Der Stadtfeuerwehrverband zieht Bilanz

Freiwillige Feuerwehr kämpft gegen Nachwuchsprobleme und mangelnde technische Ausrüstung

13. März 2013, von
Feuerwehreinsatz nach einem Buttersäurealarm am Uni Platz (Archivfoto)
Feuerwehreinsatz nach einem Buttersäurealarm am Uni Platz (Archivfoto)

2300 Mal ist die Feuerwehr im letzten Jahr in Rostock zu Einsätzen ausgerückt. Neben der Berufsfeuerwehr war die Freiwillige Feuerwehr an 690 Einsätzen beteiligt, so die Bilanz des Stadtfeuerwehrverbandes in Rostock. Mit 400 Fällen den größten Anteil daran haben Brände. Aber auch zu ABC-Einsätzen, zur technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, nach Unwettern oder zur Wasserrettung auf Warnow und Ostsee wurde die Freiwillige Feuerwehr alarmiert.

2000 Einsatzstunden sind dabei zusammengekommen. Hinzu kommen etwa 800 Ausbildungsstunden plus spezielle Lehrgänge. Stadtwehrführer Steffen Grafe spricht von einer großen Belastung für die 212 aktiven Ehrenamtlichen. Inzwischen habe sich zwar die Zahl der Mitglieder, die vor fünf Jahren noch bei 250 lag, stabilisiert, aber sie sei nicht ausreichend.

Steffen Grafe
Steffen Grafe

„Wir brauchen dringend Nachwuchs in unseren Reihen“, sagt der Vorsitzende des Stadtwehrverbandes, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr bekannter zu machen. „Ein Teil der Bevölkerung weiß einfach nicht, dass neben der Berufsfeuerwehr auch noch eine Freiwillige Feuerwehr existiert, die gleichberechtigt größere Einsätze gemeinsam bewältigen und den Brand- und Katastrophenschutz sicherstellen.“

Insgesamt fünf Freiwillige Feuerwehren gibt es im Rostocker Stadtgebiet. Jede hat ihre eigene Jugendabteilung, zu der durchschnittlich zwölf Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren gehören. „Für die Ausbildung sind jedoch 20 bis 25 Mitglieder nötig, damit wir den Stand der aktiven Kameraden auf Dauer halten können“, erklärt der stellvertretende Jugendwart Olaf Bielicke.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist ein neues Pilotprojekt in der Rostocker Heide, das bereits Kinder ab sechs Jahren im Rahmen der Brandschutzerziehung in die Feuerwehr aufnimmt. Möglich machte dies die Novellierung des Brandschutzgesetzes vor zwei Jahren.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Rostocker Feuerwehrleute mit dem in einem Eckpunktepapier des Innenministers vorgeschlagenen Konzept, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des öffentlichen Dienstes zu gewinnen. „Wir haben gute Erfahrungen im Innenstadtbereich mit Mitarbeitern der Uni, die allerdings größtenteils schon zu Studienzeiten Mitglieder der Feuerwehr waren“, berichtet Steffen Grafe, der nach wie vor trotz gesetzlichen Anspruchs in der Freistellung durch die Arbeitgeber ein großes Problem sieht.

Feuerwehreinsatz nach einem Hochwasser am Strand von Warnemünde (Archivfoto)
Feuerwehreinsatz nach einem Hochwasser am Strand von Warnemünde (Archivfoto)

Bedenken äußert auch die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Liane Melzer: „Die Aufgaben haben sich in den letzten Jahren so verdichtet, dass es schwer für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.“ Der hohe Altersdurchschnitt sei ebenfalls eher ungünstig.

„Der Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe“, betont Grafe die Besonderheit des ältesten Ehrenamts und die Folgen, wenn sich ein Mitglied aus Unlust dieser Pflicht entzieht. Durchschnittlich 200 bis 250 Stunden im Jahr wendet ein Mitglied dafür auf. Um diesen Einsatz zu würdigen, hofft er, dass das Land Rahmenbedingungen für die Einführung einer pauschalen Aufwandsentschädigung, dem sogenannten „Stiefelgeld“, schafft.

Nicht nur beim Personal, auch bei der Technik drückt der Freiwilligen Feuerwehr der Schuh. Neben sanierungsbedürftigen Gerätehäusern und mangelnder Schutzbekleidung müsste vor allem der Fuhrpark auf einen aktuellen Stand gebracht werden. „Ein Großteil der Fahrzeuge ist älter als 15, teilweise sogar älter als 20 Jahre“, stellt Steffen Grafe fest. Damit jährlich ein bis zwei Löschfahrzeuge der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren durch moderne ersetzt werden können, seien 2,5 Millionen Euro nötig.

Doch auch Positives hat die Freiwillige Feuerwehr zu verkünden. Seit der Wahl einer neuen Führungsspitze im Januar 2012 sei neuer Schwung in die Arbeit gekommen, ein Brandschutzbeirat gegründet, ein Perspektivplan erstellt und Digital-Funk eingeführt worden, womit Rostock Vorreiter im Land ist.

Auch die Einführung der Brandmelder begrüßen die Kameraden. „Natürlich haben wir dadurch mehr Einsätze und auch eine relativ hohe Fehlquote“, berichtet der kommissarische Leiter des Brandschutz- und Rettungsamtes Uwe Walter. Die Wohnungsgenossenschaften hätten aber bestätigt, dass der Sachschaden erheblich gesunken sei.

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