Rostocker Uni-Professor berät Kanzlerin Angela Merkel

Als einziger Wissenschaftler aus MV darf sich Professor Frank-Hendrik Wurm „Berater der Bundeskanzlerin“ nennen und im Bundeskanzleramt Zukunftsthemen diskutieren

23. April 2012
Prof. Dr. Frank-Hendrik Wurm im modernsten und größten Schallmessraum Europas
Prof. Dr. Frank-Hendrik Wurm im modernsten und größten Schallmessraum Europas

Der Rostocker Universitäts-Professor Dr. Frank-Hendrik Wurm darf sich seit Sommer 2011 als einziger Wissenschaftler aus MV „Berater der Bundeskanzlerin“ nennen. Er gehört zu einem Kreis von etwa 120 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, mit dem Angela Merkel ein ungewöhnliches Politik-Experiment gestartet hat: Die Bundeskanzlerin will Deutschlands Zukunft skizzieren. Dazu bedient sie sich einer handverlesenen Truppe.

„Ich erhielt völlig überraschend einen Anruf aus dem Bundeskanzleramt und wurde gefragt, ob ich mitmache“, sagt der 50-jährige Rostocker Professor. Der Vater von vier Kindern hatte im Oktober 2010 an der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik den Lehrstuhl für Strömungsmaschinen übernommen und sich schnell an der Uni Rostock profilieren können. Prof. Wurm warb binnen kurzer Zeit von der weltweit führenden deutschen Pumpenindustrie hochaktuelle Forschungsprojekte ein. Vor knapp fünf Monaten wurde dann ein Kompetenzzentrum für Strömungsmaschinen an der Fakultät gegründet. Aufgabe ist die lehrstuhlübergreifende Zusammenarbeit.

Prof. Wurm verknüpft exemplarisch die Erfahrungen und Fähigkeiten von Wissenschaft und Wirtschaft. Er ist in Halle geboren, studierte in Magdeburg Maschinenbau und war zuletzt zwölf Jahre in einem Maschinenbaukonzern Leiter für Forschung und Entwicklung.

Das Kanzleramt jetzt als Ideenschmiede? Angela Merkel sucht Antworten auf Fragen, die das Leben in Deutschland bis 2030 bestimmen. „Wenn ich in Berlin bin und Zukunftsthemen im Bundeskanzleramt diskutiere, dann empfinde ich eine große Verantwortung“, sagt Prof. Wurm. Wohlwissend, dass dieser Satz für manch einen banal klingen mag.

Unter der Überschrift „Menschlich und erfolgreich. Dialog über Deutschlands Zukunft“ hat die Bundeskanzlerin drei Kernfragen in den Mittelpunkt gestellt:

Wie wollen wir zusammenleben?

Was hilft dem Zusammenhalt der Gesellschaft? Wie können wir kinderreicher und wie familienfreundlicher werden? Wie können Staat und Gesellschaft für mehr Sicherheit sorgen, zum Beispiel im Wohnumfeld, auf der Straße oder im öffentlichen Nahverkehr? Wie lässt sich Bürgerbeteiligung konkret besser organisieren?

Wovon wollen wir leben?

Was sind eigentlich Deutschlands Stärken auf dem Weltmarkt? Wie können wir neugierig und innovativ bleiben und damit Geld verdienen? Was können Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Staat tun, um Arbeit sicherer und attraktiver zu machen?

Wie wollen wir lernen?

Wie sieht praktische Wertevermittlung aus? Wie können wir alle besser hinzulernen – sowohl im Beruf als auch privat? Welche Rolle spielt das Internet? Wie kann unser berufliches Lernen verbessert werden. Und: Kann eigentlich auch die Gesellschaft als Ganzes hinzulernen?

Zu den drei Hauptthemen wurden jeweils sechs Arbeitsgruppen gebildet, die aus bis zu 20 Experten bestehen. „Wir erarbeiten unabhängig von Eigeninteressen Vorschläge für die nächsten zehn Jahre“, schildert Prof. Wurm. „Das ist viel herausfordernder konkret zu werden, als ich jemals dachte“, sagt der Rostocker Wissenschaftler. „Wenn man Allgemeinplätze verlässt und über mögliche Visionen diskutiert, haben wir tolle Gespräche.“

Inzwischen hat die Bundeskanzlerin zum Bürgerdialog im Internet aufgerufen. Auf der Internetplattform www.dialog-ueber-deutschland.de können die Deutschen seit dem 1. Februar 2012 genau das Gleiche tun, was die Wissenschaftler und Praktiker im Expertendialog tun: nämlich ganz konkret eigene Handlungsvorschläge machen und von Ihren Erfahrungen und Ideen berichten. Ziel des Zukunftsdialogs ist es, eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über die nahe Zukunft des Landes anzuregen. Der Zukunftsdialog ist als langfristiger Prozess des Nachdenkens in einer schnelllebigen Zeit angelegt.

Prof. Wurm ist erstaunt über die große Resonanz im Internet. „Bis zu 20 000 Zugriffe gibt es am Tag, viele Vorschläge von Bürgern gehen ein.“

Quelle & Foto: Universität Rostock

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