Warnemünde 2.0 – neues Strukturkonzept gesucht

Nach über zwei Jahren Stillstand wird wieder an der Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde gearbeitet – es beschreibt den Rahmen für die künftige Entwicklung des Seebads

12. Februar 2020, von
Strukturkonzept für Warnemünde soll fortgeschrieben werden
Strukturkonzept für Warnemünde soll fortgeschrieben werden

Wie soll Warnemünde in 15 bis 20 Jahren aussehen? Wie darf sich das Ortsbild verändern, welche Entwicklung sollen Verkehr, Wohnungsmarkt oder Tourismus nehmen? Antwort auf diese und viele weitere Fragen gibt das Strukturkonzept für Warnemünde.

Ende 2011 lag es in der ersten Fassung vor, im Oktober 2015 beschloss die Bürgerschaft seine Fortschreibung. Nach zwei Jahren Arbeit verlief jedoch alles im Sande – hauptsächlich wegen eines erbitterten Streits um die Bebauung der Mittelmole.

Jetzt soll es einen neuen Anlauf geben. Durch den OB-Wechsel habe es eine „neue Dynamik“ gegeben, um das Strukturkonzept für Warnemünde zu Ende zu bringen, zeigt sich Wolfgang Oehler vom beauftragten Büro für Stadt- und Regionalentwicklung (BSR) zuversichtlich.

Neuanfang mit ehrlichem Dialog

„Wir sind nicht mehr im Jahr 2012“, sagt Rostocks oberster Stadtplaner Ralph Müller und fordert einen „ehrlichen Dialog“, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Alle Wünsche und Ideen können dabei natürlich nicht berücksichtigt werden, stellt er klar. Am Ende steht immer eine Abwägung zwischen den verschiedenen privaten und öffentlichen Interessen.

Ausstellung als Ausgangspunkt

Zum Start der Bürgerbeteiligung wird es im April eine öffentliche Ausstellung geben. Unter dem Motto „Warnemünde für Alle von Allen“ soll der aktuelle Stand veranschaulicht werden. „Was geschah bisher, wo stehen wir, wer will was?“, umschreibt Oehler das Konzept. Die Ausstellung ist als Marktplatz geplant, bei dem jeder Raum zur Präsentation seiner Ideen erhält. Begleitend sind Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen angesetzt.

Ralph Müller (links) und Wolfgang Oehler präsentieren den Plan für die Bürgerbeteiligung an der Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde
Ralph Müller (links) und Wolfgang Oehler präsentieren den Plan für die Bürgerbeteiligung an der Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde

Planlabore, Quartiergespräche, Kinder- und Jugendbeteiligung

Im Anschluss an die Ausstellung sind drei Planlabore, Themenforen sowie zwei Quartiergespräche geplant. Gefragt ist auch eine Kinder- und Jugendbeteiligung, betont Oehler, denn „das Durchschnittsalter in Warnemünde liegt bei 56 Jahren“. Bereits bei der vorherigen Planung gab es eine Zusammenarbeit mit Schülern der 7. Klasse der Ecolea-Schule und Viertklässlern der Heinrich-Heine-Schule, etwa beim Spielplatz im Arankapark. In diesem Jahr sollen die höheren Klassen einbezogen werden.

Einwohner, die nicht an den Veranstaltungen teilnehmen können, werden über einen Newsletter auf dem Laufenden gehalten, verspricht Oehler. Zum Abschluss ist eine Informations- und Abstimmungsveranstaltung geplant. Ab Oktober sollen die Ergebnisse in den Fachämtern, im Ortsbeirat und mit dem Oberbürgermeister beraten werden.

Mittelmole – kompletter Neustart der Planungen

Nachdem der frisch gewählte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen die bisherigen Planungen für die Mittelmole im September gestoppt hat, soll nun ein externes Büro damit beauftragt werden, ein komplett neues Beteiligungsverfahren durchzuführen, erläutert Ralph Müller. Dieses soll jedoch in den Prozess für die Fortschreibung des Strukturkonzepts eingebunden werden, um den ganzheitlichen Ansatz für Warnemünde nicht aus den Augen zu verlieren.

Allein für die Zukunft der Mittelmole ist eine mehrtägige Planungswerkstatt vorgesehen, verrät Oehler. Dennoch ist die Mittelmole nur ein Bereich des Strukturkonzepts, betont er.

Strukturkonzept als „Bibel“ für die Verwaltung

Das Strukturkonzept ist zwar nur eine informelle Planung, aber „kein zahnloser Tiger“, verdeutlicht Oehler Sinn und Zweck des zuletzt 104 Seiten umfassenden Dokuments. Wenn es in der Bürgerschaft beschlossen wird, ist es eine Selbstverpflichtung für die Verwaltung sich an den Zielen und Inhalten zu orientieren – egal ob im Bereich Stadtplanung, Verkehrsanlagen oder Stadtgrün.

Ambitionierter Zeitplan

Bereits Ende dieses Jahres soll die Vorlage für die Bürgerschaft fertig sein, so Oehler. Ein sehr optimistisches Ziel, nachdem die Arbeit am Strukturkonzept beim letzten Mal nach zwei Jahren ergebnislos endete. „Wenn wir jetzt über 2020 reden, dann schaffen wir es vielleicht 2021“, nimmt Ralph Müller etwas vom Druck, möchte aber „so zügig wie möglich“ Ergebnisse erhalten.

„Anspruchsvoll“ findet auch der Ortsbeiratsvorsitzende Dr. Werner Fischer den Zeitplan. Er hofft, dass der im Dezember beschlossene Leitfaden für mitgestaltende Bürgerbeteiligung trotz Zeitdruck befolgt wird. Ab April möchte er das Thema regelmäßig auf die Tagesordnung des Ortsbeirats setzen, um über den aktuellen Stand zu informieren. „Packen wir’s an“, so Fischer, „das ist die zentrale Herausforderung für Warnemünde“.

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