Parzival – Schauspiel mit Musik im Klostergarten

Coming-of-Age-Geschichte aus dem Mittelalter von der Compagnie de Comédie

11. August 2010, von
Parzival und Trevrizent
Parzival und Trevrizent

„Am schlimmsten sind die, die es gut mit einem meinen“, sagt der Einsiedler Trevrizent zum jungen Ritter Parzival so ziemlich am Ende des Schauspiels, welches die Compagnie de Comédie in ihrem Sommertheater im Klostergarten aufführt.

Gemeint ist wohl vor allem Herzeloyde, Parzivals alleinerziehende Mutter. Mit den an ihren Sohn verliehenen Kosenamen „Rosenblättchen“ könnte man sich ja vielleicht noch anfreunden.

Parzival und Herzeloyde
Parzival und Herzeloyde

Aber wer möchte schon liebevoll „Mäuseschissi“, „Stinkefüßchen“ oder „Kopf-durch-die-Wand“ gerufen werden? Höchste Zeit für den jugendlichen Parzival, sich auf die von Mutti gestrickten Socken zu machen und die Abenteuer eines Ritters zu erleben, welche ihm Herzeloyde so lange vorenthalten hat.

Parzival erschlägt den Roten Ritter
Parzival erschlägt den Roten Ritter

„C’mon Fury! Let’s go!“, spornt er seinen Rappen an und macht sich auf den Weg die Welt zu entdecken. Eine passende Rüstung ist auch schnell gefunden. Vom erschlagenen roten Ritter übernimmt er Harnisch und Helm. Wozu letzterer wohl noch zu gebrauchen ist – als Blumentopf oder Einkaufstasche?

Ja, Parzival muss noch viel lernen. Vor allem der Umgang mit Frauen stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Es gibt ja schließlich noch mehr als die eigene Mutter. „Meine Mama ist die klügste Frau. Sie hat mir alles beigebracht, was man zum Leben braucht“, sagt Muttersöhnchen Parzival, als er die Edelfrau Jeschute übertölpelt. Wirklich alles? Auch das Küssen? Jeschutes Mann Orilus überrascht die beiden in einer zweideutigen Situation und sinnt auf Rache.

Verzweifelter Parzival
Verzweifelter Parzival

Parzival ist mit seinen Abenteuern eindeutig überfordert: Orilus töten, Artus finden, eine Stadt befreien. „Warum muss immer alles so kompliziert sein“,  verzweifelt der junge Held. Die vornehmste Aufgabe für einen frommen Ritter aus dem Mittelalter steht ihm aber noch bevor: Die Suche nach dem Heiligen Gral und der lässt sich bekanntlich nur mit Vertrauen zu Gott gewinnen.

Tiefsinnige philosophische Fragen treiben Parzival um: „Wohin soll ich gehen? Was soll ich tun? Ist doch eh alles egal!“ Da helfen nur ein Stück Gurke und der Rat eines alten nuschelnden Mannes. Denn die sind, so der Rat seiner Mutter, oft weise (oder doch nur alt?).

Georg Haufler, Eckhard Ischebeck und Jaqueline_Maria_Rompa
Georg Haufler, Eckhard Ischebeck und Jaqueline_Maria_Rompa

Unter der Regie von Daniel Minetti gelingt es den drei Schauspielern Eckhard Ischebeck (Parzival), Jacqueline Maria Rompa (alle Frauenfiguren) und Georg Haufler (alle anderen Männerfiguren) hervorragend den mittelalterlichen Stoff in der Bearbeitung von Steffen Thiemann frisch und modern in Szene zu setzen.

Auf dem Spielplatz nebenan kann man das Stück gleich selbst nachspielen oder vielleicht sogar schon bei den dort spielenden Heranwachsenden beobachten? Auf diese Idee könnte man zumindest kommen, wenn man sich das Bühnenbild mit den Türmen, Brücken und Leitern von Wolfgang Böhler betrachtet.

Cundrie
Cundrie

Die Mischung aus tiefsinnigen Gedanken und zeitgenössischen unterhaltsamen Elementen gefällt dem Publikum ausgesprochen gut und dieses dankt es dem Ensemble mit kräftigem Applaus und Getrampel.

„Das Zusammenspiel zwischen tiefen Weisheiten und heutiger Zeit fand ich sehr gut“, sagt Helga Gabele nach der Vorstellung. Beeindruckt hat die Lehrerin auch, dass man dies mit nur wenigen Mitteln auf die Bühne gezaubert hat. Auch Anne Bach ist von der Vorstellung angetan und lobt die schauspielerische Leistung, insbesondere die Rollenwechsel, der Darsteller.

Wer jetzt ebenfalls Lust auf einen unterhaltsamen Abend, bei dem sich Witz und Anspruch nicht ausschließen, bekommen hat, kann das Schauspiel „Parzival“ noch bis zum 3. September im Sommertheater der Compagnie de Comédie besuchen.

Es lohnt sich wirklich! Bleibt nur zu wünschen, dass das Wetter sich gnädig zeigt und viele Gäste in den Klostergarten finden.

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