Am vergangenen Wochenende hat die M/F „Kronprins Frederik“ zum letzten Mal den Fährhafen Puttgarden verlassen. Mit vollständiger Besatzung, aber ohne Passagiere ging es über den Großen Belt, unter der Brücke hindurch, um Skagen herum und weiter an die dänische Westküste. Am Nachmittag darauf machte das Schiff in Esbjerg fest. Dort wird es an das dänische Recyclingunternehmen Smedegaarden A/S übergeben, das auf der europäischen Liste zugelassener Abwrackbetriebe steht, wie die Reederei Scandlines heute bekanntgab.

„Nach 45 Jahren treuer Dienste haben wir die Fähre am Samstagabend auf ihre allerletzte Reise geschickt“, sagt Michael Guldmann Petersen, COO von Scandlines. „Es waren bewegende Tage für uns und nicht zuletzt für alle, die an Bord ihren Dienst getan haben. Mehrere Besatzungsmitglieder haben über viele Jahre auf der Fähre gearbeitet.“

Vom Großen Belt an die Warnow

Gebaut wurde die „Kronprins Frederik“ auf der Nakskov Skibsværft in Dänemark, 1981 übernahmen die Dänischen Staatsbahnen DSB das Schiff. Getauft ist es nach dem heutigen dänischen König Frederik X. Als eine von drei Intercityfähren – neben der „Dronning Ingrid“ und der „Prins Joachim“ – verband sie mit vier Gleisen an Bord Korsør und Nyborg über den Großen Belt. Mit der Eröffnung der festen Beltquerung 1997 war diese Aufgabe erledigt.

Für Rostock begann die Geschichte 1997 mit einem Umbau zur Auto- und Passagierfähre. Im März 1998 lief die „Kronprins Frederik“ erstmals für Scandlines auf der Strecke Rostock–Gedser ein. Fast 19 Jahre lang, bis Februar 2017, gehörte sie zum festen Inventar des Überseehafens. Im Zwei-Stunden-Takt, 15 Minuten Be- und Entladung, beförderte sie über die Jahre Millionen Passagiere und Fahrzeuge auf der kürzesten Verbindung zwischen Berlin und Kopenhagen.

Heckansicht der Fähre „Kronprins Frederik" mit hochgeklappten Heckklappen im Seekanal Warnemünde, links der blaue Turm der Verkehrszentrale.
Am 13. Mai 2025 passierte die „Kronprins Frederik" die Verkehrszentrale Warnemünde. Am Heck ist neben dem Schiffsnamen der Heimathafen Rostock zu lesen – seit 2017 fuhr die Fähre unter deutscher Flagge.Foto: Archiv

Der Klang der Maschine und die Fährwelle vor Warnemünde

Man hörte sie, bevor man sie sah: Das tiefe, stampfende Wummern ihrer Maschinen trug weit über das Wasser. Bevor man die Kronprins richtig erkennen konnte, hatte man sie längst an ihrem einzigartigen Klang erkannt.

Bekannt war die „Kronprins Frederik“ aber vor allem für ihre Fährwelle. Zusammen mit der „Prins Joachim“, die ab 2001 auf derselben Route fuhr, schob sie mit ihrem klobigen Unterwasserschiff beim Einlaufen so viel Wasser vor sich her, dass am Strand eine echte Brandung ankam. Minutenlang konnten die Surfer vor Warnemünde auf dieser Welle reiten. Mit den neuen Hybridfähren war es damit vorbei: „Berlin“ und „Copenhagen“ haben moderne Unterwasserschiffe, die deutlich weniger Wasser verdrängen.

Das Schwesterschiff fährt weiter – im Mittelmeer

Die „Berlin“ löste im Mai 2016 die „Prins Joachim“ ab, die „Copenhagen“ im Februar 2017 die „Kronprins Frederik“. Danach trennten sich die Wege der beiden Veteranen. Die „Prins Joachim“ fährt heute unter marokkanischer Flagge als „Morocco Star“ zwischen Tanger-Med und Algeciras. Für die „Kronprins Frederik“ hat Scandlines lange und vergeblich einen Käufer für einen Weiterbetrieb gesucht.

Ganz weg aus Rostock war sie allerdings nie: Nach einem Umbau der Heckklappen fuhr sie ab 2017 unter deutscher Flagge mit Heimathafen Rostock als Frachtfähre auf der Vogelfluglinie Puttgarden–Rødby und als Reserve für Rostock–Gedser. In der Hauptsaison sprang sie samstags zusätzlich zwischen Rostock und Gedser ein, um auf der „Berlin“ und „Copenhagen“ Kapazität für Urlauber-Pkw freizuräumen. Noch 2025 war sie als Unterstützung im Frachtverkehr auf der Strecke unterwegs – und damit ein letztes Mal vor Warnemünde zu sehen.

Anfang März dieses Jahres endete ihr Dienst endgültig, als die neue Frachtfähre „The Baltic Whale“ den Verkehr auf der Vogelfluglinie übernahm. Sie zählt laut Scandlines zu den größten Fähren weltweit, die ausschließlich mit Landstrom betrieben werden können – Teil des Ziels der Reederei, bis 2040 ohne direkte Emissionen zu fahren.

Weiterfahren wird sie trotzdem - als Modell

Einen Trost gibt es für Nostalgiker: Die „Kronprins Frederik“ hat es als funktionsfähiges Modell ins Miniatur Wunderland nach Hamburg geschafft, wo sie im Abschnitt Skandinavien ihre Runden dreht. Während das Original in Esbjerg zerlegt wird, legt die Miniaturausgabe weiter ab – Fährwelle inklusive, wenn auch im Maßstab 1:87.