Wohnmobilstellplatz in Warnemünde rückt näher

Ein ‚Wohnmobil-Hafen‘ mit rund 75 Stellplätzen soll auf dem Parkplatz „Rohrmannsche Koppel“ am westlichen Ortseingang von Warnemünde entstehen

28. Januar 2021, von
Ein Wohnmobilstellplatz soll auf dem Parkplatz „Rohrmannsche Koppel“ in Warnemünde entstehen
Ein Wohnmobilstellplatz soll auf dem Parkplatz „Rohrmannsche Koppel“ in Warnemünde entstehen

Geplant ist ein Wohnmobilplatz im Seebad Warnemünde schon lange. Bereits 2012 gab es einen Bebauungsplan (B-Plan), der auf der sanierten Deponie am Südende des Weidenwegs 120 Standplätze vorsah. Diskussionen um die Erschließungskosten und ein vom Oberverwaltungsgericht Greifswald monierter Fehler brachten die Planungen zum Erliegen.

Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Rohrmannsche Koppel“ kommt jetzt wieder Bewegung in das Vorhaben, allerdings an einer anderen Stelle. Auf dem bisherigen Parkplatz am westlichen Ortseingang möchte die Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft mbH (Wiro) einen „Wohnmobil-Hafen“ mit etwa 75 Stellplätzen errichten. Ein Teil der Fläche soll weiterhin als Pkw-Parkplatz dienen. Vorgestellt wurden die Planungen erstmals im Mai 2018.

Service- und Nebengebäude

Neben den Standplätzen für die Wohnmobile soll parallel zur Doberaner Landstraße ein Servicegebäude mit Ver- und Entsorgungsstationen für Schmutz- und Frischwasser sowie Müll entstehen. „Alles, was durchreisende Wohnmobilisten bei einem Kurzaufenthalt an technischer Ausstattung benötigen“, erläutert Wiro-Pressesprecher Carsten Klehn. Für die Versorgung der Wohnmobilisten ist auch ein kleiner Laden mit maximal 50 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgesehen. An der südöstlichen Grenze erlaubt der B-Plan ein Nebengebäude für die Unterbringung von Geräten. Beide Gebäude dürfen nur mit einem Vollgeschoss und einer maximalen Höhe von 6,50 bzw. 4 Metern errichtet werden.

Fußgängerampel

Eine Fußgängerampel als Querungshilfe zur Bushaltestelle in Richtung Warnemünde, die auf der anderen Seite der Doberaner Landstraße liegt, ist weiter im Gespräch. Eine Festsetzung im B-Plan soll jedoch nicht erfolgen, da sie „nicht ursächlich mit dem Planvorhaben in Zusammenhang“ stehe, so die Verwaltung.

75 Plätze für Wohnmobile und 225 Pkw-Stellplätze soll es künftig am westlichen Ortseingang von Warnemünde geben (Kartendaten von OpenStreetMap – veröffentlicht unter ODbL)
75 Plätze für Wohnmobile und 225 Pkw-Stellplätze soll es künftig am westlichen Ortseingang von Warnemünde geben (Kartendaten von OpenStreetMap – veröffentlicht unter ODbL)

Hälfte der Pkw-Parkplätze entfällt

Die neue Wohnmobilstellplatzanlage wird etwa 60 Prozent der bisherigen Fläche einnehmen. Die restlichen 40 Prozent stehen weiterhin als Parkplatz zur Verfügung. Ca. 225 Stellplätze sollen es künftig sein, aktuell liegt die Kapazität bei rund 450 Pkw.

Da es sich gegenwärtig noch um eine öffentlich gewidmete Verkehrsfläche handelt, sollen für die entfallenden Parkmöglichkeiten entsprechend viele Stellplätze auf dem Parkplatz „Strand Mitte“ neben der Jugendherberge öffentlich gewidmet werden. Dieser wird bislang durch die Tourismuszentrale privat bewirtschaftet. Die Stadt geht davon aus, dass hier künftig weniger Wohnmobile parken und damit tatsächlich mehr Pkw-Stellplätze für Strandbesucher zur Verfügung stehen. Auch ein Parkhaus wird an dieser Stelle diskutiert.

Umwelt- und Lärmschutz

Der teilweise mit Schotter befestigte Parkplatz ist derzeit weitgehend vegetationslos, aber nicht versiegelt. Das soll zumindest teilweise so bleiben. Für die Fahrgassen ist versickerungsfähiges Pflaster vorgesehen, die Stellplätze sollen mit Schotterrasen befestigt werden. Vollversiegelte Flächen sind auf maximal 30 Prozent der Gesamtfläche zulässig.

