Rostock wächst: Über 230.000 Einwohner bis 2035

Nach der neuesten Bevölkerungsprognose der Hansestadt Rostock steigt die Einwohnerzahl in den nächsten 20 Jahren um gut zwölf Prozent – von aktuell 206.000 auf 231.000 im Jahr 2035

24. Februar 2016, von
Neue Bevölkerungsprognose: Über 230.000 Einwohner bis 2035 in Rostock
Neue Bevölkerungsprognose: Über 230.000 Einwohner bis 2035 in Rostock

Rostock wächst und zwar gewaltig. 25.000 zusätzliche Einwohner wird es in 20 Jahren in der Hansestadt geben, besagt die aktuelle Bevölkerungsprognose, die heute im Rathaus vorgestellt wurde. Von 206.033 Personen am 31.12.2015 soll die Zahl der Rostocker auf 219.323 im Jahr 2025 und bis 2035 sogar auf 230.945 Personen klettern. Ein Anstieg der Geburtenziffer, eine steigende Lebenserwartung sowie mehr Zu- als Fortzüge sind Grundlage der Berechnung.

Neue und überholte Prognosen

Noch vor drei Jahren hatte eine vom Wirtschaftsinstitut Wimes erstellte Prognose eine sinkende Einwohnerzahl auf weniger als 200.000 im Jahr 2025 vorausgesagt. Doch diese sei längst überholt und selbst die aktuellen Zahlen seien immer noch „konservativ gerechnet“, erklärt Oberbürgermeister Roland Methling die vergleichsweise hoch anmutenden Werte. „Die Zahlen, die wir von außen bekommen haben, die seit 2005 permanent vom Leben abweichen“, haben die Verwaltung dazu bewogen, mithilfe des Bevölkerungsprognosemodells Sirkus eine eigene Prognose zu erstellen.

Als „eine der schwierigsten Prognosen, die wir gemacht haben“, umschreibt Karin Helke, Leiterin des Hauptamtes, die Aufgabe angesichts des nur schwer abzuschätzenden Flüchtlingszuzugs. So sei man an erster Stelle von der natürlichen Bevölkerungsentwicklung der letzten fünf Jahre ausgegangen, auch wenn Flüchtlings- und Migrationsentwicklung selbstverständlich berücksichtigt wurden.

Natürliche Bevölkerungsbewegung – mehr Verstorbene als Neugeborene

Die Zahl der Verstorbenen überstieg in den letzten zehn Jahren kontinuierlich die Zahl der Neugeborenen, im Schnitt um 250 pro Jahr. Dennoch konnte bei den Geburten ein Anstieg von 1.573 (2005) auf 2.064 (2015) verzeichnet werden. Die Tendenz soll sich fortsetzen.

Für die Prognose wurde von 1,45 Kindern pro Frau im Jahr 2035 ausgegangen (2015: 1,4), das durchschnittliche Alter der Mutter soll dann bei 31,11 Jahren (2015: 30,11) liegen. Der negative Saldo bei der natürlichen Bevölkerungsbewegung soll sich in den nächsten 20 Jahren leicht rückläufig entwickeln. 2035 werden laut Prognose fast so viele Rostocker zur Welt kommen (2.293) wie sterben (2.329).

Altersstruktur der Hansestadt Rostock 2015 (Fläche) und 2035 (Linie), (Grafik: Hansestadt Rostock)
Altersstruktur der Hansestadt Rostock 2015 (Fläche) und 2035 (Linie), (Grafik: Hansestadt Rostock)

Lebenserwartung steigt – Rostocker werden immer älter

Die Rostocker werden immer älter. Die Lebenserwartung soll sich analog zum Bundesdurchschnitt in den nächsten zwei Jahrzehnten auf 80,69 Jahre (+3,39) für Männer und 85,67 Jahre (+2,07) für Frauen erhöhen. Die Zahl der Einwohner steigt bis 2035 über alle Altersgruppen, mit Ausnahme der 45- bis unter 60-Jährigen. Vor allem die Zahl der über 80-Jährigen steigt überproportional an – in den nächsten zehn Jahren um gut 45 Prozent von 13.053 auf 18.950.

