Entwürfe zum Lichtenhagen-Denkmal im Rathaus

Ausstellung aller Entwürfe des Kunstwettbewerbs „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“ bis zum 18. Januar in der Rathaushalle

4. Januar 2017, von
Tim Kellner und Alexandra Lotz in der Ausstellung mit den Entwürfen zum Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“
Tim Kellner und Alexandra Lotz in der Ausstellung mit den Entwürfen zum Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“

Mit unglaublicher Verzögerung kommt es dazu, dass man sich Gedanken macht, sagt Alexandra Lotz. Als die Bildhauerin vor einigen Jahren nach Rostock kam, empfand sie es als eklatant, dass nichts darauf hindeutete. Auch die Gespräche im Vorfeld des Kunstwettbewerbs bestätigten, dass eben nicht alles reflektiert ist.

Gemeint ist das Pogrom von Lichtenhagen im August 1992. Anlässlich des Jahrestages 2017 hatte die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock auf Initiative der Arbeitsgruppe Gedenken im September 2015 einen Kunstwettbewerb für ein dezentrales Erinnern und Mahnen an die unrühmlichen Ereignisse, die Rostock international in die Schlagzeilen brachten, ausgelobt.

Bereits im November hatte die Jury den Siegerentwurf zum anonymen Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“ gekürt. Alexandra Lotz und Tim Kellner von der Künstlergruppe Schaum konnten sich mit ihrem Beitrag „Gestern Heute Morgen“ durchsetzen. „Die Realisierung wird sofort in Angriff genommen. Denn zum 25. Jahrestag des Pogroms im August soll das alles fertig sein. 145.000 Euro stehen dafür zur Verfügung“, informiert Sarah Linke vom Kulturamt, die den Wettbewerb steuerte. Für die Öffentlichkeit hat sie nun eine Ausstellung mit allen elf eingereichten Entwürfen vorbereitet, die noch bis zum 18. Januar in der Rathaushalle zu sehen ist.

„Wir hatten keine Lust ein weißes Tuch des Vergessens darüber zu decken“, erklärt Alexandra Lotz ihren Ansatz zum Mahnmal. Das weder befrieden noch schön sein, sondern zur inhaltlichen Auseinandersetzung anregen soll. „Ein Denkmal ist eine Ansage im besten Fall für zukünftige Generationen“, ergänzt Fotograf Tim Kellner. So erinnern die Entwürfe verhältnismäßig frei an dieses Pogrom. Sie stellen eher Fragen, die unbequem sind, die aber letztendlich auch heute täglich diskutiert werden.

Die Wettbewerbsausschreibung der Stadt sei ziemlich konkret gewesen. Die Aufgabenstellung sah vor, etwas zu entwickeln, was in Bezug steht zu Orten, die etwas mit dem Pogrom zu tun haben.

Alexandra Lotz und Tim Kellner schlagen vor, an fünf Standorten weiße Marmorstelen zu errichten. Sie sind zwar formal wiedererkennbar, jedoch so gestaltet, dass sie jeweils einen anderen Aspekt der Leitfrage behandeln, wie Demokratie gelingen kann und warum sie im August 1992 nicht gelungen ist. Vor dem Rathaus geht es um die Verantwortung der Politik, vor dem Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen um Selbstjustiz, um das Versagen der Staatsgewalt vor der Polizeidienststelle in der Ulmenstraße und um die Rolle der Medien vor dem Verlagsgebäude der Ostseezeitung in der Richard-Wagner-Straße. In der August-Bebel-Straße, dort wo früher der Jugendklub JAZ als kleiner Hort des Widerstandes zu finden war, soll an die Bedeutung der Gesellschaft erinnert werden. Hier kommen dann auch die Sonnenblumen ins Spiel, die in vielen anderen Entwürfen das zentrale Gestaltungselement bilden.

Die Ausstellung ist montags bis freitags zwischen 8 und 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Führungen für Gruppen sind nach Anfrage möglich. Am 17. Januar 2017 um 18 Uhr findet in der Rathaushalle ein Gespräch mit der Künstlergruppe Schaum statt. Alexandra Lotz und Tim Kellner erläutern ihren Entwurf und stehen für Fragen des Publikums zur Verfügung.

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