An den Grundstücksrändern gibt es teilweise wertvolle Gehölzstrukturen. Die Benjesstruktur (Totholzhecke) an der Westgrenze soll erhalten werden. Als Ersatz für den Lebensraum der Waldeidechsen sind dort zwei Totholzhaufen geplant. Die Brombeerhecke an der Nordseite des Platzes wurde bereits weitgehend abgeholzt.

Auf dem Gelände sollen zwölf großkronige Laubbäume (Spitz-Ahorn, Hainbuche, Baum-Hasel und Sumpf-Eiche) neu gepflanzt werden. Zwischen Wohnmobilen und nördlichem Wald muss ein 20 Meter breiter Bereich freigehalten werden. Auf diesem Grünstreifen dürfen Spielgeräte und Sitzplätze errichtet werden.

Das verbleibende Ausgleichsdefizit von rund 28.000 Quadratmetern Flächenäquivalent soll allerdings nicht im Seebad ausgeglichen werden. Stattdessen ist eine Abbuchung vom Öko-Konto „Renaturierung der Carbäk zwischen Riekdahler Weg und Verbindungsweg“ geplant. Dass Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft nicht vor Ort, sondern an anderen Stellen in der Stadt erfolgen, sorgt in Warnemünde immer wieder für Diskussionen.

Als Lärmschutz soll die Nutzung des Pkw-Parkplatzes zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschlossen werden. Zum Schutz der nördlichen Wochenendhaussiedlung „Habichtshöhe“ gelten diese Einschränkungen auch für nächtliche Fahrbewegungen auf dem Wohnmobilplatz.

Ausgleichsmaßnahmen, Lärmschutz sowie ggfs. der Einsatz erneuerbarer Energien sollen in einem Städtebaulichen Vertrag mit der Wiro geregelt werden.

Nicht nur zur Hanse Sail ist der Parkplatz auf der Warnemünder Mittelmole bei Wohnmobilisten beliebt (Foto: Archiv)
Nicht nur zur Hanse Sail ist der Parkplatz auf der Warnemünder Mittelmole bei Wohnmobilisten beliebt (Foto: Archiv)

Ortsbeirat und Bürgerschaft müssen beraten

Am 9. Februar berät der Ortsbeirat Warnemünde/Diedrichshagen über den Aufstellungs-, Abwägungs-, Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 01.SO.195 Sondergebiet „Rohrmannsche Koppel“. Stimmt die Bürgerschaft am 3. März der Aufstellung und Auslegung des B-Plans zu, könnte dieser im Herbst beschlossen werden.

Erst im Anschluss kann die Umwidmung der Fläche durch die Landesverwaltung erfolgen. Wie lange dies dauert, ist noch offen. „Wir denken, dass der ‚Wohnmobil-Hafen‘ frühestens 2023 eröffnet werden kann“, so Klehn.

Bislang kein Wohnmobil-Stellplatz in Warnemünde

Wer mit seinem Wohnmobil in Warnemünde übernachten möchte, hat auch jetzt schon die Qual der Wahl. Besonders beliebt ist der strandnah gelegene Parkplatz neben der Jugendherberge. Schiffsfans bevorzugen eher den Wiro-Parkplatz auf der Mittelmole, wo sie aus erster Reihe die im Seekanal vorbeifahrenden Schiffe beobachten können. Perspektivisch soll die Mittelmole jedoch bebaut werden – im November wurde das neue Beteiligungsverfahren zur künftigen Nutzung gestartet.

Eins haben beide Plätze gemein: Anschlüsse zur Ver- und Entsorgung gibt es an keinem Standort. Auch wenn sich viele Wohnmobilisten mehrere Tage autark mit Strom und Wasser versorgen können, fehlen bislang echte Wohnmobil-Stellplätze in Warnemünde.

Kartendaten von OpenStreetMap – veröffentlicht unter ODbL

Schlagwörter: B-Plan (6)Bauvorhaben (108)Parken (23)Tourismus (115)Warnemünde (1058)WIRO (62)Wohnmobilstellplatz (5)

Das könnte dich auch interessieren:

1 Kommentar

  • Meergans sagt:

    Wohnmobilisten auf hinteren Plätzen abzuschieben ist ja die Spezialität hier im Osten. Dann werden wir diese Örtlichkeiten meiden. Man will si dicht als möglich ans Wasser oder Schiffe beobachten und nicht ins Hinterland abgeschoben werden.
    Macht eine Mauer um Warnemünde, wir und unsere Freunde fahren dann in die alten Bundesländer (Elbe, Lübeck, Kiel, Travemünde, NOK).
    Dort werden wir besser verstanden und behandelt!!!!!!!

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Hiermit stimme ich der Veröffentlichung meines Kommentars sowie der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten incl. meiner IP-Adresse gemäß der Datenschutzerklärung zu.