Ragtime – Varieté der Illusionen in der Halle 207 des VTR

Tanztheater von Bronislav Roznos beim Sommerfestival des Volkstheaters

6. Juli 2010, von
Ragtime am Volkstheater Rostock
Ragtime am Volkstheater Rostock

Ragtime – die spritzige, frische Musik aus Amerika liefert den Soundtrack für die neue Show des Tanztheaters Bronislav Roznos beim Sommerfestival des Volkstheaters Rostock. In „Ragtime – Varieté der Illusionen“ zeigen fünf Tänzerinnen, vier Tänzer und der Chefchoreograf Bronislav Roznos selbst Szenen aus dem Alltag eines Varieté-Ensembles, dessen Mitglieder sich zwischen dem Glitter und Glamour auf der Bühne und der Trostlosigkeit hinter den Kulissen bewegen.

Ragtime beim Sommerfestival des Volkstheaters Rostock
Ragtime beim Sommerfestival des Volkstheaters Rostock

Glitzernde, knappe Kostüme, buntes Licht und eine riesige Showtreppe erschaffen Illusionen von sorgloser Leichtigkeit. Praktische Kleidung, metallische Garderobentüren, die wie Gefängnisgitter ineinander knallen, lenken den Blick auf die harten Trainingsphasen abseits der Bühne. Diese sind hier weniger von dem individuellen Bemühen bei der Erarbeitung einer Performance bestimmt, sondern viel mehr von den Auseinandersetzungen der Ensemble-Mitglieder untereinander.

Ragtime-Ensemble
Ragtime-Ensemble

Der Compagniechef beobachtet diese ganz genau und benutzt die persönlichen Erfahrungen und Emotionen der Tänzer, um sie auf der Bühne umzusetzen. Auf diese Weise wird das, was formal so säuberlich getrennt wirkt, wieder geschickt miteinander verbunden. Und ja, hauptsächlich geht es dabei natürlich um Liebe. Ihre vielfältigen Konstellationen und Variationen sind deshalb immer zweimal zu sehen: in ihrem Ursprung und in der künstlichen Darstellung auf der Showbühne.

Ragtime, Duschszene
Ragtime, Duschszene

Heimliche Schwärmerei, heißes Begehren und aggressive Eifersucht bieten genug Stoff für spannende und abwechslungsreiche Szenen. Das Publikum erlebt unter anderem einen bitterbösen Zickenkrieg oder eine Dreiecksbeziehung, deren Komik sich spätestens in der Bühnenversion offenbart. Besonders eindrucksvoll ist eine Duschszene geraten. Nicht wegen des Wassereffekts, sondern wegen der unglaublichen Intensität und gleichzeitigen Zurückhaltung, mit der sie dargestellt wurde. Nur die Umkleidephasen auf der Bühne werden hin und wieder etwas zu lang.

Begleitet werden die Szenen, wie der Titel des Stückes schon verheißt mit Ragtime-Musik. Insbesondere bei den Showszenen erklingen alte Rags von Scott Joplin, aber auch neuere Kompositionen, beispielsweise von Danny Elfman aus dem Musical „Chicago“. Für die stilleren Momente gibt es passende sanftere Musik, die man ebenfalls in der Filmmusik gefunden hat. Leider werden alle Musikstücke nur aus der Konserve eingespielt. Da fehlte noch das I-Tüpfelchen zu der ansonsten gelungenen Vorstellung.

Die nächste Vorführung von „Ragtime – Varieté der Illusionen“ findet am 11. Juli in der Halle 207 auf dem ehemaligen Gelände der Neptunwerft statt.

Fotos: Dorit Gätjen, VTR

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