Kompromiss für Strandversorgung in Warnemünde

Für die Strandbewirtschafter in Warnemünde und Markgrafenheide gibt es eine Einigung – ab heute können sie ihre Anlagen für Strandkorbverleih, Gastronomie und Wassersport aufbauen

21. Mai 2021, von
Kompromiss für Strandversorgung in Warnemünde - Tourismusdirektor Matthias Fromm, Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski, MdL Ralf Mucha und Umweltminister Till Backhaus (hinten, v.l.) mit Gewerbetreibenden vom Warnemünder Strand
Kompromiss für Strandversorgung in Warnemünde - Tourismusdirektor Matthias Fromm, Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski, MdL Ralf Mucha und Umweltminister Till Backhaus (hinten, v.l.) mit Gewerbetreibenden vom Warnemünder Strand

Strandkörbe, Wassersport und gastronomische Versorgung wird es auch in diesem Jahr an den Stränden von Warnemünde und Markgrafenheide geben. Diese gute Nachricht überbrachte Umweltminister Till Backhaus (SPD) den Gewerbetreibenden heute Morgen persönlich. „Die Strandsaison 2021 ist gerettet“, freute sich Tourismusdirektor Matthias Fromm. Den Urlaubern können wieder „abwechslungsreiche Tage am Strand geboten werden“.

Ab sofort darf am Strand aufgebaut werden, vermieten dürfen die Anbieter jedoch Corona-bedingt noch nicht. Erst in der nächsten Woche wird das Kabinett in Schwerin darüber entscheiden.

Duldungen für bisherige Strandbewirtschafter

Anfang März verhängte das Backhaus untergeordnete Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) einen Baustopp für die Strandoase Treichel und stellte alle Angebote in Rostock als illegale Schwarzbauten in Frage. Schuld sei die Stadt, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätte, betonte der Minister.

Einen B-Plan oder Baugenehmigungen gibt es zwar immer noch nicht, die Einrichtungen zur Strandbewirtschaftung werden von der Stadt jetzt jedoch offiziell geduldet. Alle Betreiber mussten in diesem Jahr detaillierte Unterlagen einreichen, die auf Grundlage der Bauordnung sowie des in der Ausarbeitung befindlichen B-Plans von den Fachämtern der Stadt begutachtet wurden. Die wasserrechtlichen Belange des Küsten- und Gewässerschutzes hat das StALU geprüft. Man wisse jetzt, wo Leitungen liegen, dass Grauwasser – etwa vom Spülen des Mehrweggeschirrs – ordnungsgemäß entsorgt wird und alle Bauten bei einem Hochwasser innerhalb der vorgeschriebenen Frist von zwölf Stunden abgebaut werden können, zählte Backhaus die geklärten Fragen auf.

Strandoase Treichel rückt näher an die Düne

Für die Strandoase Treichel heißt dies, dass sie weg vom Wasser und näher an die Düne rückt. „Wir dürfen nur noch 30 Meter vom Dünenfuß wegstehen“, erklärt Betreiber Matthias Treichel. Bisher waren es etwa 120 Meter, die Strandoase stand deutlich näher am Wasser.

Der Pavillon darf in diesem Jahr nicht aufgebaut werden, stattdessen gibt es einen holzverkleideten Containerblock mit davorgesetztem Zelt, das innerhalb von zwölf Stunden abgebaut werden kann.

Auch die Toilette in Sichtweite soll es weiterhin geben, dies sei vor allem für die Rollstuhlfahrer sehr wichtig, sagt Treichel und verspricht: „Der Urlauber wird nicht viel merken.“. Die Anlage wird weiterhin möglichst barrierefrei sein und auch der Weg bis fast ans Wasser wird für Rollifahrer hergerichtet.

Kritik aus Markgrafenheide

Nicht alle Gewerbetreibenden sind mit dem Kompromiss zufrieden. „Ich war gestern schockiert über die E-Mail, die ich bekommen habe“, sagt Michael Kraahs, der die Strandoase Markgrafenheide betreibt. In den vergangenen 17 Jahren habe er dort Rollstuhlauffahrt und -terrasse geschaffen sowie ein Kinderhaus und Volleyballnetze aufgestellt. Jetzt soll er alles auf 15 Quadratmeter verkleinern – inklusive Terrasse und Lager. Allein der Verkaufsraum ist bereits 15 Quadratmeter groß. Vor drei Jahren habe er extra alles so geplant, dass es bei einem Hochwasser innerhalb der vorgeschriebenen zwölf Stunden mit einem Hänger vom Strand geholt werden kann.

„Ich habe fünf Angestellte, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“ Auch, dass nicht mehr auf Pfählen gebaut werden darf, sei ein großes Problem, so Kraahs. „Wir können doch nicht einen Container in den Sand stellen. Da reichen drei Tage Wind, dann ist das unterkoffert und steht schief.“ Die Pfahlkonstruktion sei so ausgelegt, dass die Welle ohne irgendwelche Schäden unten durch gehen kann.

Der für Ordnung und Sicherheit in der Hansestadt zuständige Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski signalisierte Entgegenkommen, wenn es etwas mehr als 15 Quadratmeter werden, die Pfahlgründung sieht Minister Backhaus jedoch aus Küstenschutzsicht als „kardinales Problem“.

Bebauungsplan für den Strand bleibt das Ziel

„Wir haben uns zusammengerauft“, freut sich Müller-von Wrycz Rekowski, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde, doch „wir haben noch ein Stück zu gehen“. Nachdem sich der Ortsbeirat Warnemünde mit Rostocks oberstem Stadtplaner Ralph Müller auf eine 80-Prozent-Lösung für den seit 2010 offenen B-Plan Strand verständigt hatte, strebt der Senator jetzt doch eher eine Hundert-Prozent-Lösung an. „Der jetzige B-Plan-Entwurf ist eine gute Grundlage, aber der ist noch nicht fertig in allen Facetten.“

Bei den herausgenommenen 20 Prozent handelt es sich allerdings um die besonders strittige Ganzjahresgastronomie am Strand. Ist diese in Warnemünde überhaupt denkbar? Dazu möchte sich Minister Backhaus heute noch nicht äußern, sagt dann aber doch: „Ich kann mir das – mit Verlaub gesagt – ganzjährig nur schwer vorstellen.“ Dabei entwickelt sich Warnemünde zunehmend zur Ganzjahresdestination. Gerade erst führte Tourismusdirektor Fromm dies als einen Grund für die Erhöhung der künftig ganzjährig einheitlichen Kurabgabe an.

Und es gibt ein weiteres Problem: Das Seebad Markgrafenheide ist nicht Bestandteil des bisherigen B-Plans. Hier existiert bislang nicht einmal ein Aufstellungsbeschluss. Es gibt noch viel Gesprächsbedarf, zumal auch die Wünsche der Strandbesucher ganz unterschiedlich sind, wie Müller-von Wrycz Rekowski betont. Während sich die einen eher einen naturbelassenen Strand wünschen, möchten die anderen eine direkte Strandversorgung mit Toilette.

Den Strandbewirtschaftern gab der Senator die „feste Zusage, dass wir uns noch einmal im Herbst zusammensetzen“, um direkt mit den Akteuren zu besprechen, was genau am Strand geregelt werden muss. Tourismusdirektor Fromm hofft, dass die „ungewollte Dynamik“ dabei hilft, „dass wir nicht noch einmal weitere zehn Jahre auf den B-Plan warten müssen, sondern in naher Zukunft Planungssicherheit für alle schaffen.“

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