Präsentation der Stipendiaten im Schleswig-Holstein-Haus

Judith Siegmund zeigt Ergebnisse, Kerstin Borchardt blickt voraus

19. Oktober 2010, von
Judith Siegmund vor ihren Bildern
Judith Siegmund vor ihren Bildern

Wenn ein Gebäude Geschichten erzählen könnte, würde das Schleswig-Holstein-Haus in Rostock, Amberg 13 wahrscheinlich Bestsellerautor sein. Seit 1995 haben 70 Stipendiaten in den zwei Gastateliers gelebt und gearbeitet. Und weil das Ganze ein fließender Prozess ist, wurde beim Pressegespräch am 18. Oktober gleichzeitig nach vorn und zurück geschaut.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Gesine Karge vom Amt für Kultur und Denkmalpflege machte Judith Siegmund den Anfang. Die Künstlerin und Philosophin präsentierte die Ergebnisse eines zweimonatigen Stipendiums, das sie auf Einladung der Hansestadt Rostock wahrnehmen konnte.

Fotografie von Judith Siegmund
Fotografie von Judith Siegmund

In dieser Zeit sind 30 großformatige Fotos der Östlichen Altstadt entstanden, die jeweils zusammen mit einem Text präsentiert werden. Das Besondere daran ist, dass Judith Siegmund mit diesen Fotos eigene Erinnerungen reaktiviert. Sie wuchs als Kind von 1972 bis 1979 an der Petrikirche auf und zog später in eine Wohnung in der Gärtnerstraße.

„Ich kann mich an vieles erinnern, aber fast nichts wiedererkennen“, berichtet die Künstlerin. Daher hat sie Fotos von erinnerungsträchtigen Plätzen gemacht und diese aktuellen Fotos dann mit einer Bildunterschrift gekoppelt. In dieser beschreibt sie mal lustige, mal aber auch skurrile und bedrohliche Situationen und Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Der konzeptionell arbeitenden Künstlerin ging es nicht nur darum, Erinnerungen zu aktivieren, sondern auch den Zusammenhang zwischen Fotos und Erinnerungen zu untersuchen. „Was passiert eigentlich, wenn man fotografiert? Kann man Geschichten in einem Bild festhalten?“

Wann die Bilder konkret zu sehen sein werden und in welcher Form, steht noch nicht fest. Eine Ausstellung sei möglich, so die Künstlerin, aber durch die relativ gute Anpassbarkeit der Bilder wäre auch ein Buch vorstellbar.

Kerstin Borchardt
Kerstin Borchardt

In dem zweiten Atelier, in dem bis vor Kurzem noch Rayk Goetze arbeitete, ist jetzt Kerstin Borchardt eingezogen.

Sie ist für drei Monate Stipendiatin auf Einladung des Landes Mecklenburg Vorpommern. Anders als ihr Vorgänger hat sie sich bisher unfertige Arbeiten mitgebracht, um hier an ihnen weiterzuarbeiten, auch wenn sie sagt: „Ein gutes Bild darf nie fertig werden.“

Ihre Arbeiten haben zwei Schwerpunkte. Einerseits arbeitet sie häufig mit dem Medium Zeitung in unterschiedlichsten Formen. So versucht sie zu zeigen, wie schwer Informationen heutzutage nachzuvollziehen sind. Andererseits ist für sie die Lyrik auch Teil ihrer Installationen. Sie schreibt Gedichte und baut diese teilweise in ihre Werke mit ein. Häufig entwirft sie auch Arbeiten mit ihrem Mann, der für die akustische Bearbeitung zuständig ist.

Ausschnitt aus dem Werk von Kerstin Borchardt
Ausschnitt aus dem Werk von Kerstin Borchardt

Noch konnte Kerstin Borchardt nicht viel zeigen, was hier entstanden ist. Da sie gerade erst zehn Tage hier ist, kann man das verstehen. Ihre Arbeiten wird sie jedoch am 30. Oktober im Rahmen von KUNST HEUTE, dem Tag der zeitgenössischen Kunst in Mecklenburg-Vorpommern, vorstellen. Ab zehn Uhr ist das Atelier in der Östlichen Altstadt an diesem Tag geöffnet.

Man darf also gespannt sein, welche spannenden Geschichten das Haus noch erleben wird. Schade nur, dass die Mauern nichts davon preisgeben können.

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