Rostocks letzter Elefant ist gestorben

Mit dem Tod von Sara stellt der Rostocker Zoo die Elefantenhaltung ein

20. November 2013
Die 51-jährige afrikanische Elefantenkuh wurde heute Morgen eingeschläfert.
Die 51-jährige afrikanische Elefantenkuh wurde heute Morgen eingeschläfert.

Besucherliebling Sara, die älteste afrikanische Elefantenkuh in einem europäischen Zoo, ist tot. Sie wurde stolze 51 Jahre alt; das ist vergleichbar mit einem Menschenalter von 90 Jahren. Zoo-Mitarbeiter nahmen heute Abschied von Sara und erinnern auf einer Tafel an die Rostocker Legende. Mit Sara geht über ein halbes Jahrhundert der Elefantenhaltung in Rostock vorerst zu Ende. „Generationen an Kindern sind mit Sara und ihren Artgenossen groß geworden. Das ist für uns alle ein sehr schwerer Tag. Aber uns verbinden mit Sara auch viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse“, sagte Zoodirektor Udo Nagel. In gewisser Weise bleibt sie den Rostockern auch erhalten. Die zoologische Sammlung der Universität Rostock plant, das Skelett von Sara zu Ausstellungs- und Lehrzwecken zu übernehmen.

Sara ist ein Wildfang aus Afrika, geboren vermutlich 1962, genaue Daten existieren nicht. Seit 1964 lebte sie in Rostock, davon viele Jahre mit weiteren Elefanten in einer kleinen Herde. „Sara ist mit uns groß und sehr alt geworden, für manchen war allein sie Grund genug für einen Besuch im Zoo“, so Udo Nagel weiter. Der Zoo Rostock war gleichzeitig gemeinsam mit Bock Gisbert und weiteren Kamerunschafen der Altersruhesitz von Sara.

Die Elefantenhaltung hat in der Geschichte des Zoos eine lange Tradition, wenngleich sie nicht bis 1899 und Carl Lange, Tierwärter im „Hirschgarten“, zurück reicht. 1960 kamen die beiden indischen Elefanten Hati und Suri nach Rostock, 1964 gefolgt von der damals zweijährigen Sara, der ersten „Afrikanerin“. Sara und die Asiatin „Kira“ lebten ab 1972 zusammen auf der Anlage. 1995 verstärkten Goni und Dzomba aus dem afrikanischen Krüger Nationalpark die Gruppe. Beide verließen den Zoo zur Zucht, Kira starb im September 2004. Für Sara begann dann die Zeit in einer „Senioren-WG“ mit der fast gleichaltrigen Elefantenkuh Bibi aus Nürnberg.

Seit Bibis Tod im April 2009 lebte Sara allein auf der Anlage. Sara arrangierte sich gut mit ihrer Situation, wurde liebevoll umsorgt und durch ihre Tierpfleger viel beschäftigt. Auf weitere Versuche, ihr eine Artgenossin zur Seite zu stellen, wurde aufgrund ihres hohen Alters und dominanten Charakters verzichtet.  Seit 2010 wurde die Wild-WG durch die Kamerunschafe belebt, die gut mit Sara harmonierten und sie auf Trab hielten.

„Gesundheitlich zeigten sich bei Sara vermehrt die Spuren ihres Alters, beispielsweise ihre Steifheit in den Gelenken infolge einer fortgeschrittenen Arthrose“, erklärte Kuratorin Antje Zimmermann. In den letzten Monaten hat sich dann aber der gesamte Zustand deutlich verschlechtert. Sara litt an einer infektiösen Weichteilschwellung im Bereich der rechten Schulter und an einem Gesäugetumor. Zuletzt nahm Sara kaum noch Futter auf, zeigte ein stark eingeschränktes Allgemeinbefinden und zunehmend Standschwierigkeiten. „Ein weiterer Leidensweg war ihr aus der Sicht des Tierarztes, der Tierpfleger und der Zooleitung nicht mehr zuzumuten“, so die Kuratorin.

Eine Ära geht im Zoo Rostock zu Ende
Bereits mit dem Bau des DARWINEUM ist beschlossen worden, die Elefantenhaltung nach der Ära Sara auslaufen zu lassen. „Auch das war eine schwere Entscheidung, die sich keiner der Beteiligten leicht gemacht hat. Sie wurde aber in enger Abstimmung mit dem Koordinator für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Elefanten getroffen“, sagte Zoodirektor Nagel. „Die Auflagen der europäischen Haltungsrichtlinien für ein Elefantencamp sind im Interesse der Tiere zu Recht sehr hoch gesetzt. Die enormen Investitionen in Millionenhöhe könnten der Zoo Rostock und die Hansestadt derzeit Zeit nicht leisten. Das zwingt uns leider, Prioritäten zu setzen. Mit der Tropenhalle für unsere Menschenaffen und der geplanten Modernisierung der Eisbärenanlagen für unser Wappentier haben wir die Weichen für eine tragfähige und finanzierbare Zukunft gestellt.“

Über die künftige Nutzung der Elefantenanlage wird nun in Ruhe und im Kontext mit der Gesamtentwicklung des Zoos entschieden. Spätestens im Frühjahr soll die Anlage nach einer Umgestaltung mit neuen Tieren eröffnet werden. Zoodirektor Udo Nagel dankte allen Tierpaten von Sara für die langjährige Unterstützung.

Quelle: Zoo Rostock

Sara im Oktober 2013

Schlagwörter: Elefant (5)Zoo Rostock (240)

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1 Kommentar

  • Pauler sagt:

    In den meisten Quellen liegt die durchschnittlichen Lebenserwartung frei lebender afrikanischer Elefanten bei ungefähr 70 Jahren – da sind 51 Jahre nicht besonders viel …

    Allerdings beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von in Gefangenschaft lebenden Zoo-Exemplaren jedoch weniger als 20 Jahre. Arbeitstiere leben im Schnitt um die 40 Jahre …

    Soviel zur Relation … da können sich 51 Jahre für ein Leben im Zoo durchaus noch sehen lassen und auch, wenn man an die Lebenserwartung der in freier Wildbahn lebenden Tiere wohl niemals herankommt, so verstehe ich nicht, warum ausgerechnet der Rostocker Zoo nicht weitermacht … Die hier lebenden Elefanten machten auf mich jedenfalls immer einen sehr zufriedenen Eindruck und dieses Alter untermauert angesichts der Statistiken meinen bisherigen Eindruck … zudem es sich um ein Weibchen handelt, die noch stärker von den Schwankungen der Lebenserwartung betroffen zu sein scheinen …

    Glückwunsch, Bedauern und Beileid zugleich …

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/lebenserwartung-elefanten-in-zoos-sterben-frueher-a-596051.html

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