Mittelmole Warnemünde – neues Beteiligungsverfahren startet

Nach einem erbitterten Streit um die Bebauung der Warnemünder Mittelmole soll ein neues Bürgerbeteiligungsverfahren wieder Schwung in die Zukunft des Filestücks bringen

11. November 2020, von
Mittelmole Warnemünde – neues Beteiligungsverfahren startet (Foto: Archiv)
Mittelmole Warnemünde – neues Beteiligungsverfahren startet (Foto: Archiv)

Nachdem die Planungen zur künftigen Nutzung der Warnemünder Mittelmole im letzten Jahr ohne Ergebnis endeten, hat der frisch gewählte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen einen Neustart ausgerufen. Ein Beteiligungsverfahren soll jetzt wieder Schwung in die Zukunft des Warnemünder Filestücks bringen. Constanze Ackermann von Urbanista, einem Hamburger Büro für Stadtentwicklung und urbane Zukunftsstrategien, stellte gestern Abend per Videochat im Ortsbeirat den Zeitplan für die Beteiligung vor.

Rolle rückwärts bei den Planungen zur Mittelmole

„Wir haben ganz bewusst den Auftrag, noch mal einen Schritt zurückzumachen“, betont Ackermann. Statt etwa über Gebäudehöhen zu diskutieren, soll noch einmal beleuchtet werden, ob die Mittelmole überhaupt für Wohnungsbau geeignet ist. Es gehe darum, welche Zukunft die Mittelmole hat und die Planungen für die nächsten 30, 40 Jahre in die richtigen Bahnen zu lenken.

Untersucht werden soll, welche Rolle die Mittelmole für die Wirtschaft, den Tourismus, für Warnemünde und seine Einwohner, aber auch für Rostock oder die gesamte Region spielt, so die Stadtplanerin.

So soll das Beteiligungsverfahren für die Mittelmole ablaufen

Im Oktober gab es bereits einen digitalen Ämterworkshop, für den Dezember sind digitale Gesprächsrunden mit den zentralen Kräften der Stadt geplant. Ackermann spricht von Stakeholdern und meint damit Politik, zivilgesellschaftliche Akteure, künftige Nutzer, aber natürlich auch die Eigentümer der Flächen. Ziel ist es, einen Rahmen dafür zu finden, was für die Mittelmole überhaupt vorstellbar ist.

Im Januar sollen Vor-Ort-Dialog und Online-Beteiligung folgen. Wenn es die Corona-Situation erlaubt, wird es kleine Stände – etwa auf der Promenade – geben, um mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen, so Ackermann. Die Termine sollen rechtzeitig auf der Projekt-Homepage veröffentlicht werden, diese ist allerdings noch in Arbeit.

Die Inhalte sollen in einer sogenannten Prüfwerkstatt zusammenfließen. Dort sollen die verschiedenen Optionen für die Mittelmole vorgestellt werden.

Am Ende des Prozesses soll ein öffentliches Gutachten stehen, das alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen darlegt. Es soll als strategische Entscheidungshilfe für die Bürgerschaft und als Arbeitsgrundlage für die Verwaltung dienen. Im März 2021 soll es an die Bürgerschaft übergeben werden. „Wir werden am Ende keinen städtebaulichen Entwurf für die Mittelmole machen“, stellt Constanze Ackermann klar, verspricht jedoch eine konkrete Empfehlung aus fachlicher Sicht, in welche Richtung sich die Mittelmole entwickeln kann oder sollte.

Das Gutachten soll für die Verwaltung der Ansatz sein, um den Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan der Mittelmole vorzubereiten, ergänzt Anja Epper, Sachgebietsleiterin im Stadtplanungsamt. Die Verwaltung müsse die Ergebnisse dabei mit der parallel laufenden Fortschreibung des Strukturkonzepts Warnemünde zusammenführen.

Verkauft die Wiro Grundstücksteile auf der Mittelmole?

Wird bei dem ganzen Beteiligungsverfahren die Rechnung möglicherweise ohne den Wirt, also ohne die Wiro als Grundstückseigentümer, gemacht? Für Stephan Porst (Grüne) ist dies das große Fragezeichen: „Wie groß ist überhaupt der Gestaltungsspielraum, den es im Rahmen der Bürgerbeteiligung gibt?“

Ralf Zimlich, Geschäftsführer der Wiro, hätte ihm vor ein paar Monaten deutlich gemacht, dass sie auf der Mittelmole überwiegend Wohnraum und Kleingewerbe schaffen möchten. Für vieles darüber hinaus würde das kommunale Wohnungsunternehmen nicht zur Verfügung stehen, so Porst. Zimlich habe ihm gegenüber jedoch geäußert, dass er sich vorstellen könne, Grundstücksteile zu veräußern – ob er es macht und zu welchem Preis, muss man abwarten. Für Porst ein „Spannungsfeld“, dem sich Urbanista stellen muss.

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