Parkraumkonzept für Warnemünde wieder aktuell

Nach vielen Jahren ist das Parkraumkonzept für Warnemünde aus dem Jahr 2014 wieder aktuell – drei neue Parkhäuser sollen im Seebad zeitnah entstehen

17. Oktober 2020, von
Der geeignetste, aber auch komplizierteste Standort für ein neues Parkhaus in Warnemünde wäre direkt an der Stadtautobahn B103
Der geeignetste, aber auch komplizierteste Standort für ein neues Parkhaus in Warnemünde wäre direkt an der Stadtautobahn B103

Bereits 2014 gab die Hansestadt Rostock die Erarbeitung eines Parkraumkonzepts für das Ostseebad Warnemünde in Auftrag. Erarbeitet wurde es von der PGN Planungsgruppe Nord aus Kassel, dann jedoch versank es für viele Jahre in der Schublade oder eher im Giftschrank.

Mit der Wahl des neuen Oberbürgermeisters Claus Ruhe Madsen kam im Sommer wieder Schwung in die Planungen. Vor zweieinhalb Monaten habe Madsen sowohl das Parkraumkonzept als auch ein Standortgutachten für Parkhäuser freigegeben, erklärt Bau- und Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne). „Das heißt, dass wir damit jetzt arbeiten können.“ Ein drittes Gutachten zum umstrittenen Dünenparken werde nicht weiterverfolgt, so Matthäus. Zusammen mit seinem Verkehrsplaner Reno Rudek stellte der Senator am Dienstag den aktuellen Stand im Ortsbeirat vor.

Leitziele für die verkehrliche Erschließung des Seebads Warnemünde

Für die verschiedenen Verkehrsmittel setzt das Parkraumkonzept klare Prioritäten:

  1. Nicht motorisierter Verkehr
  2. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
  3. Wirtschaftsverkehr
  4. Motorisierter Individualverkehr (MIV)

Dabei soll insbesondere der Motorisierte Individualverkehr (MIV) auf ein „für das Stadtbild, die Einwohner und die Gäste verträgliches Maß“ reduziert werden.

Parksuchverkehr belastet Warnemünde

„Die Besucher, die mit dem Pkw kommen, fahren als erstes in den Ortskern, z.B. in die Seestraße, bevor sie auf die P+R-Parkplätze ausweichen“, bringt Verkehrsplaner Rudek ein zentrales Ergebnis der Analyse aus dem Jahr 2013 auf den Punkt. Warnemünde leidet daher stark unter dem Parksuchverkehr in den für Touristen und Fußgänger sensiblen Bereichen.

Für den öffentlichen Parkraum sieht das Konzept folgende Prioritäten vor:

  1. Bewohner und Lieferverkehr
  2. Übernachtungsgäste, Kunden und sonstige Besucher
  3. Tagestouristen und Pendler

Drei neue Parkhäuser in Warnemünde geplant

Drei neue Parkhäuser sollen in den nächsten Jahren entstehen. Das hatte Claus Ruhe Madsen bereits vor zwei Monaten erklärt, auch wenn es wohl nicht ganz so schnell geht, wie vom Stadtoberhaupt gewünscht.

Am Parkplatz „Strand Mitte“ neben der Jugendherberge gibt es einen Bebauungsplan, der für das Parkhaus nur geringfügig angepasst werden muss, erläutert Matthäus. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Wiro (Wohnen in Rostock) könnte die Oberhoheit über die B-Plan-Änderung übernehmen und die gleichen Architekten auch den Bau des Parkhauses übernehmen. „Das könnte relativ schnell passieren“, so Matthäus.

Der zweite Standort auf der Mittelmole gegenüber vom Warnemünde Cruise Center 7 wäre planungsrechtlich möglich und man könnte relativ schnell Baurecht herstellen, so Matthäus. Allerdings hatte dieses Vorhaben bei der Bürgerbeteiligung zur Bebauung der Mittelmole aufgrund der Kubatur zu heftiger Kritik geführt. Aus diesem Grund spricht der Senator auch lieber von Parkpaletten als von einem „Parkhaus aus Zement“. Sie sollten eher leicht wirken und ebenso leicht um eine Etage erweitert oder zurückgebaut werden können, erläutert der Senator.

Beim dritten Standort am Ortseingang an der Stadtautobahn B103 sind die eigentumsrechtlichen Bedingungen kompliziert. „Das ist der schwierigste Parkplatz, obwohl der in unser aller Augen geeignetste, weil da eine vierspurige Autobahn ist, die in Warnemünde ankommt“, so Matthäus.

Betrieben werden sollen die drei Parkhäuser von der Parkhaus Gesellschaft Rostock (PGR), einer Tochter der Wiro. „Wenn wir öffentliche Parkplätze am Ortsrand schaffen, sollten es welche sein, die von der Stadt betrieben werden“, sagt Holger Matthäus. Gespräche laufen bereits.

Parkhäuser sollen nur den normalen Bedarf abdecken

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung aus dem Jahr 2013 ist, dass es nur an Spitzentagen zu wenig Parkplätze in Warnemünde gibt. Analysiert wurde sowohl ein repräsentativer Werktag (Mittwoch, 12. Juni 2013) als auch ein Sommertag (Samstag, 27.07.2013) in der Ferienzeit, mit sommerlichem Wetter und Mehrfachanläufen von Kreuzfahrtschiffen. 5.574 Parkplätze gab es zu diesem Zeitpunkt insgesamt, 313 haben am Sommertag gefehlt.

Was die drei geplanten Parkhäuser betrifft, sind diese nur für den normalen Bedarf ausgelegt, sie sollen keine Spitzen abdecken, da dies in langen Zeiträumen zu Überkapazitäten führen würde, erläutert Rudek. Zur Bewältigung der Spitzen sollen P+R-Anlagen, etwa in Lichtenhagen oder der Hansemesse Schmarl, sowie der ÖPNV „öffentlichkeitswirksam beworben“ werden.

„Das sind keine zusätzlichen Parkkapazitäten“, stellt der Verkehrsplaner klar, „das sind Parkhäuser, die den jetzigen Bestand abdecken.“ Zum einen geht es um wegfallende Stellflächen im Ortskern, zum anderen soll das Parkhaus auf der Mittelmole perspektivisch den dort vorhandenen Parkplatz ersetzen und das Parkhaus an der Jugendherberge die Fläche auf der Rohrmannschen Koppel ausgleichen, wo ein Wohnmobilstellpatz geplant ist.

Bürgerbeteiligung geplant

Im ersten Quartal 2021 soll ein öffentliches Forum stattfinden, bei dem es um die konkrete Umsetzung des Parkraumkonzeptes geht. „Ob das über die Bürgerschaft beschlossen werden muss, müssen wir noch mal diskutieren“, so Matthäus. Das Papier soll aber auf jeden Fall ins Strukturkonzept einfließen.

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