Schiff Ahoi! Die Hanse Sail 2013 ist eröffnet

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nahm zur Eröffnung des maritimen Volksfestes Unterschriften für den Erhalt von Traditionsschiffen entgegen

8. August 2013, von
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eröffnet die Hanse Sail 2013
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eröffnet die Hanse Sail 2013

Der Bundesverkehrsminister steckt im Stau – eine Steilvorlage für ironische und selbstironische Bemerkungen heute Nachmittag auf der großen NDR-Bühne im Stadthafen, wo Peter Ramsauer, in Vertretung der Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 23. Hanse Sail offiziell eröffnete.

Aber nicht der Zustand der Straßen, sondern der Schiffe brannte den Besuchern des maritimen Volksfestes auf der Seele. Einige Segler hatten sogar schwarz geflaggt und Protestbanner in die Takelage gehängt, um ihre Unzufriedenheit mit der Vergabe der Schiffssicherheitszeugnisse für Traditionsschiffe Ausdruck zu verleihen. Diese werden von der für Schiffssicherheit zuständigen Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr ausgegeben, oder auch nicht. Darin liegt die Kritik, die die Eigner schon seit einigen Jahren erheben. Die Kriterien für die Vergabe der Sicherheitszeugnisse, die es erst erlaubt mit dem Schiff zu fahren, seien willkürlich, so ihr Vorwurf. Der Bemessungsspielraum werde nicht zugunsten, sondern zulasten der Traditionsschifffahrt ausgelegt. Von ehemals über 220 seien nur noch 120 Schiffe übrig, davon 20 direkt bedroht, darunter auch der Rostocker Dreimastschoner Santa Barbara Anna, zählt Gerhard Bialek, Skipper der „Ethel von Brixham“ und Mitglied der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW), auf. Die betroffenen Schiffe seien stillgelegt, verschrottet oder ausgeflaggt worden.

Schwarze Flaggen für den Erhalt von Traditionsschiffen
Schwarze Flaggen für den Erhalt von Traditionsschiffen

„Uns ist unklar, warum die Flotte so dezimiert werden soll. Die Unfallstatistiken der Schiffe sind völlig unauffällig“, empört sich Anja Reuhl Crewmitglied der „Lovis“ aus Greifswald. Vor zwei Wochen hat der Bildungs-Logger sein Zeugnis erhalten. Im Frühjahr durfte er nicht fahren. Die Planungsunsicherheit setzte den Betreibern so zu, dass eine angekündigte Reise abgesagt wurde. „Es gibt keine Rechtssicherheit. Wir wissen nicht, woran wir sind, um eine Zulassung zu bekommen“, beklagt Thomas Schmidt vom Vorstand des Lovis-Betreibervereins.

Thomas Schmidt und Anja Reuhl auf der Lovis aus Greifswald
Thomas Schmidt und Anja Reuhl auf der Lovis aus Greifswald

Nicht nur was die Sicherheit, wie den Brandschutz betrifft, auch Zweifel an der Gemeinnützigkeit der Betreiber und der Historizität der Wasserfahrzeuge sind für die BG Verkehr Gründe die Fahrerlaubnis für die Traditionsschiffe nicht zu erteilen. Was genau eigentlich ein historisches Schiff ausmacht, das ist umstritten. Schiffseigner kritisieren, dass die BG Verkehr den Begriff der Historizität immer enger auslegt. Diese beruft sich auf eine Entscheidung des Hamburger Oberverwaltungsgerichtes von 2009 und erklärt: Es genügt „nicht, dass ein Schiff einfach nur alt ist. Vielmehr muss das Schiff insgesamt mit dem für seinen historischen Verwendungszweck charakteristischen Erscheinungsbild erhalten sein. In diesem Originalzustand sind nur sehr wenige Schiffe. Die meisten Segelschiffe haben in ihrem „früheren Leben“ ganz anders ausgesehen. Oft waren es Frachtschiffe oder Fischkutter, die von ihren jetzigen Besitzern zu Segelschiffen umgebaut worden sind.“

Peter Ramsauer nimmt Unterschriften für den Erhalt von Traditionsschiffen auf der Hanse Sail 2013 entgegen
Peter Ramsauer nimmt Unterschriften für den Erhalt von Traditionsschiffen auf der Hanse Sail 2013 entgegen

Sollte mit dieser Entscheidung der verdeckten Fahrgastschifffahrt Einhalt geboten werden, sehen sich die Traditionsschiffseigner nun ungerechtfertigt von der BG Verkehr unter Generalverdacht gestellt. Viele alte Segler werden jedoch ehrenamtlich von Vereinen betrieben, betont auch Sailchef Holger Bellgardt immer wieder. Allein bei Lovis hat man etwa 9000 freiwillige Arbeitsstunden im Jahr gezählt. „Wir wünschen uns in der Politik Menschen, die das zu schätzen wissen“, so der Appell von Thomas Schmidt. Gemeinsam mit Anja Reuhl überreichte er an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über 15.000 Unterschriften für den Erhalt von Traditionsschiffen, die in den letzten drei Monaten gesammelt wurden. Der hatte bereits Ende Juni eine Übergangsregelung beschlossen, in der die Schiffe Bestandsschutz genießen. „Damit haben wir Zeit gewonnen, um in Ruhe eine vernünftige Regelung auszuarbeiten“, sagte der bayrische Politiker, der den drei Kilogramm schweren Unterschriftenstapel entgegennahm und anschließend traditionell mit (naja fast) vier Doppelschlägen die 23. Hanse Sail für eröffnet erklärte. Noch bis zum Sonntag werden zahlreiche Traditionsschiffe unter Segel und unter Dampf die Kulisse des Stadthafens und Warnemündes bestimmen und mit Gästen zu Tagestörns und Abendfahrten auf der Ostsee aufbrechen.

Schlagwörter: Hanse Sail (146)Segelschiff (59)Stadthafen (244)Traditionsschiff (30)

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