25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität

Ausstellung in der Werkstattschule ruft die „dunkle schwarze Geschichte“ des Atom-Reaktorunglücks in Erinnerung

21. Februar 2011, von
Ausstellungseröffnung: 25 Jahre nach Tschernobyl
Ausstellungseröffnung: 25 Jahre nach Tschernobyl

Tschernobyl, das bedeutet übersetzt „dunkle schwarze Geschichte“. Und leider beschreiben diese Worte genau das, was sich am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl ereignete. In Folge einer Kernschmelze und Explosion im Reaktorraum kam es zum Super-GAU. Bis heute gilt der Unfall als schwerste nukleare Havarie in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Im April dieses Jahres jährt sich das Unglück bereits zum 25. Mal – und gerät zunehmend in Vergessenheit, insbesondere bei der jungen Generation, die die Zeit nicht selbst miterlebt hat.

Genau an dieser Stelle setzt die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl: Menschen – Orte – Solidarität“ an, die gestern Nachmittag in der Werkstattschule in Rostock eröffnet wurde. Vor allem junge Menschen sollen für das Thema Atomkraft sensibilisiert und die Öffentlichkeit informiert und aufgeklärt werden, um zu verhindern, dass das Unglück in Vergessenheit gerät.

Dabei ist den Ausstellungsmachern der persönliche Aspekt der Ausstellung besonders wichtig. Es geht nicht so sehr darum, alle Details des Unglückshergangs zu beleuchten, vielmehr soll das Schicksal der Menschen, die auch heute noch mit den Folgen zu kämpfen haben, in den Mittelpunkt gestellt und Solidarität geweckt werden.

Zeitzeuge Adam Waranets
Zeitzeuge Adam Waranets

Mit Adam und Klaudia Waranets waren deshalb auch zwei Zeitzeugen persönlich anwesend, die nach dem Reaktorunfall als Liquidatoren eingesetzt wurden. Waranets erzählte, wie die Regierung der ehemaligen Sowjetunion die Bevölkerung für ganze zwei Wochen in Unkenntnis gelassen und anschließend nur die Kinder evakuiert hatte. Damals glaubten die Staatsoberhäupter noch, die Folgen der Katastrophe durch einfache Aufräumarbeiten neutralisieren zu können. Eine fatale Fehleinschätzung, denn tatsächlich sind die Folgen heute lebendiger als vor 25 Jahren. Folgen, an die Waranets tagtäglich erinnert wird, da auch seine Kinder und Enkelkinder an Schilddrüsenkrankheiten leiden.

Sabrina Bobowski
Sabrina Bobowski

„Wir hätten die Ausstellung auch 25 Jahre Tschernobyl nennen können, denn es ist noch nicht vorbei“, erinnerte auch Ausstellungsmacherin Sabrina Bobowski vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB) an die langfristigen Schäden, die durch die Katastrophe entstanden sind.

Ursula Timm vom Verein Ferien für Kinder von Tschernobyl hob in ihren einleitenden Worten ebenfalls den persönlichen Aspekt der Ausstellung hervor: „Es geht nicht nur um die Erinnerung, sondern auch um die Verbundenheit mit den Menschen.“ Schließlich sind es von hier aus gerade einmal 1.400 km bis nach Tschernobyl – viel näher als es vielen wahrscheinlich bewusst ist.

Ursula Timm
Ursula Timm

Des Weiteren betonte sie aber auch, dass es darum gehe, „Zeichen zu setzen, gegen die Gleichgültigkeit der Energiepolitik“, da das Thema Atomkraft nicht zuletzt durch die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland aktuell ist wie lange nicht mehr. „Wir haben den Eindruck, dass Tschernobyl aus den Diskussionen um die Zukunft der Energieversorgung bewusst herausgehalten wird“, äußerte sich Sabrina Bobowski in ähnlicher Weise. Allerdings unterstrich sie auch, dass Tschernobyl ein Thema sei, das vielen Menschen parteiübergreifend ein Anliegen sei.

So ein Mensch ist beispielsweise Dr. Helga Knopf, die an der Werkstattschule Physik unterrichtet und die sich mit dafür verantwortlich zeichnet, dass die Ausstellung in den Räumlichkeiten der Schule stattfindet. Im Rahmen ihres Unterrichts behandelt sie regelmäßig das Thema Kernphysik, wobei sie zu bedenken gab, „dass es nicht ausreicht, das Thema nur von der Physik her anzugehen, sondern auch von der Ethik.“

Ausstellung "25 Jahre nach Tschernobyl"
Ausstellung "25 Jahre nach Tschernobyl"

Das Konzept der Ausstellung stellt eine Kombination aus Sach- und Fotoausstellung dar, die durch zahlreiche Filmausschnitte und Zeitzeugenberichte ergänzt wird. Darüber hinaus können eine Broschüre mit allen Informationen sowie ein Fotoband erworben werden.

Wer die Ausstellung besuchen möchte, sollte sich beeilen, denn sie wird nur bis zum 25. Februar zu besichtigen sein.

Darüber hinaus haben die Veranstalter für jeden Tag weitere interessante Programmpunkte organisiert. So wird es heute den Film „Tschernobyl – der atomare Schrecken“ von Bernd Dost zu sehen geben, inklusiv anschließendem Filmgespräch. In den nächsten Tagen wird es einen Vortrag mit anschließender Diskussion über das Für und Wider zur Atomkraft, Berichte und Gespräche mit Zeitzeugen, eine Dokumentation zum Thema Atommüll und einen Nachmittag der Begegnung mit Tschernobyl-Initiativen aus Mecklenburg-Vorpommern geben. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.

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