Restaurierter Nonnenaltar in der Universitätskirche übergeben

Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften wurde am Abend der restaurierte, 500 Jahre alte Nonnenaltar in der Universitätskirche Rostock feierlich übergeben

28. April 2016, von
Nonnenaltar der Universitätskirche Rostock
Nonnenaltar der Universitätskirche Rostock

Nach langjährigen und umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde am Abend der mehr als 500 Jahre alte Nonnenaltar in der Universitätskirche Rostock feierlich übergeben. Die Kulturstiftung der Länder, die Jahresköste sowie zahlreiche weitere Sponsoren und Unterstützer haben die rund 70.000 Euro teure Restaurierung möglich gemacht.

„Das Besondere an diesem Altar ist, dass die Außenseiten bis 2004 keine malerische Darstellung besaßen“, erläutert Restaurator Georg von Knorre. Irgendwann im 19. Jahrhundert wurden die sogenannten Alltagsseiten mit einer schwarzen Farbschicht übermalt – wahrscheinlich, weil die Malerei beschädigt war. Bis 2004 war nicht so richtig bekannt, was noch an Malerei vorhanden ist. Nach der Freilegung kam gotische Malerei zum Vorschein, „von der zu diesem Zeitpunkt niemand mehr so genau wusste, was das ist – das war sehr spannend“, beschreibt der Restaurator die Besonderheit dieser Restaurierung.

Restaurator Georg von Knorre
Restaurator Georg von Knorre

So zeigte sich die Darstellung von zwei Äbten – trotz der „vielen Fehlstellen, wo für den laienhaften Betrachter nur noch das Holz zu sehen war“, formuliert es Universitätsprediger Prof. Dr. Thomas Klie und dankt Georg von Knorre für seinen Mut, diese Stellen zu ergänzen. Das lief nicht ohne Streit ab, doch nun sei „zweifelsfrei klar, dass die beiden alten Herren Zisterzienser waren und genau dem Orden angehörten, dem sie dieses Kloster verdanken“, so Klie, „anders ist der Altar in der zweiten Wandlung nicht zu erklären.“ Abhandengekommen sind leider die Klappen an der Predella, von ihnen ist nur noch ein historisches Foto vorhanden.

„Jetzt ist die Kirche irgendwie wieder vollständig, jetzt ist sie wieder so, wie sie sein soll“, freut sich auch Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock, über das Ergebnis der Restaurierung.

Choral-Schola der Theologischen Fakultät singt vor dem Nonnenaltar die Komplet, das alte klösterliche Nachtgebet
Choral-Schola der Theologischen Fakultät singt vor dem Nonnenaltar die Komplet, das alte klösterliche Nachtgebet

Vor dem früher üblichen allwöchentlichen Schließen und Öffnen des Altars warnt Georg von Knorre jedoch auch nach abgeschlossener Arbeit, „dann fange ich hier im nächsten Jahr wieder von vorne an.“ Solange man nicht vergisst, „dass man dieses Kunstwerk wie ein rohes Ei behandeln sollte“, sei ein Öffnen und Schließen zu den christlichen Festtagen aber durchaus möglich, so der Restaurator.

Ursprünglich stand der etwa auf das Jahr 1500 datierte Kreuzaltar auf der 1866 abgerissenen Nonnenempore, daher wird er auch Nonnenaltar genannt. Seit dem Abriss hängt er im nördlichen Seitenschiff der Universitätskirche. Neben Gottesdiensten wird die Kirche heute auch für akademische Feiern, etwa der Überreichung von Promotions- und Habilitationsurkunden genutzt.

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1 Kommentar

  • AO sagt:

    Der Artikel wirkt auf mich einfach nur verstörend. Zum Einen sehe ich die Begeisterung und auch die „Ahnung“, daß es sich eben nicht einfach nur um das handelt, was es oberflächlich zu sein scheint.

    Schön ist es einerseits, um diese Restaurationsarbeiten zu wissen. Andererseits wurden sowohl Hinweise, alsauch relevantes Wissen von Grund auf negiert. Dabei sind es nicht Jene, die diese großartige und wichtige Facharbeit verrichtet haben, sondern einmal mehr die dekandenten Nichtsblicker der Institution, die eine Möglichkeit des Miteinanders negierten, die hier einmal mehr in den Hintergrund geschoben werden.

    In Punkto Geschichte ist es auch nicht so, daß die Hansestadt Rostock sich mit Ruhm bekleckert hätte. Ja, es gibt große Archivverluste – etwa durch den großen Brand und auch den zweiten Krieg. Doch müßte selbst dem Dümmsten irgendwann auffallen, daß die Dinge im kausalen Zusammenhang stehen und es eben kein Zufall ist, daß ein weit zurückliegender Betrug an der Menschheit zu dieser Realität in der Gegenwart führen mußte.

    Betrachte ich Mittel und Methoden, die in Rostocker Kirchen eingesetzt wurden – sehe dann, was an Substanz zuvor war, dann entspricht das Ergebnis einem kulturellen Massaker, was dort angerichtet wurde. Vom Verlogenen Bodenpersonal mal ganz zu schweigen, das heuchlerisch Absichten erklärt um sich daraus ein Einkommen heimlich zu erschleichen. Das ist gottlos und respektlos gleichermaßen.

    Obwohl das so ist, sehe ich auch die, die die wirkliche Arbeit leisten und dort ist der Weg.

    Der Umgang – speziell in den Rostocker Kirchen – mit dem dort anvertrauten Familienerbe – der wird ein Nachspiel haben, das in die Geschichte eingehen wird.

    Rhetorische Frage: Was kann so ein Zettel dieser Theologenfakultät wert sein, wenn das Wesentliche nicht Teil der geistigen Betrachtung sein darf?

    Bonusfrage: Mit welcher Intention wurde die Universität gegründet und woher stammten die Mittel?

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