Bäderschiff „Undine“ – Großteil des Rumpfs wird verschrottet

Der Rumpf des Seebäderschiffs „Undine“ (ex Kronprinz) wird weitgehend verschrottet – nur ein kleiner, markanter Teil bleibt erhalten und wird an Land ausgestellt

20. Mai 2021, von
Der Rumpf des Bäderschiffs „Undine“ im Stadthafen Rostock
Der Rumpf des Bäderschiffs „Undine“ im Stadthafen Rostock

150 Tonnen Schrott oder ein wertvolles maritimes Denkmal? Beim Rumpf des Seebäderschiffs „Undine“, der seit 2014 im Stadthafen Rostock vor sich hin rostet, gehen die Meinungen auseinander. Jetzt hat die Bürgerschaft entschieden, wie es in mit der betagten Schiffsschale weitergeht.

Der größte Teil des Schiffsrumpfes soll verschrottet werden. Lediglich ein kleines Stück – voraussichtlich Heck und Ruderblatt – wird erhalten und an Land ausgestellt. Mögliche Standorte sind der Iga-Park oder das ehemalige Neptun-Werft-Gelände am Werftdreieck. Das Schiff und seine Geschichte sollen dort „in würdevoll-adäquater Weise“ präsentiert werden. 58.000 Euro hat die Stadtverwaltung dafür veranschlagt.

Im Vorfeld wurden verschiedene Varianten durch das schiffbautechnische Ingenieurbüro Hallier untersucht und in Ausschüssen und Ortsbeiräten diskutiert. Geschätzte 2,45 Mio. Euro hätte die Konservierung und Errichtung neuer Aufbauten für Ausstellungen und Veranstaltungen gekostet, für 790.000 wären Konservierung und Einbau des Hauptdecks ohne weitere Nutzung möglich gewesen.

Die Denkmalschützer präferierten eine Sicherung und Lagerung des Rumpfes an Land – im Ganzen und ohne zusätzliche Konservierung. Diese Variante werde sowohl „der Verantwortung für das maritime Erbe als auch für die Finanzen der Stadt gerecht“, hieß es in der Beschlussvorlage der Verwaltung. Der Stahl sei korrosionsträge und würde an Land einige Zeit durchhalten. „Das Denkmal ‚Schiffsrumpf‘ bleibt für zukünftige Konzepte erhalten.“ Hierfür wurde mit 95.000 Euro zzgl. 400 monatliche Miete für die Lagerfläche kalkuliert.

Die Bürgerschaft entschied sich nach längerer Diskussion dafür, nur einen Teil des Rumpfes zu erhalten – die günstigste Variante. Dabei ging es jedoch nicht vorrangig ums Geld. „Wir verschaffen uns mit dieser Variante lediglich Zeit und drücken uns darum, eine ganz sicher unbequeme Entscheidung zu treffen“, begründete die Vorsitzende des Kulturausschusses Lisa Kranig (Linke), warum sie gegen den Vorschlag der Verwaltung ist.

Nachdem viele Jahre nichts passiert ist, sei es fraglich, ob in den nächsten Jahren Geld für eine Sanierung vorhanden ist. „Und selbst wenn wir das Geld haben, werden wir dann Hunderttausende Euro in die Hand nehmen, um einen Schiffsrumpf zu sanieren, wo es doch im kulturellen Bereich an allen Ecken und Enden finanzieller Unterstützung braucht?“ Stattdessen soll der Rumpf lieber jetzt zerlegt und ein Teil an Land ausgestellt werden, begründetet Kranig den von ihr eingebrachten Änderungsantrag – „als Denkmal mit einem sehr hohen Identifikationspotential und einer sehr großen Publikumswirksamkeit“.

Dafür sprach sich auch Felix Winter (Grüne) aus. Dabei stand nicht die finanzielle, sondern die zeitliche Frage im Vordergrund, erläuterte der Ortsbeiratsvorsitzende der KTV: „Wann können wir als Rostockerinnen und Rostocker denn dieses Denkmal erleben?“

Ebenso emotional forderte Anette Niemeyer (Aufbruch 09), selbst Dipl.-Ing. für Schiffstechnik, den Rumpf nicht zu zerschneiden. „Wir müssen wenigstens das, was da ist, noch erhalten.“ Dafür plädierte auch Daniel Peters (CDU), zumal es bereits Kontakte zu den regionalen Werften gibt, um eine mögliche Unterstützung auszuloten.

