Freiwillige Feuerwehren beenden ihren Streik

Die vier in Ausstand getretenen Freiwilligen Feuerwehren in Rostock sind seit Freitag wieder im Dienst, doch Vieles bleibt noch zu klären

1. September 2013, von
Steffen Grafe, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes Rostock, und Holger Matthäus, Umweltsenator und derzeit amtierendes Stadtoberhaupt
Steffen Grafe, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes Rostock, und Holger Matthäus, Umweltsenator und derzeit amtierendes Stadtoberhaupt

Nach knapp zwei Wochen Ausstand haben die Freiwilligen Feuerwehren der Hansestadt Rostock am Freitag wieder ihren Dienst aufgenommen. Steffen Grafe, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes Rostock, und Holger Matthäus, Umweltsenator und derzeit amtierendes Stadtoberhaupt, traten geschlossen vor die Presse, um gemeinsam über den „neuen Stand“ zu informieren.

Auslöser für den Ausstand von rund 100 ehrenamtlichen Brandschützern, der zur Abmeldung von vier der fünf Freiwilligen Feuerwehren in Rostock führte, waren Durchsuchungen der Polizei in zwei Wachen – Ausspähung sensibler Daten lautet der Vorwurf, die Anzeige ging von der Stadtverwaltung aus.

Die Untersuchungen bzgl. des Datenmissbrauchs sollen unabhängig von den Problemen zwischen Freiwilliger Feuerwehr und Stadtverwaltung behandelt werden, sind sich beide Seiten einig. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen übernommen.

Doch die Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss waren nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die Kameraden in ihrem Gefühl bestärkte, als ehrenamtliche Mitglieder nicht ernst genommen zu werden, so Grafe, der besonders das Verhalten des Brandschutz- und Rettungsamtes kritisiert, das vorab nicht mit den Wehrführern gesprochen hat.

18 Punkte umfasst eine Forderungsliste der Freiwilligen Feuerwehren – Senator Matthäus fühlte sich von dieser „erpresst“. Doch davon könne keine Rede sein, erklärt Oberbrandmeister Thomas Ebeling, 1. Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Klein: „Frau Dr. Liane Melzer als Senatorin hat eindringlich darum gebeten, dass es diese Liste gibt.“

Größtenteils ständen nur „Wünsche und Forderungen darauf, die seit Jahren bestehen und immer wieder heruntergespielt wurden“, ergänzt Uwe Eberhardt, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Stadt-Mitte. Unzählige Wehrführerversammlungen der letzten Jahre seien ohne Ergebnis geblieben.

Zumindest der erste Punkt des Positionspapiers ist erfüllt. Holger Matthäus hat sich am Freitag noch einmal persönlich und öffentlich dafür entschuldigt, dass mit den Durchsuchungen der Eindruck entstanden sei, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren würden unter Generalverdacht gestellt. „Ich finde, dass diese Menschen unverzichtbar für eine Stadtgesellschaft sind“, lobte der Senator das Engagement der Freiwilligen.

Doch die Liste der Forderungen ist lang: Zuwegungen, marode Gebäude, veraltete Fahrzeuge, mangelnde Schutzkleidung. In gemeinsamen Gesprächen sollen diese in den nächsten Wochen sukzessive abgearbeitet werden. Vor allem aber das Zwischenmenschliche, das Gefühl vom Brandschutz- und Rettungsamt nicht ernst genommen zu werden, kränkt und verärgert die Ehrenämtler. „In Warnemünde passiert ein Verkehrsunfall, 600 Meter daneben steht eine Feuerwehr, der Disponent schickt eine Rostocker Feuerwehr“, beklagt Jens Michael, Wehrführer im Ostseebad. „Wenn bestimmte Leute dort sitzen, passiert das regelmäßig. Feuerwehren werden bewusst zurückgehalten“, lautet sein Vorwurf.

In der Schusslinie der Freiwilligen Feuerwehren steht aufseiten der Berufsfeuerwehr besonders der Personalratsvorsitzende des Brandschutz- und Rettungsamtes Steffen Sieratzki, der „massiv Öl ins Feuer gießt“, so Ebeling. Sieratzki meldete sich heute über die BTB-MV erneut mit einem Offenen Brief zu Wort.

