Neue Scandlines-Fähre „Berlin“ in Rostock getauft

Ines Rehberg hat heute Vormittag im Rostocker Seehafen das neue Scandlines-Fährschiff „Berlin“ getauft – es verkehrt künftig auf der Strecke Rostock-Gedser

3. Mai 2016, von
Hartmut Adam, Kapitän der neuen Scandlines-Fähre „Berlin“, und Taufpatin Ines Rehberg
Hartmut Adam, Kapitän der neuen Scandlines-Fähre „Berlin“, und Taufpatin Ines Rehberg

„Lange haben wir auf diesen Moment warten müssen“, erklärt Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen, doch „endlich sind wir am Ziel, Hull 502 – so der Arbeitsname des Schiffes – liegt in Rostock, wir können die Champagnerflasche an das Fährschiff schmeißen“. Mit Partnern und Gästen feierte der Reederei-Chef heute im Rostocker Überseehafen die Taufe seines neuen Fährschiffes, das künftig die Route Rostock-Gedser bedienen wird.

Dann schritt Ines Rehberg zur Tat: „Ich taufe dich auf den Namen ‚Berlin‘ und wünsche dir und deiner Mannschaft allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“. Mit einem beherzten Schnitt durchs rote Band ließ die Taufpatin der „Berlin“ eine Champagnerflasche auf dem Autodeck der neuen Scandlines-Fähre zerschellen. Die Frau des Bundestagsabgeordneten und Experten für die Maritime Wirtschaft Eckhardt Rehberg (CDU) bekam als Dankeschön eine Spende über 2.500 Euro für den Verein Hanse-Tour-Sonnenschein, der sich krebskranken Kindern widmet.

Scandlines-Fähre „Berlin“ in Rostock getauft
Scandlines-Fähre „Berlin“ in Rostock getauft

Die neue 169,5 Meter lange und 24,4 Meter breite Scandlines-Fähre „Berlin“ kann 1.300 Passagiere befördern und bietet auf rund 1.600 Lademetern Platz für 460 Pkw oder 96 Lkw. Damit wird die Fahrzeugkapazität gegenüber dem Vorgänger „Prins Joachim“ mehr als verdoppelt. Trotzdem soll die „Berlin“ weiterhin innerhalb von nur 15 Minuten be- und entladen werden. Möglich macht dies der neue Fähranleger am Liegeplatz 54, über dessen Doppeldeckrampe die Fahrzeuge gleichzeitig auf zwei Ebenen vom und aufs Schiff rollen können. 22 Millionen Euro hat die Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) in den Ausbau des Liegeplatzes 54 investiert.

Alle wichtigen Passagierbereiche der „Berlin“ befinden sich auf einer Ebene. Das Scandlines Buffet im vorderen Teil und die FoodXpress-Cafeteria im mittleren Teil von Deck 7 bieten jeweils 300 Gästen Platz. Direkt nebenan kann im großzügigen Onboardshop eingekauft werden. Auf dem Oberdeck befindet sich das in Strandfarben gestaltete „Berlin Xpresso“, es bietet direkten Zugang zum offenen Sonnendeck.

Oberes Fahrzeugdeck (Deck 5) der Scandlines-Fähre „Berlin“
Oberes Fahrzeugdeck (Deck 5) der Scandlines-Fähre „Berlin“

Wert legt Scandlines auf die Ökobilanz ihrer neuen Schiffe, die über einen Hybrid-Antrieb verfügen, der den traditionellen Dieselantrieb mit einem elektrischen Batterieantrieb kombiniert und nach Reedereiangaben bis zu 15 Prozent der CO2-Emissionen einsparen sollen. Derzeit wird überschüssige Energie der Dieselmaschine in Batterien gespeichert, perspektivisch sollen die Akkus mittels Plugin-Technologie in den Häfen aufgeladen werden, um die Fähren in Küstennähe alleine durch Batterieantrieb betreiben zu können – doch das ist momentan noch Zukunftsmusik.

