Musical „Hello, I'm Johnny Cash” zu Gast in der Stadthalle

Gunter Gabriel erzählt die Geschichte von Countrylegende Johnny Cash

10. Oktober 2012, von

Johnny Cash ist tot, aber Gunter Gabriel lebt. Und mit ihm das Musical „Hello, I’m Johnny Cash”, in dem der siebzigjährige Westfale – Cash war nur ein Jahr älter, als er 2003 starb – die Geschichte des einzigartigen Künstlers nacherzählt. Für Gabriel nicht nur ein Job, sondern eine Berufung, schließlich verband die beiden nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch eine lange Freundschaft. Gestern gastierte das Musical in der Stadthalle Rostock.

Mit zehn Jahren bekommt Johnny Cash von seiner Mutter die erste Gitarre. Fortan entwickeln sich sein Können und auch seine Leidenschaft immer weiter. Sowohl als Soldat in Deutschland, in seiner ersten Ehe und auch in der schwierigen Zeit der Amphetaminabhängigkeit gab sie ihm immer Kraft und Halt. In Kombination mit seiner unverwechselbaren Stimme und legendären Auftritten, wie zum Beispiel im Hochsicherheitsgefängnis von San Quentin, wurde Cash so zum Star der amerikanischen Countryszene.

Die Beteiligten des Musicals „Hello, I'm Johnny Cash” in der Stadthalle Rostock
Die Beteiligten des Musicals „Hello, I'm Johnny Cash” in der Stadthalle Rostock

Das Musical zeigt Cash in allen Stationen seines bewegten Lebens. Von den ersten Plattenaufnahmen, über das Kennen- und Liebenlernen von seiner späteren Ehefrau June Carter (überzeugend gespielt von Vasiliki Roussi) bis hin zu den letzten Wochen vor seinem Tod. Passend dazu, gibt Gabriel, der in der Form seines Lebens ist, 30 Songs des „Man in Black“ zum Besten, darunter natürlich die großen Hits wie „Folsom Prison Blues“, „Ring of Fire“ oder das von Cash im Jahre 2003 gecoverte „Hurt“, das auch von Gabriel gesungen für Gänsehaut und andächtige Stille im Publikum sorgte.

Vasiliki Roussi (June Carter) und Gunter Gabriel (Johnny Cash)
Vasiliki Roussi (June Carter) und Gunter Gabriel (Johnny Cash)

Überhaupt haben sich alle getäuscht, die hier eine Klamaukveranstaltung erwartet haben. Die Berliner Theaterproduktion nimmt ihren Hauptdarsteller ernst und dieser geht in seiner Rolle auf.

Auch wenn seine Stimme nur entfernt so wie das Original klingt, stimmen doch die Gesten und Bewegungen und in Kombination mit der tollen Liveband konnte man manchmal fast vergessen, dass da kein Cowboy aus Amerika auf der Bühne steht, sondern der Hafencowboy aus Hamburg.

Gunter Gabriel bei der Autogrammstunde nach der Show in der Stadthalle
Gunter Gabriel bei der Autogrammstunde nach der Show in der Stadthalle

Dieser überzeugte die jubelnden Fans auch immer wieder mit kleinen Anspielungen. So lässt er seinen Johnny Cash sagen: „Ich gab nie auf, wie dieser komische Gunter Gabriel aus Deutschland“ oder verteilt kleine Seitenhiebe an Jenny Elvers oder Thomas Gottschalk. Spätestens als er, inzwischen wieder als Gunter Gabriel, davon erzählte, wie „so ein kleiner Cowboy an einen Tisch mit dem großen Johnny Cash“ kommt und ein begeisterter Besucher „weil du so geil bist“ rief, wusste man, dass die Leute nicht nur wegen der Hintergrundgeschichte, sondern auch wegen des Künstlers gekommen waren.

Auch bei der anschließenden Autogrammstunde zeigte sich der deutsche Musiker, der – genau wie sein Idol – auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken kann, unglaublich symphatisch. Ein Kompliment für die Dame, ein Dankeschön fürs Kommen und dazwischen die Aussage, dass er ja bestimmt auch nicht mehr lange zu leben habe. Gunter Gabriel wirkt wie jemand, der mit allem abgeschlossen hat und nur noch jeden Moment seiner Zeit genießt.

Tätowierer Koffer und Ergotherapeutin Jule
Tätowierer Koffer und Ergotherapeutin Jule

Den Abend genossen auch Koffer und Jule, die eindeutig zu den jüngeren Gästen des Musicals gehörten. „Mein erster Kontakt mit Johnny Cash war am Tag seines Todes – erst danach habe ich begonnen, seine Musik zu hören“, erzählt die Ergotherapeutin aus Stralsund. Sie fand Gabriels Interpretation richtig toll und bemerkte, dass es den Leuten schwerfiel, still sitzen zu bleiben. Und auch dem Rostocker Tätowierer gefiel es, wenn auch mit einer Einschränkung: „An das Original kam es nicht heran.“

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