mv-tourist.tv - Internet, Videos und Hotel-TV

Großprojekt MV – Präsenz auf allen Kanälen

12. April 2010, von

Jürgen Seidel „Wenn ich früh aufwache, schalten wir – mit ‚wir‘ meine ich meine Frau und mich – als Erstes das Fernsehgerät ein.“

Nach so viel Kunst und Kultur in den letzten Tagen wird es heute mal wieder Zeit für etwas Abwechslung, oder? Was darf es denn sein? Politik, Wirtschaft, Tourismus, Fernsehen oder Internet? Von allem ein bisschen? Kein Problem!

Gerade gestern hatte ich bei Frank noch einen Beitrag gelesen – zu Ausstellungen in Hotels im Allgemeinen und im Hotel Neptun im Speziellen. Und heute konnte ich dort ganz zufällig einen Blick auf die Bilder von Christine Löwa werfen. Tolle Werke übrigens, doppelt schade, dass praktisch keine Werbung dafür erfolgt.

Aber hey, ich hatte doch versprochen, dass es heute mal nicht um die Kunst gehen soll!

Wer da in der Früh als Erstes den Fernseher einschaltet, möchtet Ihr wissen? Unser Wirtschaftsminister Jürgen Seidel ist es und zwar immer, wenn er in Österreich im Urlaub ist, „denn da kommt direkt der Wetterbericht. Man weiß sofort, wie man sich anziehen muss.“ Toll.

Seit langer Zeit wünscht er sich das, was er dort schon seit zehn Jahren erlebt, auch für das touristische Angebot Mecklenburg-Vorpommerns. Nun endlich wurden seine Wünsche erhört. Kein Grund mehr, seinen Urlaub nicht im Lande zu verbringen, zumindest was diesen Punkt betrifft.

Thomas BöhmStolz stellte Thomas Böhm von der Mediadock GmbH das vom Land angekündigte ‚Großprojekt‘ heute im Hotel Neptun vor und dabei geht es keinesfalls nur um den morgendlichen Wetterbericht.

Als Betreiber des Lokalsenders tv.rostock sind über die Jahre so viele Inhalte produziert worden, dass damit auch andere Programme gefüllt werden können, so Böhm. Es wäre schade, wenn Beiträge nach nur zwei oder drei Ausstrahlungen im Archiv verstauben.

Der Tourist, der in die Stadt kommt, wolle nicht unbedingt Lokalpolitik sehen, sondern Ausflugstipps, Veranstaltungshinweise und natürlich das Wetter. So sei die Idee für ein angepasstes, regionales Hotel-Programm entstanden. Vor einem Jahr hätten sie im Hotel Neptun mit dem Piloten losgelegt, inzwischen seien sechs Rostocker Hotels beteiligt.Bernd Fischer

„Mittlerweile entstehen 67% der Buchungen über eine Vorinformation im Internet“, so Bernd Fischer vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als die Hälfte der Deutschen nutze das Internet auch während des Urlaubs zur Information und immerhin ein Drittel der Urlauber würde während der schönsten Zeit des Jahres tatsächlich fernsehen – Potenzial sei somit vorhanden.

Was die Inhalte betrifft, sei eine Matrix erstellt worden, bei der Regionen und Themen zueinander gebracht wurden. Um darzustellen, was MV touristisch heißt, sollen bis zum späten Frühjahr 100 Videobeiträge produziert werden, von Mediadock und weiteren Unternehmen im Lande. Die Kriegskassen der Hotels scheinen dank Mehrwertsteuersenkung gut gefüllt zu sein. Kleiner Spaß. Nein, natürlich übernimmt das Land die Kosten als Anschubfinanzierung. Die beteiligten Hotels selbst hätten nur eine kleine Pauschale zu tragen.

Auf drei Säulen baue das Projekt, so Fischer. Neben dem Hotelfernsehen als erstem Standbein soll ein Internetportal angeboten werden, „wo ich mir mein ganz individuelles Fernsehen zusammenstellen kann. Ich wähle aus, was mich interessiert, klicke ‚Go‘ und dann gucke ich mir ein kleines Fernsehprogramm der Urlaubsregion Mecklenburg-Vorpommern an.“

Die dritte Möglichkeit wäre gleichzeitig auch die vielfältigste. Die Videos könnten transparent auf den Seiten der Hotels und Verbände eingebunden werden.

Guido Zöllick Guido Zöllick, Präsident des Dehoga MV und Direktor des Hotels Neptun, begleitet das Projekt in seinem Haus seit dem Beginn der Pilotphase vor einem Jahr.

