Forschungsplattform am künstlichen Riff von Nienhagen

Unterwasserbeobachtung und Untersuchung von Bewuchs und Fischvorkommen in der Ostsee

24. September 2010, von
Forschungsplattform im Riff vor Nienhagen
Forschungsplattform im Riff vor Nienhagen

Ein Tummelplatz für Fische und andere Ostseebewohner ist ungefähr 1,5 km vor der Küste Nienhagens entstanden. Im Jahre 2003 wurde hier mit Betonelementen und Naturstein ein künstliches Riff errichtet, das zusätzliche Bewuchsflächen und Unterschlupfmöglichkeiten bietet. Mit einer Fläche von etwa 50.000 qm ist es das größte in der Ostsee.

Seither hat sich hier eine einzigartige Unterwasserlandschaft entwickelt. Hauptbesiedler sind Miesmuscheln und Seepocken. Zwischen ihren Schalen und Kalkgehäuse leben zahlreiche Arten wirbelloser Tiere.

Fischfang im künstlichen Riff vor Nienhagen
Fischfang im künstlichen Riff vor Nienhagen

Die Hauptfischart am Riff ist der Dorsch, der auch einen besonderen Forschungsschwerpunkt bei der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes bildet. Denn unter der Federführung des Landesforschungsamtes für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) und der Beteiligung von weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen, wie der Universitäten in Rostock und Kiel, finden hier mehrere Forschungsprojekte statt. Diese beschäftigen sich neben den fischereibiologischen Untersuchungen zum Dorsch auch mit Bewuchsuntersuchungen, strömungstechnischen Analysen und Untersuchungen zur Rotalge.

Till Backhaus auf der Forschungsplattform
Till Backhaus auf der Forschungsplattform

Hauptziel der Forschungsarbeit am künstlichen Riff ist es, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Fischbestände stabilisiert werden können. Denn trotz Fangquoten und anderen Schutzmaßnahmen gehen die Fischressourcen zurück. „Es geht letztendlich auf der einen Seite darum, die kleine angepasste Küstenfischerei auf solide Beine zu stellen und auf der anderen, die Artenvielfalt zu fördern“, erklärt Till Backhaus, Landwirtschafts- und Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern.

Die Santa Maria zwischen Forschungsplattform und Nienhagen
Die Santa Maria zwischen Forschungsplattform und Nienhagen

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sollen daher sowohl dem Schutz der Ostsee dienen, als auch wirtschaftlich nutzbar gemacht werden. So werden beispielsweise am Riff Möglichkeiten der industriellen Aufzucht (Aquakultur) der Rotalge erforscht. Sie gilt als vielversprechender Rohstofflieferant für verschiedene medizinische und kosmetische Produkte sowie als Nahrungsergänzungsmittel und soll als eine zusätzliche Erwerbsquelle für die Fischerei entwickelt wird.

Forschungsplattform im Riff vor Nienhagen
Forschungsplattform im Riff vor Nienhagen

Auch für Touristen soll das künstliche Riff vor dem Ostseebad Nienhagen attraktiv gestaltet werden.

Heute wurde aber erst einmal eine neue Forschungsplattform in Betrieb genommen, die es möglich machen soll die Untersuchungsergebnisse direkt vor Ort und ohne Zeitverzögerung auszuwerten. Sie wurde mitten im Riff auf drei Pfählen platziert. In sieben Meter Höhe bietet sie eine Arbeitsfläche von 40 qm. Wind und Sonne versorgen die Forschungsstation mit Strom. Drei Unterwasserkameras und eine Überwasserkamera zeichnen das Geschehen am Riff auf. Die Bilder werden dann über Kabel nach oben ins Labor und von dort aus über WLAN zum Festland gesendet. Weltweit sollen sie auch im Internet zur Verfügung stehen.

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