CSD 2013 in Rostock - für vielfältige Familienformen

Bunte und schrille Party-Parade rückt zum Rostocker Christopher Street Day 2013 die Rechte von Homosexuellen ins Blickfeld

20. Juli 2013, von
ein Schwarzer Engel auf dem CSD
ein Schwarzer Engel auf dem CSD

Ein nackter Mann auf der Kröpi! Und das am belebten Einkaufssamstag. Zwei junge Frauen halten sich kreischend eine Hand vor den geöffneten Mund mit der anderen zeigen sie auf den Mann. Es ist sommerlich warm. Aber wer wird denn gleich soo blankziehen, wir sind doch nicht am Strand? Bis auf ein paar schwarze Sandalen, eine kleine Herrentasche und einen roten Lackslip trägt er nichts.

Auch andere Blicke lenkt er auf sich, obwohl er nicht der einzige ungewöhnliche Anblick auf der Straße ist. Es ist Christopher Street Day (CSD) in Rostock. Da wird die Vielfalt der körperlichen, insbesondere sexuellen Vorlieben, die privat ausgelebt werden, offen auf der Straße angedeutet. Obwohl die Rostocker CSD-Parade wohl eher zu den moderaten gehören dürfte, haben sich einige Demonstranten bewusst freundlich provokant, mit viel Freude und frivolem Augenzwinkern gestylt. Einige sind extra dafür aus den Szenehochburgen Hamburg und Berlin angereist.

Mitglieder der Grünen haben sich wieder in ihre Schweinekostüme, die auch gern bei Demos gegen Massentierhaltung zum Einsatz kommen, geworfen und das Schild „Schwule Sau?“ um den Hals gehängt. Lederfetisch, Dragqueens oder eben Freikörperkultur werden den Zuschauern in ihrer ganzen Buntheit zugemutet. Lautstarke Techno- und Schlagermusik sorgen für ausgelassene Stimmung, als sich die Party-Demo oder Demo-Party auf ihrem Weg durch die Einkaufsstraße in Rostocks Innenstadt schiebt. Viele „Unauffällige“ haben sich dazu gesellt und lassen so den mehrere hundert Menschen starken Umzug zu einem unübersehbaren Statement für Vielfalt werden.

So wie die drei Freundinnen und CSD Stammgäste Nadine, Christin und Yvonne. „Man muss doch auch ein bisschen was für Lesben, für Schwule und für Bisexuelle tun. Ohne sie wären wir heute nicht so, wie wir sind,“ sagen die jungen Frauen, die den an diesem Tag verbreiteten Slogan „100% Queen!“ tragen. 100 Prozent, so ihre Forderung, sollte es auch bei den Rechten für Ehe und Adoptionsrecht für alle Menschen geben.

Dieser Mann hält allen Passanten den Spiegel vor
Dieser Mann hält allen Passanten den Spiegel vor

Kritik: Benachteiligung im Adoptionsrecht für Paare in eingetragenen Lebenspartnerschaften

Denn „Familie ist … Vielfalt“, so das diesjährige Motto der CSD-Parade. Ausschlaggebend für die Wahl des Mottos sei die fortwährende Benachteiligung im Adoptionsrecht für Paare in Eingetragenen Lebenspartnerschaften gewesen, so die Veranstalter vom CSD Rostock e.V.. Obwohl es mittlerweile zwar die Adoption von Stiefkindern zulässt, ist eine volle Adoption bisher nicht erlaubt, was insbesondere für männliche Paare die Gründung einer Familie nahezu unmöglich macht. Immerhin haben in den letzten beiden Jahren zehn lesbische Paare in Rostock erfolgreich eine Stiefkindadoption abgeschlossen.

In Rostock gebe es verschiedene Erfahrungen, fasst Hannes Möller vom Organisationsteam, aktuelle Gespräche aus dem den CSD begleitenden Programm zusammen. „Einige erzählen, dass das Jugendamt schon komisch guckt. Man bekommt Fragen gestellt, die für die Betroffenen sehr schwer sind, weil es sehr stark die Sexualität angeht. Auf der Straße wird man schief angeschaut, wenn zwei Frauen oder zwei Männer den Kinderwagen schieben. Aber es wird besser.“

„Wir haben keine Probleme und sind eine völlig normale Familie“, sagt die 30-jährige Franziska aus Rostock. Sie und ihre Partnerin sind Mütter von drei Kindern. Die Väter sind Bekannte. „Es ist nicht ausversehen passiert.“

Fotos vom CSD 2013 in Rostock:

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