„Wir haben mit mv-tourist.tv tatsächlich etwas gefunden, was bei den Gästen sehr gut ankommt“, beschreibt Zöllick seine Erfahrungen. Es würde eine Reihe von Gästen geben, die anschließend am Empfang stehen und genau das erleben wollten, was sie gerade gesehen haben.

„Ich bin froh und glücklich, dass wir jetzt einen Sender haben, der die Gäste live darüber informiert, was hier vor Ort, an ihrem Urlaubsort, in ihrem Urlaubsland stattfindet.“

Das Thema Wetter spiele natürlich eine große Rolle. „Es ist tagesaktuell, wird moderiert und in bewegten Bildern gezeigt – ein großer Unterschied zu dem, was wir bisher an Informationskanälen hatten. Eine Fernsehsendung, die es verdient, so genannt zu werden!“

Lokales Hotel-TV? Sicher eine gute Idee. Da mögen sogar Landesmittel sinnvoll sein. Dürfte doch nicht jedes kleinere Hotel ohne Zuschuss so innovationsfreudig sein wie Neptun, Yachthafenresidenz, Radisson & Co. Vorausgesetzt natürlich, die Hotels erkennen den Mehrwert für die Gäste und sind bereit, im Anschluss selbst für die Kosten aufzukommen. Denn gute Inhalte kosten auf Dauer Geld, mehr als die Technik vermutlich.

Bernd Fischer, Jürgen Seidel, Guido Zöllick und Thomas Böhm So weit, so gut. Was das Internet-Portal betrifft, hatte ich scheinbar gerade ein Déjà-vu. Die Idee, Videos für MV auf einem eigenen Portal anzubieten und mittels eigenem Player zu verteilen, kam mir irgendwie bekannt vor. So nutzte ich die Zeit und surfte nebenbei etwas im Netz. Video-MV war das, was ich gesucht hatte.

Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern wurde es vor noch gar nicht so langer Zeit ins Leben gerufen.

Die Plattform macht einen durchaus guten Eindruck, dümpelt mangels Inhalten aber leider ein wenig vor sich hin. Warum auch in diesem Bereich ein neues Projekt gestartet wird, statt auf die bestehende und bereits finanzierte Plattform zurückzugreifen, schien eine etwas überraschende Frage zu sein – so richtig überzeugend erklären konnte dies niemand.

Jürgen Seidel war die von seinem Haus geförderte Seite wohl unbekannt (muss man als Minister vielleicht auch nicht unbedingt kennen), Bernd Fischer hielt es für ein Portal, auf dem Urlauber ihre Amateurvideos präsentieren könnten – scheinbar hat er die Seite im letzten Jahr nicht mehr besucht.

Kathleen ReißSo wäre es tatsächlich mal gedacht gewesen, erläuterte mir später die mit der aktuellen Entwicklung nicht ganz glückliche Kathleen Reiß vom Projektträger der Seite. „Wir sind mit dem Ansatz gestartet, Urlaubervideos einzusammeln.“

„Rein rechtlich ging das aber nicht, das konnten wir nicht verantworten, schon gar nicht vom Land finanziert.“ In den Videos seien viel zu oft Rechteverstöße aufgetreten; nicht genehmigte Bilder, lizenzpflichtige Hintergrundmusik und vieles mehr. „Deshalb haben wir schnell gesagt, dann sammeln wir Hochglanzvideos ein und verteilen diese wieder.“

Also genau das, was Bernd Fischer als wichtige dritte Säule des Projektes beschrieben hat. Vorausgesetzt natürlich, es gibt Unternehmen, Vereine und Verbände, die Inhalte bereitstellen.

Beliefert werden soll die Seite später wohl auch mit den geplanten Videos. Warum weder Portal noch Player genutzt werden und ob man wirklich mehrere ähnliche Portale benötigt, bleibt fraglich.

Auf der anderen Seite gesellte sich noch ein Vertreter des Landestourismusverbandes zu uns und meinte, dass eine richtig eigenständige Seite wohl doch gar nicht geplant sei. „Technisch gesehen ist das Internetprojekt eher ein Abfallprodukt für uns“, erläuterte er, „MV-Tourist.tv“ solle keine eigene Seite erhalten, sondern nur als White-Label-Lösung in bestehende Angebote eingebunden werden“.

Also doch nichts mit dem von Thomas Böhm gezeigten Entwurf und dem von Bernd Fischer so angepriesenen individuellen Fernsehprogramm? Da scheint jeder der Beteiligten wohl noch eine etwas eigene Sicht der Dinge zu haben. Mal abwarten, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt.

