Radioaktiver Themenabend im Haus Böll

Ausstellungseröffnung „Strahlende Zukunft“ und Vortrag „Mythos Atomkraft“

31. März 2011, von

Kaum ein Mensch auf der Welt wird nichts von den schrecklichen Ereignissen in Japan mitbekommen haben. Und noch ist nicht mal klar, welche Ausmaße die Tragödie im Atomkraftwerk Fukushima wirklich hat. Vor allem in Deutschland wird als Konsequenz über die weitere Verwendung von Atomkraft diskutiert. Dass dieses Thema die Menschen bewegt, zeigte sich gestern im Haus Böll. Zur Ausstellungseröffnung „Strahlende Zukunft“ und dem anschließenden Vortrag „Mythos Atomkraft“ waren viele Besucher gekommen und hatten Fragen und Unsicherheiten mitgebracht.

Lisa-Marie Wuttke und Johann-Georg Jaeger
Lisa-Marie Wuttke und Johann-Georg Jaeger

Lisa-Marie Wuttke ist die Macherin der Ausstellung. Im Rahmen ihres Studienganges „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ hatte sie die Idee, die atomaren Endlagerstätten in Deutschland zu besuchen und fotografisch festzuhalten. Herausgekommen sind insgesamt 17 Plakate mit je vier Fotos sowie ein Prolog und ein Epilog. Zu jeder der vier Endlagerstätten – Gorleben, Morsleben, Asse 2, Schacht Konrad – hat sie außerdem Informationen gesammelt und diese anhand eines Zeitstrahls präsentiert.

Bilder aus dem Endlager Asse 2
Bilder aus dem Endlager Asse 2

„Es sieht ein bisschen aus wie in einem Schrebergarten“, berichtete die Macherin ihren Ersteindruck von der Endlagerstätte Asse 2. Asse 2 ist ein ehemaliges Salzbergwerk in Niedersachsen, in dem zwischen 1967 und 1978 radioaktive Abfälle eingelagert wurden. Im Laufe der Zeit fiel den Betreibern ein, dass dies vielleicht nicht die beste Idee sei, da schon der Schacht Asse 1 eingestürzt und voll Wasser gelaufen war, sodass man momentan überlegt, die Abfälle wieder aus dem Schacht zurückzuholen.

Bilder aus dem Endlager Morsleben
Bilder aus dem Endlager Morsleben

Man merkte Wuttke an, dass sie das Thema sehr gepackt hat. Sie erzählte, dass sie sogar richtiges radioaktives Material fotografiert hat. „Es ist eine beklemmende, bedrückende Stimmung unter Tage. Keiner weiß so richtig, was er mit den Abfällen machen soll.“ Ziel der Ausstellung ist es, die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Auf keinem der Bilder sind Personen abgebildet, weil die Künstlerin dem Thema kein Gesicht geben wollte. Die Bilder und Zustände, wie mit einem so hochbrisanten Stoff umgegangen wird, sollen für sich selber sprechen.

Gerd Rosenkranz
Gerd Rosenkranz

Der anschließende Vortrag wurde von Gerd Rosenkranz gehalten. Er ist Leiter von Politik und Presse bei der Deutschen Umwelthilfe. Bevor er diesen Job antrat, war er Redakteur beim Spiegel im Bereich der regenerativen Energien. Ursprünglich waren sowohl Vortrag als auch Ausstellung anlässlich des 25. Geburtstages der Katastrophe von Tschernobyl geplant, vor dem aktuellen Hintergrund ging Rosenkranz aber auch vermehrt auf die Ereignisse rund um Japan ein.

Auch wenn das Thema „Mythos Atomkraft“ hieß, sind es doch mehrere Mythen, die sich um die Energie aus radioaktiver Quelle ranken. Allen voran natürlich der Mythos, dass Atomkraft sicher sei. Dass dies eben nur ein Mythos ist, davon kann sich seit zwei Wochen jeder selbst ein Bild in den Medien machen. Aber auch Europa stand in den letzten Jahren mehrmals vor einer Katastrophe mit unabsehbaren Folgen. So gab es im Juli 2006 einen Kurzschluss im schwedischen Kraftwerk Forsmark, der auch zu einem Ausfall des Kühlsystems führte.

Vortrag "Mythos Atomkraft"
Vortrag "Mythos Atomkraft"

Weitere Mythen, mit denen Rosenkranz aufräumte, waren unter anderem die ausschließlich friedliche Nutzung der Technologie, die gesicherte Endlagerung und die positiven Auswirkungen von Atomkraftwerken auf den Klimaschutz. Daraus ergab sich die zentrale Frage: Wie schnell könnte Deutschland aus der Atomenergie aussteigen?

Laut einer Studie des Ökoinstituts könnte man schon bis 2013 einen Großteil der noch aktiven Atomreaktoren abschalten, ohne Einbußen bei der Energieversorgung hinnehmen zu müssen. Der weitere Übergang würde dann noch mal einige Jahre dauern, aber man könnte spätestens im Jahr 2020 in Deutschland komplett auf Atomkraft verzichten. Jedoch könne es aufgrund der bisherigen „katastrophalen Fehlleistungen der aktuellen Regierung“ auch noch einige Zeit länger dauern.

Fotoausstellung "Strahlende Zukunft" im Haus Böll
Fotoausstellung "Strahlende Zukunft" im Haus Böll

Im Anschluss an den Vortrag wurde noch eine ganze Zeit unter der Leitung vom Johann-Georg Jaeger, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Rostock, weiterdiskutiert und Fragen gestellt. So gab Rosenkranz auf Wunsch der Gäste eine Einschätzung der Lage in Fukushima. „Es weiß wohl niemand auf der Welt, was im Moment im Reaktorgebäude passiert. Aber wenn eine Schmelze nicht schon läuft, stehen die Chancen gut, dass diese auch nicht passiert.“

Bis zum 5. April können sich Interessierte die Ausstellung von Lisa-Marie Wuttke noch im Haus Böll anschauen. Als besonderer Service wird die Präsentation von Gerd Rosenkranz in den nächsten Tagen auf der Homepage der Böll-Stiftung zum Download bereitstehen. So kann sich jeder selbst ein ausführliches Bild von den Mythen der Atomkraft machen.

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