Barrierefreier Strandkorb bleibt in Warnemünde

Die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde gewinnt zum zweiten Mal in Folge den Wettbewerb „Barrierefreier Strandkorb“ des Landestourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern

1. Juli 2020, von
Barrierefreier Strandkorb in Warnemünde - Matthias Fromm (v.l.), Leiter der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde, Birgit Hesse, Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern & Präsidentin des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Sylvi Tauber mit Hund Joe und Matthias Treichel, Inhaber der „Strandoase Treichel“
Barrierefreier Strandkorb in Warnemünde - Matthias Fromm (v.l.), Leiter der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde, Birgit Hesse, Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern & Präsidentin des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Sylvi Tauber mit Hund Joe und Matthias Treichel, Inhaber der „Strandoase Treichel“

Als „sehr gut“ lobt Rollstuhlfahrerin Sylvi Tauber die Anbindung von Rostock-Warnemünde und den barrierefreien Strandzugang. Einzig das Kopfsteinpflaster vom Bahnhof und in den Parallelstraßen zum Alten Strom macht ihr Schwierigkeiten. „Ich habe deswegen extra meine Vorderräder wechseln müssen“. Zwar gibt es im Seebad Warnemünde meist auch alternative Weg, aber die „sind nicht so schön wie die kleinen Gassen“, sagt die 40-Jährige. Zusammen mit ihrem Begleithund Joe ist sie heute zur offiziellen Übergabe des barrierefreien Strandkorbs nach Warnemünde gekommen.

Wettbewerb soll barrierefreien Zugang zum Wasser ermöglichen

Zum zweiten Mal hat der Landestourismusverband MV den Wettbewerb „Barrierefreier Strandkorb“ gestartet und Orte, Regionen, Verbände oder touristische Anbieter aufgerufen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang zum Wasser zu ermöglichen. Wie schon im Vorjahr ging die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde als Sieger hervor.

Unter dem Motto „Reisen für alle“ müsse jeder die Möglichkeit haben, an den Strand zu gelangen und Angebote wie etwa einen Strandkorb zu nutzen, betont Birgit Hesse, Präsidentin des Tourismusverbandes. Da die Menschen immer älter werden, sei dies gerade für den Tourismus im Land ein sehr wichtiges Thema. Aber Barrierefreiheit „geht uns alle an“, so Hesse. Es betrifft auch Familien, die den Kinder-Buggy durch den Strand mitziehen müssen.

Mit einem Großsegler für Rollifahrer oder Kite-Surfen für Gehörlose gibt es bereits gute Angebote im Land, so Hesse. „Das sollte keine Ausnahme sein, das sollte Standard sein.“ Luft nach oben gibt es noch – auch bei den Zertifizierungen nach dem bundeseinheitlichen Siegel „Reisen für Alle“. 51 sind es in MV bislang, in anderen Bundesländern gibt es mehr, bekennt Hesse.

Barrierefreier Strandkorb steht diese Saison an der Strandoase Treichel

Ein „Bonbon“, freut sich Strandoase-Inhaber Matthias Treichel über die „ganz andere Generation Strandkorb“. Seit 2006 verfolgt er am Strand von Warnemünde sein weitestgehend barrierefreies Konzept. Neben dem rollstuhlgerechten Strandzugang, der fast bis ans Wasser führt, ist auch die Bar per Rampe erreichbar und es gibt einen Baderollstuhl, der kostenlos genutzt werden kann.

20 barrierefreie Strandkörbe gibt es bei ihm bereits, sagt Treichel, wenn auch nicht mit „Parkgarage für den Rollstuhl“. Aber Rollstuhlfahrer möchten gar nicht „bemuttert“ werden, sondern so viel wie möglich selbstständig machen, lautet seine Erfahrung. „Wenn es Schwierigkeiten gibt, sind wir natürlich sofort da.“

Gebucht werden kann der Strandkorb, der mit der Nummer 11 in erster Reihe steht, online. Für Behinderte ist die Miete kostenlos. Da er einen anderen Korb ersetzt, ist er eigentlich bereits für 100 Tage vermietet, aber da findet sich eine Lösung, verspricht Treichel.

„Die Auslastung für Juli und August ist extrem gut“, freut sich Matthias Treichel nach der Corona-Zwangspause über die hohe Nachfrage. Bei den 140 Körben, die online vermietet werden, „ist alles rot“ – eine Verdoppelung der Online-Buchungen verzeichnet der Strandkorbvermieter für diese Saison. Ein paar Körbe werden aber immer noch für die Urlauber zurückgehalten, die morgens um 9 Uhr in der Schlange stehen.

Rollstuhlfechterin hat Paralympics in Tokio im Blick

Was sich Sylvi Tauber noch wünschen würde? Ein ganzjähriger barrierefreier Strandzugang wäre „richtig super“, um auch im Winter einfach mal die „Ostseeluft zu genießen“. „Wir haben diese Problematik durchaus auf dem Schirm“, bestätigt Tourismusdirektor Fromm. Derzeit lasse sich der Wunsch allerdings nur schwer mit dem Sturmflutschutz vereinbaren. Bislang fordere das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg als zuständige Behörde, dass der Strand bis zum 15. November beräumt sein muss.

Und dann hat Sylvi Tauber noch einen ganz persönlichen Traum. Als Mitglied des Deutschland-Teams möchte die aktive Rollstuhlfechterin im nächsten Jahr an den Paralympics in Tokio teilnehmen. „Die Chancen stehen gut, dass ich mitdarf“, freut sich die 40-Jährige.

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