ruht ein Teil ihres Schatzes in Gold. Zum Glück darf nicht gegraben werden, trotz metallurgischen Befunden.

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.