Bildungsstreik in Rostock - 9. Juni 2010

Schüler, Studenten und Auszubildende protestieren für bessere Bildung

10. Juni 2010, von
Bildungsstreik in Rostock
Bildungsstreik in Rostock

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut“, tönte es lautstark am 9. Juni in der Rostocker Innenstadt.

Etwa 800 Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende versammelten sich, um ihre Unzufriedenheit mit den Schul- und Ausbildungsbedingungen zum Ausdruck zu bringen und schlossen sich damit dem bundesweiten Bildungsstreik an.

Heiko Marski, Studentischer Prorektor, beim Bildungsstreik
Heiko Marski, Studentischer Prorektor, beim Bildungsstreik

Kritisiert wurde vor allem, dass das Bildungswesen zusehends nach wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet wird und zu wenig Geld für Schulen und Universitäten vorhanden sei. „Aufgabe der Bildung ist nicht allein die Qualifikation zur Arbeit“, sagte Heiko Marski, studentischer Prorektor der Universität Rostock und erinnerte an das humanistische Bildungsideal, welches nach Meinung vieler Demonstranten zusehends ins Hintertreffen gerät.

Henrike Pietsch und Sophia Sprunk vom Friderico - Francisceum Gymnasium Bad_Doberan
Henrike Pietsch und Sophia Sprunk vom Friderico - Francisceum Gymnasium Bad_Doberan

„Es ist zu wenig Zeit für Individualität. Die Klassen sind zu groß“, beklagte sich beispielsweise Henrike, Schülerin aus dem Friderico – Francisceum Gymnasium in Bad Doberan.

„Wir spielen noch Handball. Aber mit zwei Matheklassenarbeiten innerhalb von drei Wochen haben wir einfach Stress bei der Stoffbewältigung“, ergänzte ihre Mitschülerin Sophia. Sie rechnen etwa mit neun Stunden täglich, die sie für die Schule aufbringen.

Bildungsstreik - Studenten Georg, Henrik und Philipp
Bildungsstreik - Studenten Georg, Henrik und Philipp

Bessere Finanzausstattung für mehr Lehrer und kleinere Klassenstärken fordern auch die Studenten Georg, Henrik und Philipp.

Sie wollen sich mit den Schülern solidarisch zeigen, haben aber auch Verbesserungsvorschläge für die Situation im Studium. „Die Finanzen müssen gestärkt werden. Wir brauchen eine bessere Personalausstattung, damit eine intensivere Betreuung möglich ist“, sagte Henrik.

Philipp gibt zu bedenken, dass so auch die Zahl der Abbrecher verringert werden könnte. Auch die Lerninhalte der Lehr- und Studienpläne wurden von den Schülerinnen und Studenten an bestimmten Punkten in Frage gestellt.

Danny Lange und Hannes Wernig vom Richard-Wossidlo-Gymnasium Ribnitz-Damgarten
Danny Lange und Hannes Wernig vom Richard-Wossidlo-Gymnasium Ribnitz-Damgarten

Danny, Hannes, Sandra und Anna vom Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten nahmen ebenfalls mit ihren Mitschülern an den Protesten teil.

Sie wurden dabei von vielen Menschen unterstützt, erzählen sie. „Die Materialien für unsere Transparente haben wir kostenlos von einem Geschäft bekommen“, war Danny dankbar. Auch bei ihren Lehrern findet ihr Engagement Zustimmung.

Bildungsstreik: Sandra Erichson und Anna Mense vom Richard-Wossidlo-Gymnasium in Ribnitz-Damgarten
Bildungsstreik: Sandra Erichson und Anna Mense vom Richard-Wossidlo-Gymnasium in Ribnitz-Damgarten

Auf Missstände bei der Situation der Lehrer und der Lehrerausbildung machte Cornelia Mannewitz von der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung aufmerksam. Außerdem forderte sie mehr Geld für Studierende, eine deutlichere BAföG-Erhöhung als bisher vorgesehen und ein Studienhonorar: „Studierende sollen nicht zahlen, sondern Geld dafür bekommen, weil sie studieren“, schlug sie in ihrer Ansprache vor.

Pfeifen für bessere Bildung
Pfeifen für bessere Bildung

„Bildung ist nicht umsonst. Sie kostet Geld“, machte die Vertreterin des Personalrates der Universität Rostock deutlich. „Bildung muss aber für alle zugänglich sein, ohne soziale Hürden“, sagte sie und beklagte, dass das Verständnis von Bildung als Investition in die Zukunft oft nur eine hohle Politikerphrase sei und veranschaulichte dies mit der Personalentwicklung an der Universität Rostock, die die Studierenden nun mit überfüllten Hörsälen ausbaden müssten.

Ein weiteres Problem, welches die Studierenden beschäftigte, ist die Umsetzung der Bologna-Beschlüsse, die mit international vergleichbaren Bachelor- und Masterabschlüssen die Mobilität und Wettbewerbsfähigkeit in Europa fördern soll. Hier werden vor allem Defizite bei der inhaltlichen Gestaltung der Studiengänge, der Organisation und der Akzeptanz der Abschlüsse gesehen.

Schüler der 5. Klasse der Borwinschule beim Bildungsstreik
Schüler der 5. Klasse der Borwinschule beim Bildungsstreik

Mit ihrem Protest wollen die Schülerinnen und Schüler, die Studierenden und Auszubildenden auf die Missstände im Bildungswesen aufmerksam machen und Präsenz zeigen. Viele haben die Hoffnung, dass sich durch ihr Engagement etwas verändern wird. „Der bundesweite Streik wird was bringen“, ist sich der 13 jährige Michel sicher.

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