Plötzlicher Herztod: Rostock fällt um

Mit einem Flashmob im Rahmen der Wiederbelebungswoche wollen Mediziner auf die Bedeutung von Erste-Hilfe-Maßnahmen durch Laien aufmerksam machen

15. September 2013, von
Flashmob
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Was würdest du tun, wenn neben dir einer umfällt? Erste Hilfe leisten na klar, aber wie? Du könntest ja was falsch machen. Doch „schlimmer als tot geht nicht“, meint Dr. Gernot Rücker, Leiter der Rostocker Simulationsanlage und des Notfallausbildungszentrums. Sein Ziel: die Wiederbelebungsrate bei plötzlichem Herztod durch sofortige Hilfsmaßnahmen von am Unfallort anwesenden Laien zu erhöhen.

„Alles ist besser als der Tod“, unterstreicht der Notfallmediziner eindringlich. Mit einer unverzüglichen Herzdruckmassage kann jeder Leben retten. Auf den Rettungsdienst zu warten, dauert zu lange. Denn mit jeder verstreichenden Minute sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Wenn der Pieper ertönt und einen Notruf in Schmarl meldet, sind acht Minuten nichts, die Einsatzkräfte schlüpfen in ihre Jacken, fahren zum Einsatzort, stehen vor der Tür mit 200 Klingelschildern, müssen die richtige Wohnungstür finden. Trotz aller modernsten Technik könne auch der Rettungsdienst diese wertvolle Zeit nicht aufholen. Nach zehn Minuten ohne Maßnahmen gilt der Kampf ums Überleben als aussichtslos. „Egal wie hoch wir rüsten, wir kriegen es nicht hin“, sagt Gernot Rücker.

Man geht davon aus, dass 5000 Menschen jährlich durch unterlassene Reanimationsversuche sterben, so viele wie auf einem Kreuzfahrtschiff mitfahren. Doppelt so viel wie bei Verkehrsunfällen. „Wenn so viele bei Flugzeugabstürzen betroffen wären, wär kein Flieger mehr in der Luft“, vergleicht der Arzt die Relationen.

Bei 15 Prozent liegt die Laienwiederbelebungsquote in Deutschland. Das ist eine der niedrigsten in der westlichen Welt, im Gegensatz zu Skandinavien mit über 60 Prozent. „In Rostock klappt’s mit 19 Prozent einigermaßen“, sagt Gernot Rücker und sieht das Land Mecklenburg-Vorpommern als deutschlandweiten Vorreiter, hat es doch als bisher einziges Bundesland die Ausbildung in Erste-Hilfe-Maßnahmen im Schulunterricht verankert. 35.000 Schüler wurden so schon mit Wiederbelebungsmethoden vertraut gemacht. Vor der Pubertät damit anzufangen, das sei sehr wichtig, meint der Mediziner. So könne am besten einer wichtigen Ursache für das zögerliche Verhalten begegnet werden: den Ekel vor Körperflüssigkeiten und einem fremden Körper zu überwinden. Jeder fünfte einer Befragung gab dies als Grund an, sich lieber zurückzuhalten.

Derzeit forscht die Universität Rostock intensiv in diesem Bereich. Mit einem Flashmob wollen die Notfallmediziner am Montagnachmittag im Einkaufszentrum KTC auf die Bedeutung der Erste Hilfe aufmerksam machen. Um 17 Uhr sollen sich dafür möglichst viele Anwesende auf ein Nebelhornsignal für drei Minuten auf den Boden legen.

Schon letztes Jahr sorgte die Initiative für Aufregung. Als sich plötzlich 1000 Medizinstudenten auf den Boden legten, glaubte eine Verkäuferin an eine Schießerei und legte sich dazu, erzählt der Initiator Gernot Rücker. In diesem Jahr hat die Aktion im Rahmen der bundesweiten Wiederbelebungswoche spontane Nachahmer in Aachen, Münster, Dresden und Köln gefunden, die die Rostocker Idee aufgriffen.

Begleitend werden vom 16.-21.09.2013 fünf Tage lang im KTC Wiederbelebungsschulungen von Passanten durchgeführt.

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