16. Poetry Slam im Ursprung

Dichterwettstreit in der 23. Rostocker Kulturwoche

9. November 2010, von
Poetry Slam der 23. Rostocker Kulturwoche im Ursprung
Poetry Slam der 23. Rostocker Kulturwoche im Ursprung

Rappelvoll war es am Montagabend im Ursprung, der Kleinkunstbühne am Alten Markt. Sogar bis auf den Bühnenrand drängten sich die Gäste. Zum Poetry Slam der 23. Rostocker Kulturwoche waren sie gekommen. Der Dichterwettstreit ist mittlerweile zu einer festen Institution der beliebten Veranstaltungsreihe geworden. Bereits zum 16. Mal hatte das Kulturreferat vom AStA der Universität Rostock ihn für all jene organisiert, die ihr schriftstellerisches Talent vor einem Live-Publikum testen wollen.

Silberner Punkt, Wanderpokal des Poetry Slams
Silberner Punkt, Wanderpokal des Poetry Slams

Traditionell wurde der Abend mit der Entzündung einer Kerze eröffnet. Sie soll nicht nur für allgemeine Erleuchtung sorgen, sondern verhalf auch dem Silbernen Punkt zu noch größerem Glanz.

Der Silberne Punkt ist die bei Rostocker Poetry-Slammern begehrte Trophäe, die es einmal im Semester zu gewinnen gibt.

Doch um den kleinen Wanderpokal bei sich im eigenen Heim aufstellen zu dürfen, müssen die Wettbewerbsteilnehmer zuvor die Zuschauer überzeugen. Denn nur, wer von ihnen die meisten Stimmen erhält, bekommt diesen Publikumspreis.

die Teilnehmer des Poetry Slams
die Teilnehmer des Poetry Slams

Zehn Beiträge hatten die Gäste im Ursprung zu beurteilen. Elf Poeten traten gegeneinander an. Richtig gerechnet: Ein Beitrag wurde von zwei Teilnehmern gestaltet. Die beiden Studenten Erik Malter und Thomas Linke hatten beide die Absicht beim Poetry Slam mitzumachen und beide hatten auch schon einen Anfang für ihren eigenen Text verfasst. In einem Café entschlossen sie sich, ihre Ideen zu einer gemeinsamen Geschichte zu entwickeln.

Sven Lübbe
Sven Lübbe

Deren Protagonist heißt Tom. Auf der Suche nach Erleuchtung treibt es ihn in eine Bar. Dort trinkt er so viel, dass seine Umgebung bald auf ihn einzudringen scheint. Ob sie mit dieser Geschichte die Zuschauer beeindrucken können?

Erfahrene Poetry-Slammer wissen, dass es nicht nur auf den Text allein ankommt, sondern immer auch die „Performance“ eine gewisse Wirkung beim Zuschauer hinterlässt. Auch Thomas Linke nimmt nicht zum ersten Mal an diesem Poetry-Slam teil und so hat er sich mit seinem Partner vorher schon einige Gedanken über die Darbietung ihrer Geschichte gemacht. „Wir wollten das Publikum ansprechen und haben deshalb besonders betont vorgetragen. Außerdem haben wir noch einige spielerische Elemente eingebaut“, erklärt der vierundzwanzigjährige Lehramtsstudent für Germanistik, Geschichte und Darstellendes Spiel später.

André Marschke
André Marschke

Fehlt noch etwas für einen siegreichen Beitrag beim Poetry-Slam? Ach ja, die Botschaft. Was wollen die beiden Autoren dem Zuhörer mit ihrem Text eigentlich mitteilen? „Verschwende deine Energie nicht für die Suche nach Erleuchtung, denn sie steckt in den Momenten, die du beobachtest“, bringt Thomas Linke sie auf den Punkt. Diese Erkenntnis dürfte doch auch bei vielen Besuchern des Ursprungs eigene Erinnerungen wecken und Gedanken anregen.

Diese Voraussetzungen plus die doppelte Manpower – da müsste doch der Silberne Punkt drin sein. Aber die Konkurrenz war groß.

Kerstin Borchardt und ihr Schokoladenweihnachtsmann
Kerstin Borchardt und ihr Schokoladenweihnachtsmann

Wer sich das Teilnehmerfeld anschaute, konnte den Eindruck gewinnen, dass das Dichten und die Schriftstellerei vor allem etwas für Herren sei. Kerstin Borchardt war die einzige Frau, die an diesem Abend auf der Poetry-Slam-Bühne stand. Ein Mann, ein Schokoladenweihnachtsmann, inspirierte sie zu einem Gedicht.

Liebe, glücklich oder unglücklich, war überhaupt eines der großen Themen beim 16. Poetry Slam. André Marschke schilderte seine Liaison zu Angela Merkel und konnte mit Sprachwitz und einer sympathische Bühnenpräsenz punkten. Sven Lübbe las aus seiner sehr aufschlussreichen wissenschaftlichen Abhandlung, in der er das Projekt „Schöpfung“ und die Rolle von Adam und Eva analysierte. Er glänzte mit originellen Schlussfolgerungen und profunden Bibelnachweisen. Beim Publikum fanden die beiden Vorträge großen Anklang. Mit viel Beifall und dem dritten (Sven Lübbe) sowie dem zweiten Platz (André Marschke) belohnten sie die beiden Poetry-Slammer.

Erik Malter und Thomas Linke
Erik Malter und Thomas Linke

Den ersten Platz vergaben die Zuschauer übrigens an Erik Malter und Thomas Linke. Der Silberne Punkt wird also in den nächsten Monaten bei ihnen ein neues Zuhause finden.

Ob sie ihren Preis im Frühling bei einem 17. Poetry Slam verteidigen können, ist noch ungewiss, teilte der Moderator Christoph Lenz mit. Eine wichtige Weiche dafür stellt morgen das Studentenparlament der Universität Rostock, indem es über die zukünftige Finanzierung der Rostocker Kulturwoche entscheidet.

Schlagwörter: Kerstin Borchardt (2)Kulturwoche (47)Literatur (190)Poetry Slam (11)Studenten (143)Ursprung (9)

Das könnte dich auch interessieren:

1 Kommentar

  • Peter sagt:

    Netter Artikel, leider wurde die Idee der Vielfalt an Texten und Akteuren, die ein solcher Slam bereithält, völlig außer Acht gelassen. Auf dem Gruppenfoto sehe ich 11 Personen, nur fünf davon fanden im Artikel Erwähnung. Hier hätte ein (wenigstens grober) Überblick vielleicht besser getan. Nun, die Wahl zwischen einem Interview mit den Siegern und einem besseren Überblick ist dann zugunsten des Interviews ausgefallen, natürlich ebenfalls keine schlechte Entscheidung. Der Artikel hat mir trotzdem gut gefallen =)

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.