„Das Ende vom Anfang“ in der Kleinen Komödie Warnemünde

Im Theaterstück von Sean O’Casey zeigt das Volkstheater Rostock, was passieren kann, wenn Mann den Haushalt schmeißt

5. April 2012, von
„Das Ende vom Anfang“ in der Kleinen Komödie Warnemünde
„Das Ende vom Anfang“ in der Kleinen Komödie Warnemünde

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann.“ Auch heute ist es noch manchmal so, wie in dem Lied von Johanna von Koczian aus dem Jahr 1977. Darin beschreibt sie ihren Mann, der darüber spottet, wie wenig sie doch im Haus zu tun habe. Eine ähnliche Ausgangssituation findet sich auch in Sean O’Caseys Theaterstück „Das Ende vom Anfang“, das heute in der Kleinen Komödie in Warnemünde seine Premiere feierte.

Wo es in dem Lied jedoch nur beim Reden bleibt, geht die Komödie einen Schritt weiter. Von der ewigen Nörgelei genervt, schlägt Lizzie Berill ihrem Mann vor, doch einfach mal einen Tag die Rollen zu tauschen. Selbstsicher geht Darry auf den Vorschlag ein: „Hau ab und ich zeige dir und deinem ganzen Geschlecht, wie Hausarbeit erledigt wird.“ Doch ganz so leicht, wie er sich den Tausch vorgestellt hat, wird es dann doch nicht.

Caroline Erdmann und Alexander Flache in „Das Ende vom Anfang“
Caroline Erdmann und Alexander Flache in „Das Ende vom Anfang“

Dabei ist er noch nicht mal auf sich allein gestellt. Sein Nachbar und Bandkollege Berry Derrill kommt rüber und bietet seine Hilfe an. Was anfangs noch gut aussieht, entwickelt sich recht schnell zu einer Katastrophe. Der erste Krug geht zu Bruch, Kartoffeln werden in das Abwaschwasser gegossen und es fließt sogar Blut. Ganz nach Murphys Gesetz geht wirklich alles schief und die beiden Männer stolpern von einem Unglück in das nächste. Am Ende kann man froh sein, dass beide noch am Leben sind und auch das Haus noch größtenteils steht.

In der Rostocker Inszenierung gibt es gleich einen doppelten Rollentausch. Denn Darry und Berry, die beiden Männer, werden von Caroline Erdmann und Sonja Hilberger gespielt und Alexander Flache steigt in die Rolle von Darrys Frau. Dabei haben die Kostümbildner wirklich tolle Arbeit geleistet. Caroline Erdmann ist in einen dickbäuchigen Faulpelz mit Hosenträgern, Kotletten und (hoffentlich) falschem Brusthaar verwandelt worden. Und auch die anderen beiden Darsteller erkennt man kaum wieder. Durch den Geschlechtertausch wird die gesamte Problematik noch einmal auf einer anderen Ebene persifliert.

Das Ende vom Anfang: Doppelter Rollentausch in der Kleinen Komödie Warnemünde
Das Ende vom Anfang: Doppelter Rollentausch in der Kleinen Komödie Warnemünde

Das liegt auch mit an der tollen Vorstellung der Schauspieler. Caroline Erdmann schnauft bei jeder kleinsten Anstrengung und in ihrem Auftreten erinnert die Rolle oft an Stromberg: Auch Darry denkt, alles besser zu wissen und hat eigentlich gute Absichten, scheitert dann aber doch immer wieder an den Aufgaben oder an sich selbst. Und Sonja Hilberger lässt wirklich viel Mitleid für den Tollpatsch Berry aufkommen, wenn der mal wieder unbeabsichtigt Scherben produziert.

Auch das Bühnenbild war bunt und verrückt, wie das gesamte Stück: eine Tapete mit Blumen und Schmetterlingen, ein Schallplattenspieler und im Zentrum ein alter Kohleherd. Außerdem gab es natürlich diverse Requisiten, die vielfältig von den Protagonisten zerstört wurden.

Caroline Erdmann und Sonja Hilberger in „Das Ende vom Anfang“ am Volkstheater Rostock
Caroline Erdmann und Sonja Hilberger in „Das Ende vom Anfang“ am Volkstheater Rostock

Mit „Das Ende vom Anfang“ wird die Kleine Komödie ihrem Namen voll gerecht. Zwar gibt es auch einige zu gewollt lustige Stellen und wahrscheinlich kann nicht jeder über Wettrülpsen lachen, doch im Großen und Ganzen herrschte eine sehr gelöste Stimmung bei der Premiere. Besonders angenehm im Vergleich zu ähnlichen Stücken ist es, dass der Humor nicht nur über Slapstick funktioniert. Auch die Dialoge sind dynamisch und fantastisch geschrieben, sodass der Text für mich der heimliche Star des Stückes ist.

Letztendlich gibt es einige Gründe, die dafür sprechen, sich das Stück bei einer der Vorstellungen im April oder Mai anzuschauen. Sei es, um zu sehen, wie Frauen als Männer versuchen Frauenrollen zu übernehmen, als Warnung, was alles im Haushalt schiefgehen kann oder einfach, um einen amüsanten Abend zu verbringen. Lohnen tut es sich allemal.

Fotos: Dorit Gätjen, VTR

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