Schwerer Abschied von Eisbär „Old Churchill“ im Zoo Rostock

Eisbär Churchill wurde am Samstag von seinen Leiden erlöst, Eisbärin Vilma kehrte in den Rostocker Zoo zurück

28. Oktober 2013
Eisbär Churchill wird im Rostocker Zoo fehlen, Foto: Joachim Kloock
Eisbär Churchill wird im Rostocker Zoo fehlen, Foto: Joachim Kloock

Er war ein Rostocker und viele Kinder sind mit ihm aufgewachsen. Eisbär Churchill lebt nicht mehr. Am Sonnabend wurde er von seinen Leiden erlöst. „Für viele Stammgäste und vor allem für unsere Tierpfleger ist das ein sehr schwerer Abschied“, sagte Zoodirektor Udo Nagel. Der fast 34 Jahre alte Eisbär hat das Gesicht des Rostocker Zoos geprägt. Rückkehrerin Vilma, eine der Töchter von Churchill, wird in Kürze wieder auf der Eisbärenanlage zu sehen sein.

Churchill wurde am 28. November 1979 im Rostocker Zoo geboren und lebte nach einem zweijährigen Aufenthalt im schwedischen Kolmarden ununterbrochen in Rostock. Seine Eltern waren Salka aus dem Moskauer Zoo und Olaf, ein Wildfang und Stammvater der Rostocker Eisbären. Zusammen mit Eisbärin Vienna sorgte er für sechsfachen Nachwuchs. Mit der Geburt von Victoria 1996 wurden zehn geburtenlose Jahre im Rostocker Zoo beendet. 1998 folgte Victor, 2000 Vitus und 2002 Vilma. Einer Sensation gleich kamen dann im Jahr 2004 die Zwillinge Venus und Valeska zur Welt.

Seit mehreren Wochen hat sich der Gesundheitszustand von Churchill nochmal erheblich verschlechtert, es traten altersbedingt verstärkt Störungen des Bewegungsapparates auf und er konnte kaum noch laufen. Insgesamt wurde das Allgemeinbefinden dadurch stark beeinträchtigt. Der Liebling der Besucher hatte schon seit einigen Jahren seinen geschützten „Altersruhesitz“ allein auf der Mutter-Kind-Anlage.

„Eisbären werden in der Natur ca. 25 bis 30 Jahre alt“, sagte Kuratorin Antje Zimmermann. „Innerhalb des europäischen Erhaltungszuchtprogrammes war Churchill einer der ältesten Eisbärenmänner. Churchill hat maßgeblich zu den Erfolgen in der Eisbärenzucht des Rostocker Zoos beigetragen, die in Zukunft mit Eisbär Lars fortgesetzt werden sollen.“ Der Rostocker Zoo führt seit 1980 das Internationale Eisbärenzuchtbuch und arbeitet in der Bear-Taxonomic Advisory Group, einer Arbeitsgruppe zu Fragen der Bärenhaltung, im Europäischen Verband Zoologischer Gärten mit. Der Eisbär ist auch das Wappentier des Rostocker Zoos.

Eisbärin Vilma ist wieder Zuhause

Anori und Vilma 2012: Vilma kehrt zum zweiten Mal nach Rostock zurück und soll hier für neues Leben auf der Anlage sorgen, Foto: Zoo Wuppertal/Barbara Scheer
Anori und Vilma 2012: Vilma kehrt zum zweiten Mal nach Rostock zurück und soll hier für neues Leben auf der Anlage sorgen, Foto: Zoo Wuppertal/Barbara Scheer

Trotz der Trauer um Churchill gibt es aber auch Freude und Hoffnung auf neuen Nachwuchs auf der Bärenburg. Die Eisbärin Vilma kehrte am 24. Oktober 2013 nach Rostock zurück. Geboren am 3. Dezember 2002, war Vilma das 32. Jungtier, das seit 1963 im Rostocker Zoo aufgezogen wurde. Sie gewöhnt sich momentan hinter den Kulissen an ihr neues altes Zuhause und wird vermutlich schon in den nächsten Tagen das erste Mal auf der Bärenburg zu sehen sein.
Von Oktober 2004 bis Februar 2008 lebte Vilma im Tiergarten Nürnberg, kam dann für ein Jahr zurück nach Rostock und wechselte anschließend 2009 nach Wuppertal. In enger Zusammenarbeit mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm wurde entschieden, einen Tiertausch vorzunehmen, um die Nachzucht zu ermöglichen. So kam am 4. Januar 2012 im Zoo Wuppertal ihr Eisbärenmädchen Anori zur Welt, der Vater ist Lars. In Rostock sind Lars und Vilma nun wieder vereint. „Mit etwas Glück gibt es vielleicht 2014 den zweiten Nachwuchs dieses Paares“, hofft die Kuratorin.

Gegenwärtig leben drei Eisbären im Rostocker Zoo. Neben Vilma und Lars können die Zoobesucher auch noch Vienna beobachten, die langjährige Partnerin von Churchill und Mutter seiner sechs Kinder Victoria (1996), Victor (1998), Vitus (2000), Vilma (2002), sowie Venus und Valeska (2004). Eisbärenaufzuchten gelingen in zoologischen Gärten weltweit nur relativ selten und unregelmäßig. Eisbärin Vienna selbst stammt aus dem Zoo Wien, wurde 1988 geboren und lebt seit 1990 in der Hansestadt. Lars, der Eisbärenmann im Trio, wurde 1993 im Zoo München geboren und ist seit Mai 2012 in Rostock.

Der Rostocker Zoo hat inzwischen die Spendenaktion „Taler mehren für die Bären“ ins Leben gerufen, um den Grundstein für eine moderne Eisbärenanlage zu legen.

Quelle: Zoo Rostock, Foto 1: Joachim Kloock, Foto 2: Zoo Wuppertal/Barbara Scheer

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3 Kommentare

  • Theo sagt:

    Ich denke es gibt Tiere, die durchaus in Zoos gehalten werden könne und vor allem dürfen. Kleintiere bspw. … aber gerade bei Tieren, die eine große Bewegungsfreiheit und ein bestimmtes Lebensklima benötigen, ist und bleibt auch oder gerade der Aufenthalt und die Zucht in Zoos vom Tierschutzaspekt einfach untragbar. Bei Eisbären ist das der Fall und es ist richtig: der Bär wurde von seinem Leid befreit … das nämlich 34 Jahre lang dauerte!

  • Besucherin sagt:

    Ich kann mich da nur anschließen. War im Sommer im Zoo und fand den Anblick der Eisbären sehr traurig. Die Anlage ist viel zu klein und lieblos ohne Beschäftigungsmöglichkeiten etc. aufgebaut.

  • Besucher sagt:

    Theo: Ich glaube nicht, dass du diesen Bären in den letzten Jahren überhaupt nicht gesehen hast. Denn dann würdest du nicht schreiben, das er nach 34 Jahren von seinem Leid erlöst wurde. Übrigens ist 34 Jahre für einen Eisbären ein überaus hohes Alter.

    Besucherin: Hast du dich mit dem Zoo vertan?? Wo ist denn die Anlage lieblos? Hast du den Sand, die Baumstämme und das Spielzeug nicht gesehen??

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