Diego Hagen ist erster MV Poetry-Slam-Meister

Greifswalder Germanistikstudent gewinnt landesweiten Dichterstreit im Rostocker Audimax

24. Mai 2013, von
Gewinner: Diego Hagen
Gewinner: Diego Hagen

Der Reim hat es ihm angetan. Er ist elementar, wenn er an einem roten Faden ein Thema entspinnt. Die Geschichte ist wichtig, noch wichtiger ist ihm jedoch die Sprache, erklärt Diego Hagen. Der 25-jährige Germanistikstudent aus Greifswald streitet seit zwei Jahren bei Poetry Slams mit anderen Dichtern auf der Bühne um die Gunst des Publikums.

Tim Golla verfasste einen geistreichen Text zur Frage: Was macht uns menschlich?
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In Mecklenburg-Vorpommern ist die Poetry-Slam-Szene mittlerweile so stark gewachsen, dass Pfingsten zum ersten Mal ein Landesvergleich ausgetragen wurde. 18 Teilnehmer hatten sich dafür bei Slams in Stralsund, Greifswald, Neustrelitz und Rostock qualifiziert. 15 stellten sich schließlich bei der 1. MV Poetry Slam Meisterschaft im Audimax den 450 Zuhörern, die den harten und hochwertigen Wettstreit über drei Stunden aufmerksam verfolgten. Am Ende waren sie es, die den Besten kürten. Sein Preis: die Teilnahme an den 17. deutschsprachigen Meisterschaften im November in Bielefeld. Die Chance also, in die Fußstapfen renommierter Slammer wie Marc-Uwe Kling oder Volker Strübing zu treten.

Rostocker Germanistikstudent André Marschke über die Ernährungsgewohnheiten von Hänsel und Gretel
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„Heute geht es mal um was“, dachte sich auch Diego Hagen und stellte dem Publikum in der Vorrunde seine Ballade „Blumenhochzeitsfeierei“ vor, in der eine Petersilie eine Gladiole links liegen lässt, um zum Widerwillen ihrer Verwandtschaft eine Lilie zu heiraten. Mit Reimen wie „Das haut die taffen Osterglocken aus den Socken“ oder „Denn die Narzissen wissen, ohne Moos nix los“ hat er die Schmunzler auf seiner Seite und mit „die Moral von der Geschicht‘, unterschätze die Macht der Liebe nicht“ eine klare Botschaft für den Hausgebrauch.

Thomas Linke über E-Bikes und die unendlichen Rostocker Jahrmärkte
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Die Liebe war auch bei vielen anderen Slammern das große Thema, das sie auf unterschiedliche Weise beleuchteten. Birte Jensen hatte eine Liebeserklärung vorbereitet, Max Golenz beschrieb die Traumfrau eines ziemlichen Machos und Christin Kretschmar teilte die Ansichten eines lyrischen Ichs über „Eklige Paare“ mit.

Aber auch andere Themen beschäftigten die Dichter. Thomas Linke konnte sich herrlich über die endlose Aneinanderreihung Rostocker Jahrmärkte auslassen und traf damit den Nerv des hiesigen Publikums, das eine deutliche Mehrheit bildete. Aus der Ich-Perspektive äußerte sich auch bei anderen Frust und es gab – nicht ohne Humor – Einblicke in menschliche Abgründe. Am heftigsten teilte Lucas Thiem aus, indem er Slammer als Pseudo-Künstler und den Poetry-Slam als Krebsgeschwür des deutschen Mittelstandes bezeichnete.

MV Poetry Slam Meisterschaft 2013
MV Poetry Slam Meisterschaft 2013

Doch nach ein paar Minuten – hier waren es sieben – ist für jeden Schluss, so sind die Regeln beim Poetry Slam, der 1986 in Chicago entstand und Anfang des 21. Jahrhunderts auch Rostock, als erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern erreichte. Tief in der Studentenszene verwurzelt etablierten sich hier bald verschiedene Slams und auch auf anderen Lesebühnen des Landes fand dieser Dichterwettbewerb nach und nach Anklang.

Die literarischen Formen sind dabei völlig offen. Und auch bei der MV Meisterschaft spiegelte sich eine große Bandbreite vom romantischen Gedicht, über Milieustudien in Reimform oder Prosa bis zur Stand-up Comedy wider. Es müssen nur eigene Texte sein, so eine weitere Regel. Oft greifen die Slammer für ihren Vortrag auf performative Elemente zurück. Einige entwickelten dabei einen rhythmischen, an Rap erinnernden Flow. Bemerkenswert auch, wie noch während der Wettbewerbsphase an den Texten gefeilt wird, um auf seinen Vorredner und die Stimmung im Publikum einzugehen.

„Aus Kopf Herz und Hand“ kommen die Ideen für seine Gedichte, erklärt Diego Hagen und überzeugte damit das Publikum. Gemeinsam mit den Rostockern Thomas Linke und André Marschke sowie dem Neustrelitzer Tim Golla konnte er sich für die Finalrunde qualifizieren. „Jugend, Alter!“, seine Abrechnung mit der aktuellen Teenagergeneration aus der Sicht eines Twens, brachte ihm schließlich den Titel 1. MV Poetry Slam Meister und ein Taxi nach Bielefeld ein.

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1 Kommentar

  • anonym sagt:

    beklopptest publikum, klatscht dauernd mittendrin.

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