Neue interaktive Info-Systeme im Kulturhistorischen Museum

Dreidimensionale Rekonstruktion des mittelalterlichen Dreikönigsaltars der Johannisklosterkirche ermöglicht einen Eindruck vom Gesamtkunstwerk

4. April 2012, von
Dr. Steffen Stuth vor dem Info-Terminal des Dreikönigsaltar im Kulturhistorischen Museum
Dr. Steffen Stuth vor dem Info-Terminal des Dreikönigsaltar im Kulturhistorischen Museum

Seit Neuestem können die Museumsbesucher die Flügel des Rostocker Dreikönigsaltars auf- und zuklappen und so auch unter der Woche die Ansichten betrachten, die ursprünglich nur für Sonn- und Festtage bestimmt waren.

Damit dem edlen Exponat jedoch nichts zustößt, wurde es in digitaler Form in einem 3-D-Modell dargestellt. Mit den dem modernen Menschen bereits zur Gewohnheit gewordenen Tipp- und Wischbewegungen der Finger auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm lassen sich nicht nur die unterschiedlichen Ansichten des Hochaltars vor Augen führen, sondern auch dazugehörige Erläuterungen, die über die Funktion der einzelnen Teile und Bilder informieren.

Der Rostocker Dreikönigsaltar ist ein ganz besonderes Exponat im Kulturhistorischen Museum. Es ist das bedeutendste Kunstwerk in Rostock, das aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist.

„Seit diesem Jahr wissen wir, dass er einer der bedeutendsten gotischen Altäre an der südlichen Ostseeküste ist“, erklärt Museumsleiter Dr. Steffen Stuth. 1430 gefertigt sei er der Prototyp für 16 weitere in der Rostocker Altarwerkstatt hergestellten Altäre gewesen. Dem Hochaltar in der Kirche zum Heiligen Kreuz, in der Nikolaikirche (der heute in der Marienkirche steht) bis hin zum Hochaltar im Güstrower Dom, am Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut, diente er als Vorbild.

Doch der Dreikönigsaltar ist unvollständig. Das Gesprenge, der Rahmen, die Predella, die Hälfte des Figurenprogramms und die Außenflügel fehlen. Der Museumsleiter meint daher: „So wie er hier hängt, erschließt sich nicht, wie er ursprünglich ausgesehen hat. Dabei wäre es für den Besucher interessant zu sehen, wie dieser Altar funktioniert hat. Wir hätten auch ein dickes Buch davor legen können.“ Doch auch ein Museum will mit der Zeit gehen. Seitenblättern ist out, Touchscreens sind in. Um dem Altar die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen, setzte man daher auf ein recht avanciertes Verfahren.

„Es ist das erste Mal, dass das auf dem deutschen Museumsmarkt so gemacht worden ist“, erklärt Stuth die Digitalisierung des historischen Objektes, für deren technische Umsetzung sich das Museum das Know-how der Warnemünder Firma Pinkau Interactive Entertainment heranzog.

Die verarbeitete alle Erkenntnisse über den Altar zu einem virtuellen dreidimensionalen Modell. Beschreibungen aus dem 18. Jahrhundert, als der Altar noch vollständig war, lieferten fehlende Informationen. Weitere Details wurden von den anderen noch vorhandenen Rostocker Altären übernommen. Das, was der Museumsbesucher original vor sich sieht und zwei Bilder, die heute in Berlin sind, sind im Modell farbig dargestellt. Alles, was zusätzlich rekonstruiert wurde, ist grau.

„Mit den Möglichkeiten der modernen Technik wurde so etwas zusammengefügt, was seit 1881 so nicht mehr vorhanden gewesen ist“, fasst Steffen Stuth die einjährige Arbeit zusammen, deren Ergebnis nun in einem Terminal vor den Resten des Altars aufgestellt wurde.

Es ordnet sich ein in das Informationssystem aus großen Tafeln, Objektbeschriftung und Lesepulten und soll demnächst auch in englischer Sprache zur Verfügung stehen.

Schon in den nächsten Wochen sollen zwei weitere Info-Terminals aufgestellt werden und die Aussagen der Münzausstellung und der Ausstellung „Verfemte Moderne“ unterstützen.

Nachdem nun auch die Touchscreen-Technologie Einzug in das Kloster zum Heiligen Kreuz gehalten hat, dürfen wir gespannt sein, wann die Besucher historische Ausstellungsstücke des Museums mit der Gestensteuerung erkunden können.

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