Andrea Nahles eröffnet Futurale-Filmfest zum Thema „Arbeit 4.0“

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles eröffnete gestern Abend in Rostock das Filmfest Futurale und diskutierte mit dem Publikum über die Zukunft der Arbeit

19. Februar 2016, von
Landesarbeitsministerin Birgit Hesse (links) und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles bei der Eröffnung des Futurale-Filmfests in Rostock
Landesarbeitsministerin Birgit Hesse (links) und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles bei der Eröffnung des Futurale-Filmfests in Rostock

Wer mag Wasser nur mit Sprudel, kauft seine Schuhe bei Zalando und ist extra aus dem ungeliebten Berlin angereist, um all das kundzutun? Richtig, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) tourt derzeit durch Deutschland und suchte gestern Abend im Rostocker Liwu den Dialog zur „Arbeit in der Zukunft“.

Vom „Grünbuch“ zum „Weißbuch“ – Spielregeln für die Arbeit der Zukunft

Ziemlich verschlafen hat die Regierung bislang die Problematik der Digitalisierung – ist ja auch irgendwie alles „Neuland“. Bis das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im letzten Jahr ein Grünbuch auf den Tisch brachte – mit knapp 100 Seiten eher eine Momentaufnahme und ein Sammelsurium an Fragen als eine Zukunftsstrategie.

Das sei aber auch gut so, sagt Nahles. Ihr Grünbuch erlaube sich, „keine Antworten zu geben, sondern erstmal zu analysieren und Fragen zu stellen“. Zu Antworten sollen nicht-öffentliche Workshops sowie der öffentliche Dialogprozess Arbeiten 4.0 führen, zu dem auch das gestern in Rostock gestartete Futurale-Festival gehört. Bis zum Jahresende ist ein „Weißbuch“ geplant, das Rahmenbedingungen und Spielregeln für die Arbeit der Zukunft beinhalten soll.

Ängste vs. Chancen und Visionen der Digitalisierung

Arbeitsplatzabbau, zunehmend prekäre Jobs – welche Risiken birgt die Digitalisierung? Millionen Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, warnen etwa Gewerkschaften, „ich betone die Chancen, weil ich glaube, dass wir schon genügend Ängste im Raum haben“, erklärt Nahles und ist davon überzeugt, dass Deutschland die Chance hat, seine Arbeitsplätze für die nächsten 20 bis 30 Jahre zu sichern. Risiken, wie etwa eine Zunahme der psychischen Belastungsstörungen, habe sie durchaus im Blick. So müsse ein Recht auf Nichterreichbarkeit diskutiert und verankert werden. Auch eine Teilung der Wertschöpfung von Internet-Unternehmen hat sie im Blick, doch radikale Ideen, wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen sind eher nicht ihr Ding.

Da ist die „Wahlarbeitszeit“, bei der jeder selbst bestimmen kann, wann und wo er arbeitet, für die Bundesarbeitsministerin bereits „sehr visionär“. Und der Flexibilitätskompromiss – „ein supergeiler Begriff“, so Nahles. Einer Deregulierung erteilt sie jedoch eine klare Absage: „Deregulierung macht Angst und Angst blockiert.“

Digitale Nomaden, Crowdworker & Co. – moderne Tagelöhner?

Tagelöhner, Ich-AG, Crowdworker & Co. – atypische Beschäftigung, prekäre Arbeitsverhältnisse und Solo-Selbstständige sind nicht wirklich neu, durch Online-Plattformen wie Clickworker oder Uber könnten sich die Probleme jedoch verschärfen. „Wir müssen das nicht kopieren!“ Mit dieser Überzeugung ist Nahles im letzten Jahr aus dem Silicon Valley zurückgekommen. Von den teamorientierten, flexiblen Führungsstrukturen könne man lernen, doch „wenn ich nur Plattform bin und kein Arbeitgeber, dann ist das keine Sache, die mit der sozialen Marktwirtschaft in Europa kompatibel ist.“ An dieser Stelle müsse der Markt sozialmarktwirtschaftlichen Regeln unterworfen werden, stellt die Ministerin klar, „das ist er zur Zeit nicht“.

Und noch etwas hat Nahles aus Kalifornien mitgebracht, als ihr zwei Stanford-Studenten erzählten, dass sie zum Arbeiten gern nach Berlin möchten, zu Zalando etwa. Klar, dass dieser Online-Versand ihr die Schuhe liefert, sie dort schon lebt und das – als Rheinland-Pfälzerin gesagt – „gar nicht so toll“ ist, vor allem aber, dass bei uns die Ausgewogenheit zwischen Leben und Arbeit (Work-Life-Balance) stimme. Immerhin könne man in Berlin nach der Arbeit Skateboard fahren oder Angeln gehen, berichteten ihr die Studenten, während amerikanische Start-ups ihre Mitarbeiter „förmlich vereinnahmen“ würden.

Eins machte die Diskussion klar: Noch gibt es mehr Fragen als Antworten und so wird das Filmfest „Futurale“ heute um 20 Uhr im Liwu fortgesetzt. Mit dem Film „Please Subscribe“ steht das „Berufsbild YouTuber“ und die Jagd nach Abonnenten und Followern im Mittelpunkt der Diskussion. Bis zum nächsten Mittwoch gibt es an jedem Abend weitere interessante Filme und Gesprächsrunden rund ums „Arbeiten 4.0“.

In dem Sinne: Schrei vor Glück oder …

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