Neues Notrufabfragesystem für Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle

Die Hansestadt Rostock führt ein neues Notrufabfragesystem für die Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle ein und schafft die Voraussetzungen für automatische eCall-Notrufe

3. Mai 2017, von
Hauptbrandmeister Roland Scheller arbeitet mit NOAS, dem neuen Notrufabfragesystem in der Rostocker Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle
Hauptbrandmeister Roland Scheller arbeitet mit NOAS, dem neuen Notrufabfragesystem in der Rostocker Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle

Damit Rettung im Notfall zukünftig noch optimaler ihr Ziel erreicht, wurde heute in der Leitstelle des Rostocker Brandschutz- und Rettungsamtes ein neues Notrufabfragesystem in Betrieb genommen. Die bisher angewendeten standardisierten Notrufabfrageprotokolle werden durch das Computerprogramm NOAS abgelöst, das dem Disponenten mehr Sicherheit geben und zu einer schnelleren sowie ressourcenschonenden Entscheidung über den Einsatz von Rettungsmitteln führen soll.

Hauptbrandmeister Roland Scheller, der seit 2013 in der Rostocker Leitsteller arbeitet, spricht von einer großen Erleichterung. „Das neue System ist für uns wie ein roter Faden, der sich komplett durchzieht bis zur Alarmierung. Ziel ist, dass jeder Disponent die gleichen Fragen stellt. Das ergibt auch eine Rechtssicherheit für uns.“

Das System gibt eine feste Struktur von Fragen vor, die meistens nur mit ja, nein oder weiß nicht beantwortet werden müssen. Nach grundlegenden Informationen zum Standort und der Anzahl der Verletzten und deren Zugänglichkeit werden die Vitalfunktionen abgefragt. „Ziel ist es, möglichst schnell zu einer Entscheidung zu kommen. Nach drei, vier Fragen, die mit nein beantwortet wurden, fährt schon das entsprechende Fahrzeug los“, erläutert Brandschutz- und Rettungsamtsleiter Johann Edelmann.

47.000 Stichwörter enthält das Programm, mit deren Hilfe lebensbedrohliche Situationen künftig noch besser aufgrund der qualifizierten Abfrage erkannt werden können. Auch für Erste Hilfe Maßnahmen, wie beispielsweise eine notwendige Wiederbelebung, stehen Anleitungen zur Verfügung, die der Disponent einfach nur vorzulesen braucht. Das soll Sicherheit geben, gerade in für die hilfesuchenden Anrufer emotional hoch angespannten Situationen.

Dennoch: „So ein System kann nur 99,9 Prozent aller Fälle abdecken. Es wird immer eine Situation geben, die nicht passt“, räumt Edelmann ein. „Hirneinschalten“ sei also nach wie vor angesagt. Auch wenn jetzt ein Computer vorgibt, was früher die Disponenten aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung entschieden haben.

Über ein Jahr wurde das neue Notrufabfragesystem in Rostock getestet, seit Beginn dieses Jahres mit echten Fällen. 25 Mitarbeiter und Reservedisponenten wurden daraufhin geschult. Nachdem der Probebetrieb nun erfolgreich absolviert worden sei, ist es jetzt vollständig einsatzbereit.

Für 130.000 Euro hat sich die Hansestadt das Programm angeschafft, nachdem auch die Krankenkassen Fördermittel zugesagt haben. Rostock ist die erste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns mit so einem Notrufabfragesystem. In ganz Deutschland gäbe es ein Handvoll dieser oder ähnlicher Systeme, sagt der Leiter der Einsatzstelle Markus Paschen.

Für Chris Müller, Senator für Finanzen, Verwaltung und Ordnung, hat das neue System gleich mehrere Vorteile. Zum einen verspricht er sich einen schonenderen Umgang mit Ressourcen. „Unsere Rettungsmittel sind endlich. Wir müssen Fehlfahrten weiter reduzieren.“ Ein Drittel der Einsätze stellen sich hinterher als nicht notfallträchtig heraus. Durch das neue System könne besser erkannt werden, ob eine Notfallrettung erforderlich ist oder an den Hausarzt bzw. den ärztlichen Bereitschaftsdienst, der bundesweit unter der Rufnummer 116 117 zu erreichen ist, verwiesen wird.

Zum anderen lobt er die permanente Qualitätskontrolle des Systems, die durch eine Auswertung von drei Prozent der aufgezeichneten Gespräche gewährleistet werden soll.

Schließlich sei das neue Notrufabfragesystem auch Teil der Vorbereitungen für den Einsatz von automatischen Notrufsystemen. Mit den sogenannten eCall-Systemen (für emergency call) sollen nach einem Beschluss der EU-Kommission ab 31. März 2018 alle neuen Fahrzeugmodellen ausgestattet werden. „Wir sind dabei, bis 1. Oktober 2017 die Voraussetzungen für eCall-Notruf-Abfragestellen zu schaffen.“ Zu den Kosten könne im Augenblick noch keine Aussage getroffen werden, da das Projekt bisher nicht abgeschlossen ist, heißt es aus dem Rathaus.

Schlagwörter: Feuerwehr (300)Notruf (3)

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2 Kommentare

  • Max Müller sagt:

    Viel Erfolg!

    Ein Computerprogramm ist nur so gut, wie sein Anwender!!! Ich arbeite seit 1999 auf einer Leitstelle und musste auch meine Erfahrung mit „Standardisierten Notrufprogrammen“ machen. Ein Programm darf nie die Beschickung vorschreiben. Sie darf unterstützen. Aber ein erfahrener Leistellendisponent ist nie zu ersetzen. Und „Hirneinschalten“ ist hier fehl am Platz. Es darf nie aus sein! Erst recht, wenn hier im Rechtsstaat von Rechtssicherheit gesprochen wird.
    Liebe Grüße

  • Khan Noonien Singh sagt:

    Meine Meinung zu DIESEM Computerprogramm ist eine gaaaaanz andere, als die von Hr. Scheller! Es passt so gut wie kein Anruf zu den standardisierten Fragen der Software. Ein Anrufer mit einem echten Notfall hat sich seinen Text bereits nach den vor Jahren noch vermittelten 5 Ws zurechtgelegt und nun fährt man ihm schon mit der Einstiegsfrage nach dem Notfallort voll in´s Konzept! Ich habe selbst erlebt, dass ganz verunsicherte Meldende dann einfach gar nicht mehr antworten und auflegen, da sie glauben, sie sind falsch! Grundsätzlich ist von jeder Leitstelle jeder Notruf und jedes Hilfeersuchen anzunehmen, zu bearbeiten und gegebenenfalls an die richtige Stelle weiterzuleiten!

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