Der Diener zweier Herren - Volkstheater Rostock

Goldonis Lustspiel mal ganz ohne Worte

10. März 2010, von
Diener zweier Herren Truffaldino & Florindo
Diener zweier Herren Truffaldino & Florindo

Ein italienischer Flüchtling, gesucht wegen Mordes, schleift einen über seinen Kopf reichenden Koffer hinter sich her; zieht und zerrt ihn über ein brückenähnliches, schwarz-weißes Gebilde. Als er ihn endlich an Ort und Stelle hat – der Schweiß perlt schon von seiner Stirn – taucht aus dem Nichts ein Lockenkopf auf, klopft auf den über ihre Köpfe reichenden Koffer und plötzlich ist der Raum von Musik erfüllt. In anmutigen Bewegungen tanzen die beiden Männer um den Koffer herum. Das Gesicht des Flüchtlings von Verwunderung und Mühen gezeichnet.

Diese Szene ist aus dem neuen Tanztheater „Der Diener zweier Herren“, in welcher der Lockenkopf genannt Truffaldino (Josef Dvořák) bei seinem zweiten Herren Florindo (Krzysztof Gradzki) anheuert.

Diener zweier Herren - Volkstheater Rostock
Diener zweier Herren - Volkstheater Rostock

Das italienische Lustspiel von Carlo Goldoni wird ab dem 20. März auf der Bühne des Volkstheaters Rostock aufgeführt. Das Besondere: Die Inszenierung kommt ganz ohne Worte aus. Nur durch modernen Tanz und Musik soll die Geschichte des Truffaldino erzählt werden, der aus Geldgier gleich bei zwei italienischen Edelleuten anheuert und dabei Hauptakteur in einem Verwirrspiel um Liebe, Geld und Macht wird.

Eine schwierige Herausforderung nicht nur für die acht Tänzer der Komödie, sondern auch für den Choreografen und Regisseur Bronislav Roznos. Denn ohne Dialoge muss es verständlich sein, dass Beatrice (Linda Kuhn) in die Rolle ihres toten Bruders Federico Rasponi schlüpft, um die abgesprochene Hochzeit mit der Tochter des Panthalone (Marath Rakhimov) zu feiern.

Die Emotionen, die Atmosphäre und vor allem der Witz des Lustspiels müssen auch ohne Sprache spürbar sein. Vor allem, wenn der Tod geglaubte Federico Rasponi in arroganter Anmut die Brücke herunterschwebt und damit die Verlobungsfeier Silvios (Enkhzorig Narmandakh) und Rosauras (Chika Kaneko) sprengt. „Man muss sehen, was ihr denkt!“, weist Bronislav Roznos seine Tänzer bei der öffentlichen Probe am Dienstag an. Liebe, Intrigen und Machtkämpfe weiß das Ensemble jedoch in schwungvollen Pirouetten, eleganten Hebefiguren und erschrockenen bis fröhlichen Gesichtern darzustellen.

Diener zweier Herren - Verlobung
Diener zweier Herren - Verlobung

Diese Adaption des berühmten Stückes lebt vor allem von der kraftvollen Musik, den emotionalen Gesichtern, den Bewegungen der Tänzer und dem einprägsamen Bühnenbild.

Drei goldgelbe Masken sind zu sehen, deren ausgehöhlte schwarze Löcher den Zuschauer sofort in den Bann des malerischen Venedigs ziehen. Sie sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern sollen dem Zuschauer bei der Orientierung helfen. Jede Maske symbolisiert dabei nicht nur die beiden Häuser, in denen die Komödie spielt, sondern ist eine typische Charakteristik des Commedia dell’Arte, einer vor allem im 16. Jahrhundert beliebten Variante der italienischen Volkskomödie. Auch die eher modern angehauchten Kostüme der Tänzer weisen vor allem in ihren Farben auf die Tradition des Lustspiels.

Roznos, Scharg & Hobe
Roznos, Scharg & Hobe

„Diese Art der Inszenierung bietet einen vollkommen neuen Einblick in das Stück“, schwärmt Bernd Hobe, Musiktheaterdramaturg. „Es wird eine ganz neue Ebene dieser lustigen Geschichte gezeigt.“ Die Gefühle, welche auf der Bühne getanzt werden, seien in Schauspielen gar nicht so umsetzbar. Denn die anmutenden, fast verspielt wirkenden Bewegungen der Tänzer des Ensembles verleihen den Charakteren einen Zauber, bei dem jedes Wort ein Wort zu viel wäre.

Ein guter Zauber für das Volkstheater Rostock. Seit letztem Sommer ist Bronislav Roznos am Volkstheater engagiert und überzeugte schon durch seine Tanzinszenierung der „Frida Carlo“. „Die Besucherzahlen haben sich seit dem Stilwechsel verdoppelt“, führt Bernd Hobe auf. Es scheint zu gefallen, was Roznos auf die Bühne bringt. Und auch sein neues Tanztheater verspricht eine Mischung aus modernem Tanz, traditionsreichen Kostümen und jeder Menge Humor mitzubringen, welche den Zuschauer schon vom ersten Ton in atemloses Staunen versetzt.

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