Rostocker Hafenwirtschaft: Mehr Umsatz und Arbeitsplätze

Etwa 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftete die Rostocker Hafenwirtschaft 2019, knapp 20.000 Arbeitsplätze hängen von ihr ab – Corona hat nur geringe Auswirkungen

15. Dezember 2020, von
Rostocker Hafenwirtschaft: Mehr Umsatz und Arbeitsplätze (Foto: Archiv)
Rostocker Hafenwirtschaft: Mehr Umsatz und Arbeitsplätze (Foto: Archiv)

Rund 4,4 Milliarden Euro erwirtschafteten die Unternehmen in den Rostocker Häfen 2019, fast 20.000 Arbeitsplätze hängen davon ab. Das ergibt sich aus einer neuen Studie, die Jens Aurel Scharner und Gernot Tesch als Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rostock Port am Montag in einer Videokonferenz vorstellten. Insgesamt sei das Geschäftsmodell der Rostocker Hafenwirtschaft von der Corona-Pandemie nur gering betroffen, hieß es.

Arbeitsplätze seit 2005 nahezu verdoppelt

Im Vergleich zu 2005 (5.697) hat sich die der Zahl der direkten Arbeitsplätze im Jahr 2019 (10.809) fast verdoppelt. Im Schnitt wurde in den letzten 14 Jahren pro Tag ein neuer Arbeitsplatz geschaffen, so Scharner. Von der letzten Erhebung im Jahr 2013 (9.595) bis 2019 war der Anstieg mit gut zwölf Prozent allerdings nicht mehr so stark. Die Ursache sieht der Rostock-Port-Chef darin, „dass die Ansiedelungspotenziale im Hafen nicht mehr in unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen“. „Wir müssen insbesondere bei der Flächenbevorratung schneller und besser werden, um weiter den Wachstumsgrad aufrecht zu erhalten“, ergänzt Tesch.

Für die Zukunft rechnet Tesch weiter mit neuen Jobs. So könnte das Logistikunternehmen Autolink Germany, das als neuer RoRo-Terminalbetreiber Autos über den Seehafen Rostock nach Nord- und Osteuropa exportieren will, eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen schaffen. Auch der Bau eines LNG-Terminals ist weiter im Gespräch.

Dr. Gernot Tesch (links) und Jens Aurel Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port (Foto: Archiv)
Dr. Gernot Tesch (links) und Jens Aurel Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port (Foto: Archiv)

4,4 Mrd. Euro Umsatz in der Region

Bei 2,872 Milliarden Euro lag der direkte Umsatz der Rostocker Hafenwirtschaft im Jahr 2019. Dabei entfällt der größte Anteil mit über zwei Mrd. Euro inzwischen längst auf das verarbeitende Gewerbe, wozu große Industriebetriebe wie Liebherr, EEW Special Pipe Constructions und Power Oil zählen.

Mit knapp 500 Mio. Euro Umsatz bilden die klassischen Standbeine Verkehr und Logistik den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig. Prozentual gibt es in diesem Bereich mit 3.313 Beschäftigten jedoch die meisten Arbeitsplätze.

Rechnet man die indirekten und induzierten Effekte – etwa durch Transportunternehmen und Baubetriebe, aber auch durch die Ausgaben von Beschäftigen und Passagieren – mit, ergibt sich für das Jahr 2019 ein Umsatz von 4.404 Mio. Euro, eine Wertschöpfung von 1.623 Mio. Euro und eine Beschäftigtenzahl von 19.650 in der Region.

Überregionale Effekte von Bayern bis Italien

Erstmals wurde in der Studie nach einer festgelegten Bundesmethode erfasst, welche Beschäftigungseffekte sich in anderen Bundesländern sowie im Ausland ergeben. Darunter fallen Speditionen, Industriestandorte in Schwedt oder Leuna, die über Pipelines mit dem Rostocker Hafen verbunden sind, aber auch europäische Druckereien, die auf den Import von finnischem Papier angewiesen sind, erläutert Tesch.

„Wenn man diese Bundesstatistik nimmt, ergeben sich extrem beeindruckende Zahlen“, so Tesch. Es kommen noch einmal rund 6.000 direkte und 57.000 gesicherte Arbeitsplätze dazu. Allein in Bayern sind es etwa 5.500. Der größte Teil liegt mit 60 Prozent im Ausland, vor allem in Italien und Tschechien.

Geschäftsmodell von der Corona-Pandemie nur gering betroffen

Einzelne Bereiche wurden von der Corona-Pandemie „dramatisch“ getroffen, erklärt Scharner. Die Fährpassagiere gingen deutlich zurück und statt der geplanten 207 Kreuzfahrtschiffanläufe machte 2019 lediglich ein Schiff mit Passagieren in Warnemünde fest. Der Frachtverkehr ist jedoch kaum betroffen, das Geschäftsmodell des Universalhafens zahle sich aus, sagt der Rostock-Port-Chef. Die Umschlagsergebnisse sollen auf der Bilanzpressekonferenz Mitte Januar präsentiert werden.

Das Kerngeschäft von Rostock Port müsse jedoch von der gesamten Hafenwirtschaft getrennt werden. Eine Momentaufnahme aus dem Sommer lasse dort für 2020 Corona-bedingt nur einen leichten Beschäftigungsrückgang von zwei Prozent und einen Umsatzrückgang von vier Prozent erwarten, so Scharner. Insbesondere bei den Industriebetrieben an der Hafenkante seien die Zukunftsaussichten weiterhin positiv.

Steuerliche Effekte und Investitionen

Knapp 366 Mio. Euro Steuereinnahmen spülte die Rostocker Hafenwirtschaft 2019 in die Kassen von Bund, Land und Region. Auf diesen Wert summiert sich das Steueraufkommen der direkt hafenaffinen Wirtschaft und der indirekt abhängigen Zulieferer. Etwa 55 Millionen Euro flossen davon in die Stadtkasse.

Zwischen 20 und 30 Millionen Euro werden jährlich in die Infrastruktur des Rostocker Hafens investiert, so Scharner. Seit 1990 flossen rund 355 Millionen Euro Fördermittel, unter anderem in den Neu- und Ausbau von Liegeplätzen und die Erschließung maritimer Gewerbegebiete.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag von Rostock Port durch die Gutachterunternehmen Ramböll Deutschland aus Rostock, das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik aus Bremen und ETR, Economic Trends Research aus Hamburg. Mehr als 500 Hafenbetriebe, Behörden und von der Rostocker Hafenwirtschaft abhängige Unternehmen wurden befragt.

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