„Cabaret“- Premiere im Volkstheater Rostock

Toller Auftakt und Premierenfeier im Kit-Kat-Klub: Cabaret

17. Januar 2010, von

Premiere Cabaret Volkstheater Rostock Das Volkstheater Rostock (VTR) feierte gestern Premiere des 1966 in New York uraufgeführten Musicals „Cabaret“ von John Kander und Fred Ebb. Am Broadway lief es damals gar 2165 mal nonstop und wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Mit acht Oscars wurde die Verfilmung des Stückes von 1972 mit Liza Minelli prämiert. Demnach kann „Cabaret“ eigentlich nur überzeugen, doch die Erwartungen sind auch umso größer.

Gabriele Schwabe Nach einem Aperitif füllten die Besucher das ausverkaufte Große Haus des Theaters. Viele elegant gekleidete Damen und Herren nahmen Platz. Im tiefen Sitz des Orchestersaales wartete auch ich gespannt, was mich erwarten würde.

Der Dirigent kam auf die Bühne und verschwand sofort wieder im Orchestergraben – die Show konnte beginnen. Die Handlung spielt in Berlin, im Übergang von 1929 auf 1930. Gabriele Schwabe begrüßte als Conférencier die Gäste des Kit-Kat-Klubs („Willkommen, Bienvenue, Welcome.“) und überzeugte ab der ersten Sekunde mit charismatischem Spiel und Gesang.

Cabaret im Volkstheater Rostock Matthias Zajgier (Student der Hochschule für Musik und Theater Rostock) als Clifford Bradshaw überzeugte ebenso wie Titus Paspirgilis als Ernst Ludwig. Das schwierige Thema über das Erstarken des Nationalsozialismus wurde vom Amerikaner Clifford und vom Nazi-Sympathisanten Ernst sehr kontrovers rübergebracht.

Bühnenumbauten gingen rasch und professionell „über die Bühne“ und wurden von der exzellent aufspielenden Norddeutschen Philharmonie Rostock begleitet.

Martina Dorothea RumpfDie Girls des Klubs mit sexy kurzen Röcken und Strapzen erinnerten in einer Szene mit ihrem Schulmädchen-Outfit an das Musikvideo „Baby one more time“ von Britney Spears. Aber die tänzerischen und gesanglichen Darbietungen der Künstler auf der Bühne waren um Vieles besser. In einigen Akten war die immense Anzahl an Akteuren zu bewundern, da der Opernchor des VTR und das TanzTheater Bronislav Roznos zusätzlich zu den Hauptfiguren agierten. Zum Beispiel wurde dies bei dem zum Evergreen gewordenen Song „Money makes the world go around“ deutlich.

Franz und Rosita Mewis Gesanglich konnte mich die Rolle der Sally Bowles (Martina Dorothea Rumpf) am meisten in den Bann ziehen. Mit „Bitte schont das goldene Mutterherz“ oder auch „Und wenn die Welt in Stücke fällt: Ich liebe das Cabaret!“ erntete die smarte Darstellerin viel Beifall. Fräulein Kost als Prostituierte, gespielt von Anke Lüder, sorgte aufgrund ihrer frechen Berliner Schnauze für viele Lacher: „Keene Matrosen, keene Miete“.

Peter LeonardWeitere Protagonisten waren die souverän gespielten Rollen des jüdischen Obstverkäufers Herr Schultz (Franz Mewis) und der deutschen Pensionsinhaberin Fräulein Schneider (Rosita Mewis). Sich liebend, konnten sie aufgrund der nationalistischen Repressionen ihre geplante Heirat jedoch nicht umsetzten.

Nach einer kurzen Pause begann der 2. Akt des von Stephan Brauer als Regisseur (Inszenierung & Choreografie) geführten Stückes. Nach einem fulminanten Schluss mit kurz angespielten Rückblicken der Handlung erhielten die Darsteller zurecht lautstarke und lang anhaltende Ovationen.

Band Coloured Line und DJIm Anschluss an die Premiere von „Cabaret“ lud Intendant Peter Leonard im Namen aller Beteiligten zu einer Feier mit Band, DJ und Büfett in den Kit-Kat-Klub ein.

Unter anderem erblickte ich dann in den Massen den Innenverteidiger unseres Heimatvereins FC Hansa Rostock, Tim Sebastian, der mir versicherte, dass es ihm „sehr gut“ gefallen habe. Da wird er sicherlich nicht der Einzige gewesen sein, der so dachte.

