Sommerstraße „Am Brink“ – wie geht’s weiter?

Das Modellprojekt der Sommerstraße „Am Brink“, einer temporären Fußgängerzone im Herzen der Rostocker KTV, könnte in den nächsten Jahren fortgesetzt werden

17. Dezember 2021, von
Modellprojekt Sommerstraße „Am Brink“ – Fußgängerzone in der KTV (Foto: Archiv)
Modellprojekt Sommerstraße „Am Brink“ – Fußgängerzone in der KTV (Foto: Archiv)

Ob der Rostocker Brink irgendwann tatsächlich zum „Dorfkern der KTV“ wird, wie es sich Anwohner Jens Carstensen wünscht, ist ungewiss. Immerhin könnte er dann hier ein Tänzchen mit dem Verkehrssenator Holger Matthäus wagen. „Die Tanzlinde kommt“, ist dieser überzeugt.

Modellprojekt Sommerstraße „Am Brink“

Vom 2. August bis zum 31. Oktober wurde die Straße „Am Brink“ in der Kröpeliner-Tor-Vorstand (KTV) zur Fußgängerzone. Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, eine höhere Aufenthaltsqualität und eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums lauteten die Ziele des Modellprojekts „Sommerstraße“. Zudem sollte die lokale Gastronomie gefördert werden.

Die freigewordenen Flächen wurden für Sitzgelegenheiten, die Begrünung mit Pflanzkübeln, Fahrradbügel und Bereiche für die Außengastronomie genutzt, fasst die Projektverantwortliche Lisa Wiechmann das Modell „Sommerstraße“ kurz zusammen.

Digitales Bürgerforum zur Auswertung

Gestern fand ein digitales Bürgerforum zur Auswertung des Modellprojekts „Sommerstraße“ statt. Abgeschlossen sei diese noch nicht, erläuterte Wiechmann. Die Haushaltsbefragung läuft bis Sonntag, Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Evaluation durch die Uni werden erst im Februar erwartet.

Eine Auswertung der Verkehrsdaten konnte Martin Schüffler vom Amt für Mobilität aber schon präsentieren. So wurde der Kfz-Durchgangsverkehr deutlich reduziert und der ruhende Verkehr weitestgehend aus dem Bereich gezogen. Die Straße „Am Brink“ wird klar von Fußgängern und Radfahrern dominiert. Konflikte gab es zwischen Fußgängern und Radfahrern sowie durch den Lieferverkehr und Wendemanöver. Unfälle seien nicht gemeldet worden, so Verkehrsplaner Schüffler – Anwohner widersprachen dem jedoch.

Für die Fußgänger „war es eine bessere Lösung als der Status Quo“, fand Felix Winter (Grüne), Vorsitzender des Ortsbeirates der KTV, „und das sind halt der Großteil der Nutzer*Innen dort“. „Autos haben kein Recht auf einen Stellplatz und freie Fahrt überall“, fand auch Uwe Flachsmeyer (Grüne): „Wir wollen eine menschenfreundliche Stadt und keine autofreundliche.“ „Eine menschenfreundliche Stadt schließt Autos nicht aus. Es gibt viele Personen, die aus unterschiedlichen Gründen darauf angewiesen sind“, gab Dr. Evelin Ziemann zu bedenken.

Kritisiert wurde die teilweise schlechte Kommunikation zwischen Verwaltung und Anliegern – nicht nur in den vergangenen Monaten. So wurde angemerkt, dass immer noch nicht alle Anwohner den Fragebogen zur Haushaltsbefragung erhalten hätten.

Park- und Verkehrsprobleme nur verlagert?

Was die Verkehrsströme betrifft, wurde ein zeitweise hoher Rückstau an der Ampel in der Wismarschen Straße kritisiert, aber auch eine höhere Verkehrsbelastung in der Neubramowstraße, die vielen als Ausweichroute diente. In der Nachmittagsspitze wurden hier tatsächlich doppelt so viele Fahrzeuge gezählt wie 2017, bestätigt Schüffler. Insgesamt wurden im Oktober werktags rund 30 Prozent mehr Fahrzeuge registriert als nach Abbau der Sommerstraße im November.

Dem Wunsch nach weniger Kraftfahrzeugen stehen die Fakten gegenüber. Jährlich kommen in Rostock etwa eintausend Pkw hinzu, zwischen 2010 und 2021 erhöhte sich der Bestand von 75.746 auf 86.269. Auch in der KTV stieg die Pkw-Anzahl im vergangenen Jahr von 354 (2020) auf 360 je 1.000 Einwohner. Mit den nicht hier zugelassenen Fahrzeugen von Studenten dürfte diese Zahl deutlich höher liegen.

Während bei der Sanierung von Wegen und Plätzen, etwa in der Ulmen– oder der Fritz-Reuter-Straße, immer mehr Stellplätze wegfallen, geht es bei den in Aussicht gestellten Quartiersgaragen kaum voran. Senator Matthäus versprach gestern immerhin, den aktuellen Stand im Januar im Ortsbeirat vorzustellen. Doch selbst wenn die Tiefgarage am Ulmenmarkt oder Parkpaletten bei der Polizei tatsächlich gebaut werden, sorgt dies erst in Jahren für Entspannung.

Wie geht es weiter mit der Sommerstraße Am Brink?

Im Rahmen des Bürgerforums wurden gestern Abend fünf verschiedene Varianten der Sommerstraße diskutiert:

  1. „Alles wie früher“ (Tempo-30-Zone)
  2. Wie 2021 (Fußgängerzone)
  3. Verkehrsberuhigter Bereich (,Spielstraße‘)
  4. Fußgängerzone nur im Kernbereich
  5. Einbahnstraße

Eine abgegrenzte Fußgängerzone fand ebenso Zustimmung wie eine komplette Fußgängerzone, dann jedoch nicht ganzjährig. Bauliche Änderungen standen auf der Wunschliste weit oben, diese sind jedoch frühestens 2024 oder 2025 möglich, betonte Verkehrssenator Matthäus, jetzt geht es um eine Übergangslösung für die nächsten Jahre.

Auf jeden Fall muss es mehr Sitzgelegenheiten geben, die sich auch ohne Gastronomiezwang nutzen lassen, forderten viele Teilnehmer des Forums. Eine öffentliche Toilette stand ebenso auf der Wunschliste wie eine optisch ansprechendere Gestaltung als mit Absperrbaken und Big Pack als Pflanzkübel.

Nach einer Vorprüfung durch die Ämter soll bis Ende Februar am Runden Tisch über eine Vorzugsvariante abgestimmt werden. Diese soll am 23. Februar oder März im Ortsbeirat diskutiert und dann der Bürgerschaft vorgelegt werden – allerdings nur zur Information, nicht als Beschlussvorlage.

„Mir ist wirklich wichtig, dass hier keiner als Verlierer rausgeht, sondern dass wir gemeinsam unsere KTV gestalten“, betonte Holger Matthäus abschließend.

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