Scandlines-Hybridfähre „Berlin“ kämpft mit Rußausstoß

Die Abgasfilter der Scandlines-Fähre „Berlin“ sind noch nicht in Betrieb, es kommt verstärkt zu Rauchentwicklung, doch die Reederei verspricht schnelle Abhilfe

28. Juli 2016, von
Die Scandlines-Hybridfähre „Berlin“ ist in eine Rußwolke gehüllt - die Reederei verspricht schnelle Abhilfe
Die Scandlines-Hybridfähre „Berlin“ ist in eine Rußwolke gehüllt - die Reederei verspricht schnelle Abhilfe

Erst brach sie einen Rekord nach dem anderen, doch seit einigen Tagen macht die neue Scandlines-Hybridfähre „Berlin“ eher durch Rußwolken und starke Rauchentwicklung von sich reden. Dabei sollte das neue Schmuckstück, das seit Ende Mai auf der Route Rostock-Gedser unterwegs ist, besonders sauber und umweltfreundlich sein.

Rußwolken dürfte es eigentlich nicht geben. Bei der Taufe hatte Scandlines sein neuestes Fährschiff nicht nur aufgrund des Hybridantriebs als besonders umweltfreundlich und emissionsarm präsentiert, sondern ganz ausdrücklich auch die Abgasbehandlung durch vier in den Schornstein integrierte Abgaswäscher (Scrubber) gelobt.

Doch diese Abgaswäscher sind bislang noch gar nicht in Betrieb, räumt Scandlines auf Nachfrage ein, erst im August soll die Abgasreinigung funktionieren. „Der Grund für den sichtbaren Rauch ist, dass vom Lieferanten falsche Öleinspritzdüsen geliefert wurden“, erklärt Corinna Isabel Simonsen von Scandlines und versichert, dass die Reederei „momentan auf Hochtouren an einer Lösung“ arbeitet.

Ausgelegt ist die Fähre für Schweröl, das aufgrund seines hohen Schwefelgehalts in der Ostsee eigentlich nicht mehr verwendet werden darf. Durch die Abgaswäscher soll die „Berlin“ die gesetzlichen Grenzwerte jedoch trotzdem unterschreiten. Da diese noch nicht in Betrieb sind, fährt die „Berlin“ momentan mit dem teureren, schwefelarmen Marine-Gasöl. Problem: Die Einspritzdüsen passen nicht, denn diese sind nur für Schweröl geeignet und dies führt zur sichtbaren Rauchentwicklung.

Dass diese kurz nach der Ausfahrt vor Warnemünde besonders stark ist, liegt an der Funktionsweise des Hybridsystems. Die „Berlin“ kombiniert zwei Marinedieselgeneratoren mit einem elektrischen Batteriebetrieb. Während der Revierfahrt wird jeweils ein Dieselgenerator abgeschaltet, die Batteriebank fungiert während dieser Zeit als voll aufgeladener Back-Up-Generator. Beim Verlassen des Rostocker Seekanals wird kurz hinter Warnemünde der zweite Dieselgenerator wieder hochgefahren, hierbei entsteht die auf dem Bild zu sehende Rußwolke.

Für die Inbetriebnahme der Scrubber muss die „Berlin“ vorübergehend aus dem Verkehr genommen werden, deshalb soll das Ende der Hauptsaison abgewartet werden, erklärt Simonsen und verspricht alles dafür zu tun, die „Kinderkrankheiten“ zu kurieren und „unserem Versprechen von einer umweltfreundlichen Fährschifffahrt nachzukommen“.

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2 Kommentare

  • Thomas sagt:

    Mir ist das neulich auch aufgefallen, als wir auf dem Kopf der Westmole ziemlich eingenebelt wurden. Wird das denn auf See von keiner Behörde wie dem TÜV beim Auto überwacht? Kann dort jeder soviel Dreck rausblasen, wie er möchte?

  • Olaf sagt:

    Außer für Schwefel gibt es für Schiffe praktisch keine Grenzwerte, was die Emissionen betrifft, insbesondere nicht für Ruß oder Feinstaub. Seit letztem Jahr darf der Treibstoff im Ostseeraum nur noch maximal 0,1 Prozent Schwefel enthalten (beim Schweröl ist/war die zehnfache Menge erlaubt) oder die Abgase müssen mittels Scrubber gereinigt werden.

    Solange die Scrubber noch nicht in Betrieb sind, fährt die Berlin mit dem schwefelarmen Marinedieselöl, anschließend darf sie auch Schweröl verbrennen – rechtlich ist alles im grünen Bereich!

    Was den Feinstaub betrifft, ist das immer noch eine freiwillige Entscheidung der Reederei, ob sie etwa auf Flüssiggas (LNG), Katalysatoren, Partikelfilter oder einen Hybridantrieb setzt. Ich hoffe, dass Scandlines die Probleme zeitnah löst, aber Vorschriften, die einzuhalten sind, gibt es – auch für die vielen anderen Schiffe – bislang kaum, da sind Gesetzgeber/IMO (Internationale Schifffahrtsorganisation) gefragt.

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