Schlagwörter: Fernsehen (13)Hotel (24)Marketing (5)Tourismus (75)

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5 Kommentare

  • FRank sagt:

    Hallo Olaf,

    ein interessanter Beitrag. Ja es wäre gut, die Beiträge von tv.rostock u.a. nicht verstauben zulassen und die Erfahrungen der ersten Hotels sprechen dafür. Nur was machen die Touristen in den Pensionen, in den Ferienwohnungen, auf den Zeltplätzen und die Menschen aus der Region. Werden diese von den Informationen ausgesperrt? Irgendwie sind die Ideen nicht rund. Denn wenn ich es mal an den fünf Fingern überschlage, gibt es mehr Gäste in anderen Einrichtungen als die genannten Hotels. Was ist mit den Plattformen des Tourismusverbandes z.B. http://www.auf-nach-mv.de/ , den anderen Plattformen in die Fördergelder geflossen sind, was ist mit Social Network Plattformen wie Facebook und und….

    Nun da jeder Gast Geld in die Region trägt und so für Arbeit sorgt, müssten die Prämissen für eine Förderung andere sein. Nun ja ich weiss, dass das Internet von der Vielfalt lebt, aber bei der Werbung für MV sollte versucht werden Dinge zu bündeln. Aber dieses wird immer wieder nicht gemacht, egal ob wie von Dir hier beschrieben oder bei dem Thema Veranstaltungskalender und und… Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion mit Jörg Schlottke http://www.einfach-meer-network.de/ zu dem Thema. Bei den Veranstaltungskalendern hatte ich sogar geschrieben, es sollte keiner mehr Fördergelder bekommen, der sich nicht einem Gesamtkonzept unterordnet. Aber dieses fordert halt ein Gesamtkonzept und wenn es dieses nicht gibt, ist es schlecht.

    Es ist immer schade, dass Warenmünde, Rostock und MV seine Möglichkeiten nicht vollständig nutzen. Na mal sehen, vielleicht lernen wir ja doch noch von der Urlaubsregion der Ministers. – FRank

  • Olaf sagt:

    Hallo Frank,

    unter auf-nach-mv.de sollen die Beiträge in jedem Fall erscheinen oder eigentlich überhaupt nur dort (so richtig), je nachdem ob ich mehr den Vorträgen oder dem anschließenden Gespräch glaube.

    Das mit den anderen Plattformen, in die Fördergelder geflossen sind, sehe ich aber ähnlich, auch darüber haben wir am Rande gesprochen. Teils treibt das obskure Blüten. Ich erinner mich noch an den Aufschrei der Rostocker Hotel-Alliance, als nach der Privatisierung der Rostocker Internetseite (ein Thema für sich), plötzlich mehr Hotels aus der (näheren) Umgebung angezeigt wurden.

    Ostseeland.de, eine AFAIK ebenfalls mal geförderte und lt. Impressum immer noch unter der Obhut des Regionalen Fremdenverkehrsverbands Vorpommern e.V. stehende Site, wirbt auf der Startseite für Ferienhäuser in Dänemark – SONNE UND STRAND dürfte wohl gut genug zahlen. Ob man halt wirklich Marketing für die eigene Region machen oder doch lieber mit Werbung Geld verdienen möchte, scheint (siehe auch Rostock) eine schwere Entscheidung zu sein. Solange der Steuerzahler da nicht direkt oder indirekt involviert war oder ist, könnte es einem ja egal sein …

    Zu den Inhalten kann ich wenig sagen, rostock.tv schaue ich praktisch nicht – weder Zeit noch wirkliches Interesse. Im Urlaub eine dreiviertel Stunde Fernsehen zu schauen, käme mir auch kaum in den Sinn – Wetter und weitere Infos bekomme ich vom Smartphone, wie sicher viele andere auch.

    Nur bin ich natürlich nicht das Maß der Dinge, von daher finde ich die Idee mit dem Hotel-TV erstmal gut oder zumindest nicht schlecht und irgendwo muss man ja anfangen – warum nicht bei den Hotels?

    Irgendwie fehlt wirklich zu viel Zeit. Jörg Schlottke war ja ebenfalls anwesend und ist irgendwie mit involviert. Jetzt habe ich es doch geschafft, schnell mal in sein Blog zu schauen und siehe da:

    Ich suche Netzwerkpartner im Bereich Tourismus & Freizeit …
    * Sie haben gemeinsame Ziele und kein Interesse an staatlichen Subventionen
    * Sie fragen sich “Was kann ich leisten?” und nie “Was hab ich davon?”

    Das Thema Subventionen mal beiseite geschoben, aber der letzte Punkt war auch noch Thema der anschließenden Diskussion. Warum bitte hat denn niemand der jetzt beteiligten Produktionsfirmen bzw. Lokalsender die bestehende Video-Plattform in all der Zeit wenigstens mit dem einen oder anderen Beitrag unterstützt statt ihn ‚verstauben‘ zu lassen?

