Darwineum - ab 2012 im Rostocker Zoo

Darwineum lockt mit Zeitreise durch menschliche Entstehungsgeschichte

12. Mai 2010, von
Sabas, Zoo Rostock
Sabas, Zoo Rostock

Der kleine Orang-Junge Sabas schaute mir gestern ganz tief in die Augen. Das auffallend fröhliche und aufgeschlossene Kerlchen ist 2003 geboren worden. Doch Sabas braucht, wie all seine Artgenossen im Rostocker Zoologischen Garten, unbedingt ein neues Zuhause. Die Unterkünfte der Affen bieten keine artgerechte Haltung. Sie sind schon über vierzig Jahre alt und viel zu klein. Deshalb wurde schon 2003 die Spendenaktion „Schaffen für die Affen“ ins Leben gerufen. Seitdem wurde für den Bau einer neuen Menschenaffenanlage, dank engagierter Institutionen, Schulen, Vereine, Firmen und Einzelpersonen eine Spendensumme von 1 Million Euro zusammengetragen.

Darwin-Tafel am Aquarium im Rostocker Zoo
Darwin-Tafel am Aquarium im Rostocker Zoo

2012 soll es nun soweit sein. Dann wird eine neue Affenanlage eröffnet. Dabei wird es sich allerdings nicht um ein schlichtes Gehege handeln. Schon der Name des geplanten Objektes, „Darwineum“, lässt vermuten, dass weitaus mehr geboten wird. Was genau das sei und wie das Darwineum aussehen soll, erfuhr ich gestern bei der Projektpräsentation im Aquarium des Rostocker Zoos. An einer der Außenwände des Aquariums ist eine Tafel mit dem Bildnis Darwins angebracht. Wie passend, dass ich hier mehr über das geplante Bauwerk erfuhr.

Zoodirektor Udo Nagel verriet, dass das Darwineum „tatsächlich das einzige auf der Welt“ sein werde. Er betonte auch die Zusammenarbeit mit dem Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main, der Universität Rostock und einem kleinen Museum des afrikanischen Kleinstaats Malawi.

Udo Nagel
Udo Nagel

Worum aber handelt es sich nun genau? Das Darwineum soll eine Zeitreise durch die menschliche Entstehungsgeschichte erfahrbar machen. Woher kommt der Mensch und wie kam es dazu, dass er sich aus einzelligem Leben entwickelte? Diese Fragen sollen ab dem Frühjahr 2012 im Zoologischen Garten Rostock beantwortet werden. Ausgehend von Darwins Evolutionstheorie sollen die erdzeitliche Entwicklungsgeschichte und die kulturelle Evolution des Menschen vor Augen geführt werden. Dafür wird auf einem ehemaligen Schießplatz neben dem Zoo ein Erweiterungsbau errichtet, der „Geschichte, Mensch und Tier unter einem Dach vereint“, erklärte Zoodirektor Udo Nagel. Dieser „bietet eine einzigartige Kombination aus einer lebendigen zoologischen Sammlung und musealen Ausstellung“.

Die Bauleitung des 25 Millionen schweren Investitionsvorhabens liegt in der Hand des Unternehmens „Inros Lackner AG“ aus Rostock. Diese arbeiten mit erfahrenen Zoo-Architekten um Peter Rasbach aus Oberhausen sowie dem Ing.-Büro Jochen Döhler zusammen. Finanziert wird das Projekt maßgeblich aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Stadt übernimmt einen Eigenanteil, der sich aus der bereits erwähnten Spendensumme von 1 Million Euro und einem Zookredit von 2,9 Millionen Euro zusammensetzt.

Peter Rasbach
Peter Rasbach

Der bekannte Zoo-Architekt Peter Rasbach stellte das Bauprojekt Darwineum vor. Er erklärte, die Gorillas und Orang-Utans würden ihre neue Heimstätte in einem abgesenkten 500 Quadratmeter großen Tropenhaus finden. Dieses werde mit einem hellen Foliendach, einer offene Vogelvoliere für Exoten, einer Hängebrücke sowie Terrarien für die Affen ausgestattet sein. Das Tropenhaus soll in zwei Ausstellungsbereiche eingebettet und von einer großzügigen 8.000 Quadratmeter umfassenden Außentieranlage umgeben werden, fügte er hinzu. 5.000 Quadratmeter davon werden die Auslauffläche der Gorillas bilden. Den Orang-Utans wird ein Tummelplatz von etwa 3.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen.

Die gesamten Auslaufflächen sollen, den natürlichen Lebensverhältnissen der Affen entsprechend, bepflanzt und mit Sumpfoasen, Wasserläufen wie auch Kletterlandschaften ausgestaltet werden. Peter Rasbach versuche „die Bedürfnisse der Tiere und die Wünsche der Betrachter optimal in Einklang“ zu bringen, so Udo Nagel. Der anerkannte Fachmann hat schon an Projekten in vielen namhaften Zoos, wie Leipzig, Dortmund, Duisburg, Frankfurt, Köln, sowie im Loro Park auf Teneriffa mitgearbeitet.