„Ich würde mir wünschen, dass die Abteilungsleiter und Stabsmitarbeiter einschließlich der Amtsleitung an einem gemeinsamen Strang ziehen“, blickt Ebeling verhalten hoffnungsvoll in die Zukunft, vor allem, wenn endlich die Posse zum Thema Amtsleiter-Besetzung ein Ende hat und es wieder einen festen Ansprechpartner für die freiwilligen Helfer gibt. „Ob das mit dem Personalrat noch funktioniert, weiß ich nicht.“

Vorläufig ist Ruhe eingekehrt im Streit zwischen den Freiwilligen Feuerwehren und der Hansestadt. Ob es die Ruhe nach oder vor dem Sturm ist, wird die Zukunft zeigen.

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2 Kommentare

  • Bürger Rostocks sagt:

    Aus dem offenen Brief von Herrn S. Sieratzki kann ich nur den einen Schluss ziehen: Einige Personen im Brandschutz- und Rettungsamt sowie in der BerufsFeuerwehr Rostock (namentlich zumindest wohl Herr Sieratzki) haben offensichtlich kein Interesse (möglicherweise aus gutem Grund?!) an der Aufarbeitung der Probleme, die in Summe überhaupt erst zur Eskalation der Situation am 19.08. geführt haben. Dass die Mitarbeiter des Amtes nun aufgerufen werden sollen vermeintliche „nicht zu akzeptierende Umgangsformen“ sofort den Vorgesetzten weiterzuleiten, ist eine groteske Retourkutsche, wenn man bedenkt, dass im 18 Punkte Papier der FF Rostock der fachliche aber grade auch der persönliche Umgang mit den Freiwilligen, durch das Amt und die BF bemängelt wurden. Der Umstand, dass der Frieden u.U. auf tönernen Füßen steht, scheint wohl zu einem nicht unerheblichen Teil daran zu liegen, dass einige Kräfte innerhalb des Amtes entweder nicht fähig oder nicht gewillt sind im Umgang mit NICHT verbeamteten Helfern gedeihlich zusammen zu arbeiten und das geht offensichtlich schon lange so. Ich bin zwar davon überzeugt, dass die Meinung von Herrn Sieratzki zum aller größten Teil eine Einzelmeinung ist und er sich in dieser Situation vorallem als reger Gewerkschaftsfunktionär positionieren will, andererseits frage ich mich, ob es sie die BF und die Stadt im ganzen Leisten kann solche Personen in ihren Reihen bzw. auch noch als Interessenvertreter schalten und walten zu lassen. Dem „einfachen“ Feuerwehrmann kann ich nur ans Herz legen darauf zu schauen, was die Verhandlungspartner, unter ihnen auch der amtierende Dienstherr(!!), tatsächlich vereinbart haben und umsetzen werden und nicht den Hetzern aus Presse, Gewerkschaft oder der letzten Bank hinterher zu laufen.

  • Kampfschmuser sagt:

    Das Problem, liegt doch viel tiefer. Die (Berufs-)Feuerwehr hat zu wenig zu tun. Die Prävention trägt Früchte, die Sicherheit in allen Lebensreichen ist meist optimal und der Brandschutz generell wird immer besser.

    Früher wurden Feuer gelöscht, mehrfach, immer wieder und heute?
    Heute ist man froh, wenn man am Unfallort ein wenig Benzin binden und ein paar Plastikteile zusammen fegen kann.

    Der Berufsfeuerwehr sind seitens der wenigen Arbeit und der Qualität die Freiwlligen ein Dorn im Auge. Deshalb ruft man die Berufsfeuerwehr, obwohl die Freiwillige Feuerwehr viel näher dran ist. Verdrängungswettbewerb.

    Nicht umsonst sucht man den Brandstifter erst mal unter den Feuerwehrleuten. Dabei kann der gar nichts dafür. Der will nur für Arbeit sorgen… ;)

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