Online-Diskussion um Warnemündes Zukunft

Corona-bedingt fand das erste Themenforum zur Fortschreibung des Strukturkonzepts fürs Seebad Warnemünde am Montag als Videokonferenz statt – weitere Veranstaltungen folgen

25. November 2020, von
Online-Diskussion um Warnemündes Zukunft (Foto: Archiv)
Online-Diskussion um Warnemündes Zukunft (Foto: Archiv)

Am Wetter kann es nicht gelegen haben, dass die Resonanz beim ersten Themenforum zur Fortschreibung des Strukturkonzepts fürs Seebad Warnemünde etwas verhalten ausfiel. Statt den möglichen 40 Teilnehmern fanden sich am Montagabend nur 26 ein – die meisten davon Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Pressevertreter.

Vielleicht schreckte die Zoom-Videokonferenz den einen oder anderen Einwohner ab. Corona-bedingt finden die Themenforen ausschließlich online statt. Mit roten Punkten konnten die Besucher der Aktiv-Ausstellung „Warnemünde für alle – von allen!“ markieren, welche Ziele ihnen besonders wichtig sind. Mehr als 600 Besucher verteilten über 1.200 Punkte. „Insofern haben wir natürlich ein Voting“, freute sich Wolfgang Oehler vom BSR – Büro für Stadt- und Regionalentwicklung, der die Veranstaltung moderierte.

Die Videokonferenzen sollen dazu dienen, Ziele und Schwerpunkte zu diskutieren, Übereinstimmungen und Unterschiede herauszuarbeiten und schließlich den Abwägungsprozess für Verwaltung und Politik vorzubereiten. Wirtschaft, Einzelhandel, Tourismus und Kreuzschifffahrt bildeten die Schwerpunkte der ersten Veranstaltung.

Kreuzschifffahrt

„Wir schauen verhalten positiv in die Zukunft“, erklärte Thomas Biebig, Abteilungsleiter Strategische Entwicklung beim Hafenbetreiber Rostock Port, was die Kreuzschifffahrt in Warnemünde betrifft. Wie sich die Lage in Corona-Zeiten entwickle, könne jedoch niemand vorhersagen, es gehe jetzt um eine langsame, schrittweise Erholung.

Auswirkungen auf den Flächenbedarf habe die derzeitige Entwicklung nur bedingt, so Biebig, da die Flächen vor den beiden Kreuzfahrtterminals ohnehin sehr „übersichtlich“ und „für die Verkehrsführung nicht optimal“ sind. Ob etwa auch die Liegeplätze 1 bis 6 nördlich des Fähranlegers weiter benötigt werden, sei ein „Blick in die Glaskugel“. Bedarf besteht hier nur, wenn drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Warnemünde festmachen. Auch ein neuer Liegeplatz im Werftbecken sei immer noch im Gespräch – dieser könnte die Liegeplätze nördlich der Fährtasche ersetzen.

Einzelhandel

„Wir wissen, dass der Edeka am Kirchplatz total überlastet ist“, bringt es Anka Schröder, Sachgebietsleiterin Wirtschaftsentwicklung, auf den Punkt. Das Einzelhandelskonzept ist zwar noch in Arbeit, ein Lebensmittelmarkt wäre auf der Mittelmole aber denkbar, so Schröder. Auch am Ortseigang könne neben Rewe und Aldi ein zusätzlicher Discounter entstehen.

Die städtebauliche Aufwertung der Mühlenstraße habe von den Besuchern der Ausstellung besonders viele Punkte bekommen und sei daher „ein ganz hoch beurteiltes und bewertetes Ziel“, so Oehler. Die Entwicklung dürfe nicht wieder an den Kopflinden scheitern.

Im Detail stellt sich die Umgestaltung jedoch schwierig dar. Im östlichen Bereich wurde die Straße in diesem Sommer für die Außengastronomie freigegeben, am Westende fehle jedoch ein „Anker“, so Anja Epper, vom Stadtplanungsamt. Ein mit dem City-Manager in der Innenstadt vergleichbarer „Kümmerer“ könnte die Entwicklung direkt vor Ort voranbringen, waren sich die Beteiligten einig.

Tourismus

Nicht nur das Strukturkonzept für Warnemünde wird aktuell fortgeschrieben, sondern auch das Tourismuskonzept. Der Zuschlag wurde bereits an ein externes Beratungsbüro erteilt, erläutert Tourismusdirektor Matthias Fromm. Unter Einbindung einer „breiten Meinungsvielfalt“ soll die zukünftige Tourismusentwicklung diskutiert werden. Am Anfang stehe jetzt zwar noch die Evaluierung, so Fromm, doch ein Wandel zum „grünen Tourismus“ sei absehbar.

Um einer Überfüllung – speziell im Bereich der Bahnhofsbrücke – durch Kreuzfahrttouristen entgegenzuwirken, wäre für Fromm eine bereits diskutierte zusätzliche Brücke über den Alten Strom oder über die Gleise am früheren Bahnübergang wünschenswert. Mit Blick auf die Vereinbarkeit von Wohnen, Tourismus und Natur müsse „alles noch einmal auf den Tisch“.

Auch der Zustand der öffentlichen Toiletten war ein Thema. Hier könne die zentrale Reinigung und Wartung durch die Stadtentsorgung Verbesserungen bringen.

Wirtschaft/Gewerbe

„Flächenfressende Unternehmen“ sollen in Warnemünde nicht angesiedelt werden, dafür sei das Platzangebot einfach zu klein, sagt Carsten Schiele von Rostock Business. Stattdessen möchte er Start-Ups und Technologieunternehmen fördern. So soll der Technologiepark Warnemünde erweitert werden, ob allerdings nur auf dem Sportplatz oder – wie früher vorgesehen – auch auf der anderen Seite der Stadtautobahn steht noch nicht fest. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, so Schiele, man müsse das Optimum aus den Flächen herausholen.

Gestern Abend wurde das Thema „Verkehr & Mobilität“ diskutiert. Die Aufzeichnungen der Videokonferenzen sollen in den nächsten Tagen auf der Website www.Strukturkonzept-Warnemuende.de veröffentlicht werden.

Drei weitere Themenforen sind noch geplant: „Grün- und Freiraum, Umwelt- und Klimaschutz“ (30. November), „Wohnen & Infrastruktur“ (3. Dezember) sowie „Städtebau & Ortsbild, Mittelmole“ (9. Dezember). Anmeldungen sind unter der E-Mail-Adresse FSK-Warnemuende@bsr-hamburg.de möglich. Vor allem für das letzte Themenforum liegen bereits zahlreiche Anmeldungen vor, so Wolfgang Oehler.

Schlagwörter: Bürgerbeteiligung (35)Strukturkonzept (20)Warnemünde (1034)

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