Unimedizin schaltet Rohrpostanlage scharf

Medikamente, Labor-, Blut- und Gewebeproben transportiert in der Universitätsmedizin Rostock jetzt eine hauseigene Rohrpostanlage

28. Oktober 2015
Techniker Ralf Breetzmann vor der Spülmaschine: Die Büchsen bewegen sich nach 200 Fahrten automatisch Richtung Dusche. (Foto: Unimedizin)
Techniker Ralf Breetzmann vor der Spülmaschine: Die Büchsen bewegen sich nach 200 Fahrten automatisch Richtung Dusche. (Foto: Unimedizin)

Wie ein Getränkeautomat sieht es aus, das große Gerät, das seit einigen Wochen in einem eigenen Raum in der Kinder- und Jugendklinik der Universitätsmedizin Rostock steht. Plötzlich summt die Maschine, lässt ein Ploppen hören – und im unteren Fach landet eine etwa 30 Zentimeter große durchsichtige Büchse. Statt Cola oder Sprite enthält sie wichtige Medikamente, die auf der Station gebraucht werden. Die Lieferung stammt direkt aus der Apotheke der Unimedizin – transportiert über die hauseigene Rohrpostanlage, die jetzt in Betrieb genommen wurde.

Mit dem System werden neben Medikamenten auch Labor-, Blut- und Gewebeproben transportiert. Das funktioniert über ein rund 3500 Meter langes  Rohrsystem, das auf dem Campus Schillingallee die einzelnen Gebäude, darunter die Apotheke, einzelne Institute und viele Stationen, miteinander verbindet. „Das Ganze geschieht dank Pressluft in Sekundenschnelle“, erzählt Ralf Breetzmann, Techniker in der Unimedizin. „Eine normale Probe legt fünf Meter pro Sekunde zurück. Manche Stoffe dürfen nicht ganz so schnell durch die Rohre geschossen werden; die sind etwa halb so rasant unterwegs.“

Schneller Transport für schnelle Versorgung: Vor allem im Intensivbereich wird Patienten mehrmals täglich Blut abgenommen, um ihren Allgemeinzustand zu prüfen. Diese Proben werden nun von den Pflegekräften mit reichlich Luftpolsterfolie sicher eingepackt und in einen der durchsichtigen Behälter gesteckt. Im Nu landet die Büchse im Institut für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, wo die Probe analysiert und ausgewertet wird. Der Befund trifft per Fax ebenso schnell wieder auf der Station ein – und die passende Behandlung kann starten. „Bisher wurde der Transport von unseren Blutläufern übernommen“, so Breetzmann. Allein auf dem Campus Schillingallee legten die Boten bis zu 15 Kilometer pro Tag zurück, bei jeder Wetterlage. „Die Rohrpost bringt also eine große Entlastung.“

Jeder Behälter habe seine eigene Heimatadresse, berichtet der Fachmann: „Wenn die Probe entnommen wurde, kehrt jede Büchse immer wieder zu ihrem Ursprungsort zurück.“ Die Mitarbeiter im Labor stecken sie dazu einfach wieder in die Röhre – den Weg nach Hause findet sie von allein. Nach 200 solcher Leerfahrten ist es Zeit für eine Dusche. „Dann werden die Dosen automatisch aus dem Verkehr gezogen und zu uns ins Ver- und Entsorgungszentrum umgeleitet.“ Dort gibt es – an deutschen Kliniken ist das  einmalig – eine hochmoderne Waschmaschine, in der die Behälter gereinigt werden.

Das System Rohrpost ist übrigens nicht neu: Zum ersten Mal wurden Büchsen in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Reisen geschickt. „Heutzutage kommt nur ein bisschen mehr Elektronik hinzu“, so Breetzmann. „Also kein neumoderner Schnickschnack, sondern eine ganz solide und bewährte Technik.“

Quelle & Foto: Universitätsmedizin Rostock

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