Räumliche Bevölkerungsbewegung – mehr Zu- als Fortzüge

Dass die Bevölkerungszahl in Rostock während der letzten zehn Jahre kontinuierlich gestiegen ist, liegt vor allem an der räumlichen Bevölkerungsbewegung. Sie ist damit auch der Hauptfaktor bei der Berechnung der Prognose. Im Durchschnitt sind in den letzten zehn Jahren etwa 1.200 Menschen mehr nach Rostock gezogen als die Stadt verlassen haben. Vor allem bei den jungen Leuten (20-25 Jahre) ist die Hansestadt beliebt, hier gab es einen deutlichen Überschuss an Zuzügen.

„Entscheidend ist die Wanderungsbewegung“, bringt es Carmen Becke, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle, auf den Punkt. Bis 2035 sollen sich die Zuzüge zwar um fünf Prozent verringern, die Wegzüge sollen gleichzeitig jedoch um zehn Prozent abnehmen, sodass es durch die räumliche Bevölkerungsbewegung in den nächsten zwei Dekaden etwa 1.350 neue Einwohner pro Jahr geben wird.

Flüchtlingszuzug

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber hänge natürlich stark von der Bundespolitik und der künftigen Entwicklung ab, „wir brauchen aber jetzt eine Prognose“, stellt Carmen Becke klar. Für 2016 und 2017 wurde mit jeweils 500.000, in den beiden Folgejahren mit je 125.000 Geflüchteten auf Bundesebene gerechnet. Ab 2020 ist man von einer Normalisierung auf 50.000 Personen pro Jahr ausgegangen, so Becke. Abweichungen von der Prognose sollen jährlich ausgewertet werden.

Nach dem Königsteiner Schlüssel werden Mecklenburg-Vorpommern 2,04 Prozent zugewiesen, davon kommen 13,24 Prozent nach Rostock. Angenommen wurde eine Bleibeperspektive von 65 Prozent sowie ein Familiennachzug von 1,5 Personen je Flüchtling – macht alles in allem rund 5.000 zusätzliche Einwohner bis 2035.

Allerdings wurden Rostock in diesem Jahr bereits 500 Flüchtlinge zugewiesen, bekräftigt Methling, dass eher konservativ gerechnet wurde, da dies etwa 185.000 in Deutschland angekommenen Flüchtlingen entspricht und hochgerechnet aufs Jahr eher einer Million als 500.000.

Karin Helke, Leiterin des Hauptamtes (l.) und Carmen Becke, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle stellen die Bevölkerungsprognose 2035 für Rostock vor
Karin Helke, Leiterin des Hauptamtes (l.) und Carmen Becke, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle stellen die Bevölkerungsprognose 2035 für Rostock vor

Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur

25.000 Neue Rostocker in den nächsten 20 Jahren – wo sollen die wohnen? „Der Ist-Zustand ist“, beschreibt Methling die aktuelle Lage auf dem Immobilienmarkt, „dass wir gegenwärtig keine Wohnungen in Rostock anbieten können“. Der Wohnungsleerstand liegt bei unter einem Prozent, auch im Umland gibt es kaum Wohnraum und die Warteliste für Eigenheimgrundstücke ist lang.

„Ein besonderer Schwerpunkt ist Biestow“, erklärt der Verwaltungschef mit Blick auf die kommenden Bebauungspläne. Auch in Gehlsdorf sollen Flächen „in Größenordnung“ erschlossen werden. „Aber es zeigt sich, dass die B-Plan-Gebiete, die wir gegenwärtig in Vorbereitung haben, nicht ausreichen.“ Obwohl er sich 1.500 neue Wohnungen pro Jahr wünschen würde, liege die tatsächliche Zahl momentan bei unter 1.000, so Methling. Nur mit zusätzlicher Lückenbebauung und der Ergänzung/Erweiterung bestehender Wohnanlagen sei die Aufgabe zu schaffen.

Aber es gehe nicht nur um Wohnungen, auch die Infrastruktur müsse ausgebaut werden, seien es Straßen, die Wasser- oder Fernwärmeversorgung oder Schulen und Kindergärten. Dabei gehe es schnell um Millionenbeträge, erklärt der Verwaltungschef und dafür brauchen die Ämter möglichst genaue Prognosen.

Höchststand vor der Wende in weiter Ferne

Die bislang höchste Bevölkerungszahl verzeichnete Rostock im Vorwendejahr 1988 mit 253.990 Einwohnern, den niedrigsten Wert (198.259) gab es 2002. Seither ist die Zahl kontinuierlich auf zuletzt 206.033 Personen am 31. Dezember 2015 gestiegen.

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