    @Jörg: Ideale verkauft? Mal ganz ketzerisch gefragt … ;)

    Gruß, Olaf

  • Christian sagt:

    tv.rostock (so heißen sie richtig) solltest du vielleicht doch mal schauen, dann wird dir einiges klarer.
    bspw gestern (wdh läuft heute noch): geschätzt die hälfte der sendezeit nahm das wirtschaftsfenster mv ein. seidel bei der tourismuskonferenz, seidel beim golf, dazu dann noch ein porträt eines 08/15-zimmermanns.
    durch wen das wirtschaftfenster mv (für das es natürlich auch wieder ein eigenes videoportal gibt: wirtschaftsfenster-mv.de) gefördert wird? klar, lt. abspann und webpage durch eu-mittel und seidels ministerium. ein schelm wer böses dabei denkt.

    chris

  • FRank sagt:

    Hallo Olaf,

    nun die Hotels sollen anfangen und Ihre Chancen suchen und nutzen. Denn ein Unternehmer kann nicht warten bis sich „alle“ gefunden haben. Nur sehe ich für die Politik eine andere Rolle.

    Vielleicht aber ergibt sich die Antwort auch aus dem Blog von Jörg Schlottke http://www.einfach-meer-network.de/das-jahr-der-direktbuchung/ wo folgende Analyse zu lesen ist:

    „Sehr interessant, wie sich das Internet als Vertriebskanal seit 2003 entwickelt hat. Während sich “Internetportale” und die “Eigene Homepage” ein Kopf an Kopf Rennen mit explosionsartigem Wachstum seit 2007 (verbesserte Technologien und Bandbreiten im Web) liefern, tragen touristische Marketing-Organisationen (Stadt, Region, Land) weiterhin stagnierend die rote Laterne. Verschlafende Gründe dafür gibt es so einige, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte….“

    Unternehmer unternehmen halt etwas. ;-) Land, Region, Stadt sollten wenigsten die Rahmenbedingungen ordnen und dafür sorgen, dass nicht mit der Gießkanne immer wieder neues Geld verplempert wird, für Lösungen, die sich nicht ergänzen oder nur mit Fördermittel lebensfähig sind.

    Beste Grüße aus Nürnberg – FRank

  • Jörg Schlottke sagt:

    Meine Herren, sie führen hier ein sehr interessantes Gespräch. Einer meiner Lieblingsslogan „Everthing has it´s own time“ und in Mecklenburg-Vorpommern tickern die Uhren bekannter Weise auch etwas langsamer.

    Nicht jeder oder jede ist mit dem Web so vertraut wie wir, damit meine ich uns hier in diesem Gespräch, es sind. Nicht jeder ist fähig, die Geschwindigkeit mit der sich das Web entwickelt auch zu halten.

    Ich finde es ebenso spannend zu lesen, wie sehr Sie sich mit meinen geschriebenen Artikeln auseinandersetzen. Das ist ein sehr schönes Kompliment – Danke an dieser Stelle.

    Meine Herren, lösen Sie sich vom Websitegedanken – hier geht es nicht um MV-Tourist.TV oder auf-nach-mv.de oder video-mv.de sondern um das stetige Produzieren von gutem Filmmaterial, um Gäste zum Reisen nach MV zu motivieren. „Der Film“ ist die Botschaft und dieser wird nicht auf MV-Tourist.TV gestellt sondern zu den Menschen transportiert, die ihn sehen sollen und wollen. Damit dies funktioniert, muss die technische Infrastruktur im Hintergrund geschaffen werden, die nach aussen einen Namen, ein Logo und ein Bild bekommt, damit wir etwas zum Diskutieren haben.

    Infrastrukturentwicklung kostet Geld, sehr viel und das nicht nur Offline sondern auch Online. Doch leider hat uns Google gelehrt, das das Web gratis ist.

    Ich empfehle Ihnen ebenfalls einmal diese beiden Artikel. Sie veranschaulichen die Komplexität in der Webinfrastruktur wie Sie heute ist.

    http://www.einfach-meer-network.de/social-media-netzchaos
    http://www.einfach-meer-network.de/etourismus-und-die-virtuelle-reise-von-informationen/

    Fazit: Das Web ist ein System aus vernetzten Informationen und Botschaften. Ein wesentlicher Grund, warum Blogsysteme so erfolgreich sind. Eine Website ist nur das schmückende Beiwerk für das Wohl unserer Augen. Lassen wir uns davon nicht blenden. Es wird…

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