Die neuen Unterbringungsmöglichkeiten ermöglichen es dem Zoo, wieder stärker in die Zucht einzusteigen. Die Affenhaltung solle schrittweise ausgeweitet und Gorilla-Mann Assumbo ein paar Weibchen bekommen. Auf etwa 1.600 Quadratmetern der Außenanlage werden die Kattas, kleine wieselflinke Halbaffen mit Ringelschwanz, zusammen mit den Galapagos-Schildkröten, eine neue Heimat finden. Auf einer weitläufigen Terrasse mit 150 Sitzplätzen wird man die Tiere beobachten können.

Shirin Frangoul-Brückner
Shirin Frangoul-Brückner

Die Ausstellungsgestaltung übernahm das Stuttgarter „Atelier Brückner“. Dessen Geschäftsführerin, Shirin Frangoul-Brückner stellte das erarbeitete Konzept vor. In zwei interaktiven und dreidimensional ausgestatteten Ausstellungskomplexen wird der Besucher erfahren, wie nah wir Menschen mit den Menschenaffen verwandtschaftlich verbunden sind.

Im 1.300 Quadratmeter großen ersten Ausstellungsbereich, der „Bibliothek des Lebens“ soll die Entstehung des Lebens auf der Erde veranschaulicht werden. Auf einem evolutionsgeschichtlichen Lehrpfad wird diese Entwicklung im Zeitraffer nachgezeichnet. Einfachste einzellige Arten, wie das Pantoffeltierchen, Quallen, Seepferdchen , Würmer, Korallenriffs, erste Wirbeltiere, wie Lurche und Reptilien bis hin zu den Dinosauriern und immer intelligenteren Tieren, über die Affen, bis hin zum Menschen, werden da zu entdecken sein. Von den Tierarten, die die 500 Millionen Jahre Evolution überlebten, sollen beispielsweise Schlammspringer, Blattscheideameisen, Pfeilschwanzkrebse sowie Schnabeligel bewundert werden können.

In fächerförmig um einen zentralen Innenraum gelegten Themenkabinetten wird der Besucher in verschiedene Erdzeitalter eintauchen und Überraschendes entdecken können. In einem Raum etwa, wird man sich mittels einer dreidimensionalen Projektion, als inmitten einer Dinosauriergruppe stehend, fühlen. Im Zentrum der kreisförmig angelegten Bibliothek soll eine Urzelle stehen. Sie wird mit einer fünf Meter breiten Multitouch-Oberfläche ausgestattet sein. Auf dieser wird dann der Ursprung aller Lebewesen interaktiv vermittelt.

Über den Namensgeber der Einrichtung, Charles Darwin, wird der Besucher natürlich ebenfalls viel erfahren können. In multimedialen Logbüchern sollen Stationen seiner Forschungsreisen nachempfunden werden können.

Im Tropenhaus werden taktile Grafiken die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Menschenaffen und dem Homo Sapiens vermitteln.

Im 400 Quadratmeter großen dritten Ausstellungsbereich werden sich ein Tagungszentrum, ein Kino, ein Shop sowie eine gastronomische Einrichtung befinden. Das „Forschungslabor“ wird Kernstück des letzten Abschnittes sein. Hier sollen die unglaublichen Potenziale der modernen Forschung zur Anschauung gebracht werden. Zentrales Element dieses Labors wird eine begehbare Stammzelle sein. Hier wird sich der Besucher, indem er verschiedene Gencodes zusammenlegt, selbst als Forscher betätigen können.

Bernd Fischer
Bernd Fischer

Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern erläuterte anschließend die Bedeutung des DARWINEUMS für Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland. Er bezeichnete sogenannte Edutainment-Einrichtungen, wie das DARWINEUM als „Motoren für die touristische Entwicklung des Landes“, die „für eine sehr breite Masse an Menschen ein starkes Argument für eine Reise“ in bestimmte Regionen seien. Zudem sei das Image des Landes maßgeblich durch die Natur geprägt und der Mensch fände hier ein Stück weit zu seinen Wurzeln und sich selbst. Er betonte auch das Lernerlebnis für Jung und Alt in der Natur als einen wesentlichen Faktor der touristischen Angebote in Mecklenburg-Vorpommern.

Peter Kranz
Peter Kranz

Die Bedeutung des DARWINEUMS für das Landesmarketing unterstrich Peter Kranz, Leiter der Projektgruppe Landesmarketing M-V. Dass Menschen im DARWINEUM für die Fragen: „woher kommen wir“ und „wohin gehen wir“ begeistert werden, stehe „Mecklenburg-Vorpommern sehr gut zu Gesicht“, sagte er. „MV tut gut“ heiße ja nicht nur, dass sich, wer hierher komme, wohlfühlen werde, weil es in Mecklenburg-Vorpommern tolle Strände und Binnenseen sowie Wellness und Erholung gäbe, sondern auch, weil er hier spielerisch Wissen erfahren könne.

Rostocker Gorilla „Assumbo“
Rostocker Gorilla „Assumbo“

„Wenn doch auch Assumbo schon wüsste, wie gut es ihm bald gehen wird und dass er dann mit mehreren Artgenossen zusammenleben kann“, dachte ich als ich den Rostocker Zoo wieder verließ und noch einmal an seinem Käfighaus vorüber ging.

Am 28. Mai findet übrigens die 12. Klassik-Nacht: „Donau-Klänge“ zugunsten der Menschenaffen statt. Die Benefizkonzerte wurden bisher stets dazu genutzt, über den Entwicklungsstand in Sachen „Schaffen für die Affen“ zu informieren. „Das wird auch weiterhin so sein“, versprach der Zoodirektor.

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