Bei so viel Umweltschutz fand sogar Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund (Nabu) lobende Worte auf der Taufzeremonie. „Dieses Schiff hat jede Menge von dem, was heute eigentlich zum guten Ton gehören sollte in Sachen Umweltschutz“, erklärt der Nabu-Leiter Verkehrspolitik, auch wenn noch nicht alles ideal sei. Doch als Umweltverband erwarten sie nicht „das perfekte Schiff“, sondern wollen sehen, dass sich ein Unternehmern auf den richtigen Weg macht. Ziel ist für Nabu und Scandlines die Null-Emissions-Fähre – „da begleiten wir Scandlines sehr gerne hin“, so Oeliger.

Søren Poulsgaard Jensen, Scandlines-CEO
Søren Poulsgaard Jensen, Scandlines-CEO

Mit der Indienststellung der „Berlin“ endet knapp sechs Jahre nach der Kiellegung eine wahre Odyssee. Wegen massiven Übergewichts kündigte Scandlines Ende 2012 die Verträge mit der daraufhin Insolvenz anmeldenden P+S-Werft in Stralsund. Später kaufte die Reederei beide Schiffe aus der Insolvenzmasse und ließ sie auf einer dänischen Werft um je 1.100 Tonnen abspecken. Doch inzwischen kann sogar der Scandlines-Chef dem „steinigen Weg“ etwas Gutes abgewinnen: „Ursprünglich waren die neuen Fähren nicht als Hybridfähren geplant, aber aufgrund der Zeit, die wir uns durch den Umbau verschafft haben, wurde diese Umrüstung ermöglicht“, blickt Søren Poulsgaard Jensen versöhnlich auf die lange Bauzeit zurück. Insgesamt hat Scandlines mehr als 140 Millionen Euro pro Schiff investiert.

Wann die erste reguläre Fahrt der „Berlin“ stattfindet, steht noch nicht fest. Sechs bis zehn Tage könnten es noch werden, sagt Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen, da noch kleinere Arbeiten zu erledigen seien. Und es fehlen noch „Zertifikate und Stempel der Behörden“, ergänzt Kapitän Hartmut Adam. „Auf alle Fälle wird es vorher noch Testfahrten ohne Passagiere geben“, erläutert Adam. „Wenn wir die Testfahrten machen, takten wir uns so ein, als wenn wir in einem Fahrplan fahren. Wir wollen ja auch sehen, ob wir die Fahrpläne, die für die alten Schiffe gelten, mit dem größeren Schiff schaffen.“

Kapitän Hartmut Adam auf der Brücke der Scandlines-Fähre „Berlin“
Kapitän Hartmut Adam auf der Brücke der Scandlines-Fähre „Berlin“

Und schließlich müsse die Mannschaft das Schiff auch noch richtig kennenlernen. Am Simulator in Puttgarden wurden die Nautiker durch alle Szenarien, wie ausgefallene Antriebsanlagen oder hohe Windstärken, geschult – „aber Praxis ist doch was anderes“, so Adam. Selbst hier in Rostock hat noch der dänische Kapitän angelegt, weil die Fahrt ein „sea trial“ unter dänischer Flagge war, erklärt Adam. „Wir durften als Offiziere mitfahren, haben ihn beraten und unterstützt, aber rein händisch hat der dänische Kapitän hier angelegt.“

Was an dem neuen Schiff besonders schön ist? „Das Rückwärtsfahren macht richtig Spaß. Das hat gegenüber den alten Fähren durch die aktiven Azipods (um 360 Grad drehbare Propellergondeln) deutlich gewonnen, freut sich Kapitän Adam. Fahren wird die „Berlin“ künftig unter deutscher Flagge und mit deutscher Besatzung – ihr Heimathafen wird Rostock sein.

Der Vorgänger der „Berlin“, die 1980 gebaute „Prins Joachim“ wurde an European Seaways verkauft und wird künftig zwischen Italien und Griechenland bzw. Albanien verkehren. Im Spätsommer soll auch das Schwesterschiff der „Berlin“, die „Copenhagen“, in Dienst gestellt werden. Sie ersetzt die „Kronprins Frederik“, die künftig in Puttgarden stationiert und als Reservefähre für die Strecken Rostock-Gedser und Puttgarden-Rødby vorgehalten wird. Einziger Wermutstropfen: Ab dann müssen Surfer und Badegäste auf die geliebten Wellen verzichten, die die beiden Oldtimer bislang verlässlich alle zwei Stunden beim Einlaufen in den Rostocker Seekanal erzeugen.

Fotos der Scandlines-Fähre „Berlin“:

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