Die Band „Coloured Line“ mit Saxofon (Christoph Janner), Kontrabass (Martin Goffing), Drums (Wolfgang Morbitzer) und Gitarre (Torsten Thomann) sowie ein DJ unterhielten die Gäste abwechselnd im Foyer des großen Hauses mit animierenden Rhythmen und bildeten so einen absolut passenden Übergang vom Musical zur lockeren Runde.

Kay-Uwe Nissen und Karina Jens Selbstverständlich waren aber auch der Geschäftsführer der Theater GmbH in Rostock, Kay-Uwe Nissen und die Bürgerschaftspräsidentin, Karina Jens, anwesend. Beide unterhielten sich lebhaft und warteten bei einem Getränk auf die Eröffnung des berlinerischen Büfetts. Die Platten mit Bouletten, Würstchen, Käsespießen, Schmalzstullen, usw. waren schon aufgebaut, aber leider noch mit Folie abgedeckt.

Stephan Brauer und Peter Leonard Intendant Peter Leonard übernahm nun das Mikrofon und stellte dem Publikum die handelnden Akteure vor. Unter viel Applaus und einem Gläschen Sekt stießen die Darsteller zusammen mit den Gästen der Feier dann auf den fabelhaften Start des Stückes an.

Leonard bedankte sich für die geleisteten Arbeiten und schilderte, dass eine Premierenfeier noch nie so gut besucht gewesen sei. Mit der Eröffnung des Büfetts fand ein toller Abend seinen gelungenen Ausklang.

Es bleibt nur noch zu wünschen, dass die anderen Vorstellungen verdientermaßen auch so gut besucht sein werden.

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2 Kommentare

  • Marko sagt:

    Das ist wirklich mal eine gehaltlose, unkritische und seicht dahinplätschernde, fachlich wenig überzeugende Rezension. Du lieber Himmel, wen interessiert irgendein dämlicher Fußballer und wen kümmert’s, ob du aufgeregt warst, oder nicht?
    Es muss doch mal gesagt werden, dass Cabaret kein Stück für das Große Haus ist! Das Stück gehört in ein gemütliches Ambiente, in dem das Publikum nicht wie festgeklebt in ihren Stühlen sitzt, in dem die Schauspieler eine Chance haben, dass ihre Leidenschaft den Zuschauerraum überhaupt erreicht. Außerdem kann man ein spritziges Musical nicht mit einem Opernchor inszenieren, der entweder nicht in der Lage ist, oder sich verweigert, sich dem Musicalgenre anzupassen. Die Hauptdarstellerin ist eine hervorragende Sängerin und Schauspielerin, aber eine Sally Bowles ist sie nicht. Dazu fehlte das Lassive und Anrüchige, das Rastlose und – mit Verlaub – die Körpermaße. Der Conferencé war dramaturgisch interessant angelegt, aber nicht konsequent in die Handlung eingebaut und damit auch letztlich wenig überzeugend.
    Wieso sitzt die Philharmonie im Orchestergraben? Da gehört eine schwungvolle Bigband irgendwo auf die Bühne, wo man sie sieht. Insgesamt also lauter Fehler, die nicht dem Ensemble zuzuschreiben sind, aber dem Inszenierungsteam, das hinsichtlich Ausstattung und Dekor Geschmack und Esprit zeigt, aber nicht vermag, Tempo und Kohärenz in das Stück zu bringen. Das Ensemble wirkte letztlich doch sehr angestrengt und überkonzentriert.
    Gelobt werden muss allerdings das flexible und sympathische Ballett und die sehr anrührenden und geistreichen Dialoge zwischen Fräulein Schneider und Herrn Schulz. Von derart gestandenen Künstlern darf man viel erwarten und man wurde nicht enttäuscht. Und Fräulein Kost hat den Abend auf ihre sehr charmanete Art gerettet: „Ach, Otto.“!

  • Marie sagt:

    Hallo Marko

    schön, dass du deine persönliche Einschätzung des Abends hier neben den Blogeintrag als Ergänzung stellst. Du wirfst ja damit noch interessante Aspekte auf. Allerdings finde ich deine Kritik an dem Schreiber in den ersten Zeilen eher uninteressant und damit unnötig.

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