SeaBreeze – 1. Internationales Seasongfestival 2011

Traditionelles, maritimes Liedgut und Shantys im Stadthafen von Rostock

7. Oktober 2011, von
Les Mâles de Mer aus Belgien im Hemingway
Les Mâles de Mer aus Belgien im Hemingway

Shantys – Liedgut voller Missverständnisse. Seit gut 25 Jahren bemüht sich der Rostocker Männerchor „Breitling“ den Klischees von Hans Albers und der Schunkelidylle in der Hafenbar den Wind aus den Segeln zu nehmen. Handelt es sich doch bei den Seemannsliedern um teilweise Jahrhunderte alte Arbeitslieder der Seefahrer. „Wir versuchen eine ganz traditionelle Form dieser Musik in Rostock zu verbreiten“, erklärt Dietmar Tesching von Breitling, der diese Art der maritimen Gesänge eher der Folk- und Weltmusik zuordnet.

Armstrong's Patent aus den Niederlanden in der Kogge beim SeaBreeze, dem ersten internationalen Seasongfestival in Rostock
Armstrong's Patent aus den Niederlanden in der Kogge beim SeaBreeze, dem ersten internationalen Seasongfestival in Rostock

Im Ausland kommt das sehr gut an, in der Heimatstadt dürfen die traditionellen Seemannslieder aber ruhig noch etwas bekannter werden, dachten sich wohl die Herren von Breitling. Zu diesem Wochenende luden sie daher einige internationale Gleichgesinnte, die sie auf ihren Reisen kennengelernt hatten, nach Rostock ein – zum 1. Internationalen Seasongfestival „SeeBreeze“.

Aus fünf Pubs im Rostocker Stadthafen und in der östlichen Altstadt ertönten die inbrünstigen Gesänge der sechs Gruppen am heutigen Abend. Laut und taktfest, sollten die Shantys doch den Arbeitsrhythmus auf dem Schiff vorgeben. Der Shantyman sang vor und der Rest der Crew fiel in einen mehrstimmigen Gesang ein. Oft a capella, aber auch begleitet von Gitarren, Fiedeln, Bodhran und anderen Folkinstrumenten.

Four'n'Aft aus England in der Likörfabrik
Four'n'Aft aus England in der Likörfabrik

Bei „Four’n’Art“ aus England übernahm die Rolle des Shantyman auch mal eine stimmgewaltige Frau. Chris und Helen singen schon seit neun Jahren mit ihren Partnern Ian und Steve alle Arten maritimer Songs. „Das gemeinsame Singen, die Gefühle und die Freundschaft“ schätzt Steve an der Musik. „Es sind die traditionellen Geschichten, die zwei-, drei- oder vierhundert Jahre alt sind, die mich faszinieren“, ergänzt Helen. Die Songs erzählen von im Hafen zurückgelassenen Bräuten, dem schrecklichen Boss oder schwelgen von fernen Ländern.

Indygo aus Polen im "Le Cosy"
Indygo aus Polen im "Le Cosy"

Ihre Poesie ist es, die auch Isabella anspricht. Mit acht weiteren jungen Frauen zwischen 17 und 22 Jahren singt die Polin bei Indygo. Heute Abend verbreiten sie im „Le Cosy“ im Krahnstöver fröhliche Ferienfreizeitstimmung, als sie zusammensitzend ihre Lieder auf Polnisch, Französisch und Englisch trällern. Jung, weiblich und aus dem Binnenland – ja, auch so kann Shanty sein.

Das SeaBreeze zeigt die große schöne Vielfalt traditioneller maritimer Songs. Volkstümliche Schlagermusik oder ein Schifferklavier suchte man auf dem internationalen Seasongfestival hingegen vergeblich.

Heute gibt es auch noch Gelegenheit die Seasongfestival-Gruppen zu erleben, von 11 bis 12 Uhr als Straßenmusiker auf der Kröpeliner Straße. Abends um 20 Uhr kommen alle sechs Gruppen zu einem gemeinsamen Konzert „Night of Voices – Part I“ im Theater im Stadthafen zusammen. Karten gibt es an der Abendkasse. Das Seasongfestival endet am Sonntagvormittag um 11 Uhr mit einem musikalischen Frühshoppen im Ursprung. Der Eintritt ist frei.

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