Ein Bild aus etwas besseren Zeiten: 2014 wurde das Seebäderschiff „Undine“ mit großen Hoffnungen nach Rostock geschleppt (Foto: Archiv)
Ein Bild aus etwas besseren Zeiten: 2014 wurde das Seebäderschiff „Undine“ mit großen Hoffnungen nach Rostock geschleppt (Foto: Archiv)

„Diese Mäzene, die gibt es vielleicht in Hamburg, die gibt’s in Rostock nicht“, widersprach Chris Müller-von Wrycz Rekowski. „Das hat richtig gerumst in der Verwaltung“, bekennt der Finanzsenator. „Vier Fünftel der beteiligten Ämter haben eine andere Variante empfohlen.“ Er war selbst ein wenig von der Vorlage der Verwaltung überrascht und betrachte sie als schlechteste Variante. Entweder müsste man 800.000 Euro in die Hand nehmen oder man wählt die günstigste Variante und erhält nur das wesentliche Stück. „Das Ding jetzt aus dem Wasser zu holen, irgendwo hinzulegen, wo es keiner sieht und es weiter vergammeln zu lassen und dafür Geld auszugeben und in fünf Jahren erinnert uns mal einer, was eigentlich mit dem Schiff ist, da kommen wir ins Schwarzbuch der Steuerzahler.“

Dabei gibt die Stadt durchaus Geld für ihr maritimes Erbe aus, zählt der Finanzsenator auf. Über eine Million Euro pro Jahr fürs Traditionsschiff, die „Likedeeler“ wurde für mehr als eine Million Euro in der Werft saniert und auch der Piratenkutter „Pasewalk“, der Schlepper „Petersdorf“ oder der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ werden unterstützt. Bei Letzterem stehe das Schwimmfähigkeitszeugnis an – „da werden wir uns alle umschauen, was das kostet.“

Zudem werde die Hanse Sail als wichtige Großveranstaltung für die Traditionsschiffe jedes Jahr mit Hunderttausenden Euro gefördert. Wir brauchen uns als Hansestadt Rostock nicht zu verstrecken, sagt der Senator.

Müller-von Wrycz Rekowski sprach sich dafür aus, nur den wichtigsten Teil zu erhalten – „das spitz zulaufende Kreuzerheck mit nicht freischwebender Ruderhacke“, wie ihm der Hafenkapitän verraten habe. Die genieteten Außenplatten seien nicht mehr alle im Originalzustand.

Nach langer Diskussion stimmte die Bürgerschaft am Ende mit 25 Für- und 20 Gegenstimmen für den Erhalt und die Ausstellung nur eines Teils des Rumpfes. Der Rest wird verschrottet.

Ältestes Seebäderschiff Deutschlands

Das 1910 als „Kronprinz Wilhelm“ auf der Neptun-Werft Rostock vom Stapel gelaufene Dampfschiff gilt als das älteste erhaltene Seebäderschiff Deutschlands und als einzigartiges Zeugnis des Stahlschiffbaus im Nietverfahren. Die „Kronprinz Wilhelm“ transportierte Fracht und Passagiere zwischen verschiedenen Ostseebädern. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie als Marineschiff eingesetzt und durch einen Bombentreffer schwer beschädigt.

1951 wurde das Schiff in „Undine“ umbenannt und fuhr anfangs als Bergungsschiff, seit 1955 wieder als Ausflugsdampfer auf der Ostsee. 1993 lief sie im Barther Bodden auf Grund und konnte erst nach zwei Jahren geborgen werden.

2006 wurde der Rumpf für den Wiederaufbau nach Dresden geschleppt. Die Finanzierung scheiterte jedoch und nach der Insolvenz der Werft drohte die Verschrottung. 2013 erwarb der Freundeskreis Maritimes Erbe Rostock e.V. den Rumpf, im Oktober 2014 wurde die „Undine“ nach Rostock zurückgeschleppt und liegt seitdem im Stadthafen.

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1 Kommentar

  • Sven Thurow sagt:

    Es ist mal wieder typisch,was da in Rostock passiert. Ein so wertvolles und zur Geschichte des Hafens gehörende Schiff wie die „Undine“ zu verschrotten, ist für die Stadt eine einzige Schande. Kulturgut wird durch ungebildete Politiker einfach vernichtet. Aber es ist wohl in ganz M-V nicht gewollt, das maritime Erbe zu bewahren. Anders kann man sich so eine Vorgehensweise nicht erklären, zumal auch andere Schiffe im Land, wie z. B. die „Greif“, die „Gorch Fock I“ oder die „Stralsund“ einfach so vor sich hin gammeln. Bleibt nur zu hoffen, dass nach dem jüngsten Eignerwechsel die ehemaligen Salondampfer „Breege“ und „Stubnitz“ in Greifswald erhalten bleiben…

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