„Mephistosyndrom“ – Uraufführung im Volkstheater

Neue Produktion des Tanztheaters von Bronislav Roznos

4. Oktober 2010, von

Mephistosyndrom – eine Diagnose, die nichts Gutes verheißt, im Gegenteil.

Mephistosyndrom
Mephistosyndrom

Das Böse ist überall, in jedem von uns. Doch gerade dort, wo Orientierung zum „guten“ Verhalten fehlt, kein Gewissen und kein Mitgefühl die Zerstörung aufhält, nimmt das Böse viel zu oft ungeheuerliche, krankhafte Ausmaße an. Zurück bleiben Entsetzen, Ratlosigkeit und die Frage, wie es dazu kommen konnte.

Diese Entwicklung, die oftmals scheinbar harmlos beginnt und sich dann zur Katastrophe auswächst, beleuchtet der Choreograf Bronislav Roznos in seiner neuen Produktion „Mephistosyndrom“. Am Samstag wurde sie vom Tanztheater des Volkstheaters im Großen Haus uraufgeführt.

Natalie brockmann und Clemens Soenen in Mephistosyndrom
Natalie brockmann und Clemens Soenen in Mephistosyndrom

Unablässig präsentieren uns die Medien, wie grausam das Böse in Erscheinung treten kann. Drei Beispiele hat der Choreograf ausgewählt: Sexueller Missbrauch, Amoklauf und Stalking. Diese werden durch zehn Tänzerinnen und Tänzer in sowohl ausdrucksstarke als auch subtile Bewegungen umgesetzt. Offene Aggression und kalte Ignoranz beherrschen die Beziehungen zwischen den Figuren, aber auch Zuneigung und Vertrauen sind zu beobachten.

Originell und abwechslungsreich, ohne zu dick aufzutragen, wird der Teufelskreis aus Abhängigkeit, Demütigung und Machtmissbrauch dargestellt. Dass es dabei nicht nur Täter und Opfer, Schwarz und Weiß gibt, sondern sich Gut und Böse auch innerhalb eines Menschen vereinen, zeigen farblich unterschiedliche Gesichtshälften zweier Tänzer.

Mephistosyndrom
Mephistosyndrom

Das Geschehen spielt sich auf einer weißen Bühne ab. Sie wurde, wie auch die schwarzen und grauen Kostüme, von Robert Schrag gestaltet. Ihre glatten, steril wirkenden Wände sind zugleich Projektionsflächen. Sie laufen nach hinten auf einen Punkt zu und verstärken mit diesem optischen Trick das Gefühl der Enge und Beklemmung. Auch die Größenverhältnisse der Figuren werden auf diese Weise manipuliert wahrgenommen.

Eine besondere Rolle spielt die rote Farbe. Als Symbol der Leidenschaft steht sie nicht nur für Liebe, sondern auch für den Zorn. Das Seil, mit dem die Stalkerin ihr begehrtes Opfer an sich fesselt und es schließlich zu Tode stranguliert, ist rot. Mit Rot werden auch Körper und Wände bemalt. Am Ende sieht es auf der Bühne aus, wie nach einem Blutbad.

Begleitet werden die Tanzszenen vor allem mit Musik von Filmkomponisten wie zum Beispiel John Williams, James Horner oder James Newton Howard. Irgendwie nahe liegend auch, dass beim Thema Aggressivität auf einen Titel von Rammstein zurückgegriffen wird. Ohne Musik kommt der Tanz hingegen in einer sehr bewegenden Szene aus, in der nur das laute Atmen eines Opfers sexueller Gewalt zu hören ist.

Natalie Brockmann und Josef Dvorák in Mephistosyndrom
Natalie Brockmann und Josef Dvorák in Mephistosyndrom

Überzeugende Tänzer, eine interessante Musikauswahl und ein Thema, das zum Nachdenken anregt – diese Mischung ließ das Premierenpublikum nicht unberührt.

„Tänzerisch hat uns die Vorstellung gut gefallen. Viel Kraft und viel Ausdruck waren zu sehen. Auch die Musik dazu passte“, sagten Stefanie und Volker Rugalski, die regelmäßig vom Fischland ins Rostocker Volkstheater kommen, nach der Premiere. „Ich finde es schön, dass sie sich so verausgabt haben und ungewöhnlich viel zeigen wollten“, ergänzte Stefanie Rugalski.

Wer das „Mephistosyndrom“ nun ebenfalls besuchen möchte, sollte sich die Termine für die weiteren Vorstellungen am 10. und 17. Oktober im großen Haus des Volkstheaters vormerken.

Fotos: Dorit Gätjen, VTR

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