Photovoltaikanlage auf dem Gelände des alten Gaswerkes

740 Megawattstunden Strom wollen die Stadtwerke Rostock jährlich mit ihrer neuen Solaranlage auf der Industriebrache in der Bleicherstraße produzieren

25. September 2017, von
Umweltsenator Holger Matthäus, Oberbürgermeister Roland Methling, Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Oliver Brünnich, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Rostock AG, nehmen die Photovoltaikanlage in Betrieb
Umweltsenator Holger Matthäus, Oberbürgermeister Roland Methling, Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Oliver Brünnich, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Rostock AG, nehmen die Photovoltaikanlage in Betrieb

Viel Sonne wünschten die Gratulanten den Stadtwerken Rostock, die heute in der Bleicherstraße auf dem ehemaligen Gelände des Gaswerkes eine Photovoltaikanlage in Betrieb nahmen. Es ist die drittgrößte dieser Art in der Hansestadt. Auf einer Gesamtfläche von 8.000 Quadratmetern sollen die Solarmodule jährlich 740 Megawattstunden Strom aus Sonnenlicht produzieren. Das entspricht etwa 231 Haushalten mit einem durchschnittlichen Verbrauch. Pro Jahr spart die Photovoltaikanlage zudem 339 Tonnen Kohlendioxid ein, heißt es von den Stadtwerken.

„Elektrische Energieproduktion ohne Lärm, ohne Schadstoffe, ohne CO2 – ich freue mich, dass die Stadtwerke als großer Elektroenergieerzeuger im regenerativen Bereich ab heute mit dabei sind“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus. Im Raum Rostock gibt es Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 20 Megawatt. Ebenso groß ist die Leistung der hier installierten Windkraftanlagen. Für den Umweltsenator ist das jedoch erst ein Anfang. „Wir sind da noch nicht besonders weit. Auf all unsere Stadtdächer würden etwa 100 Megawatt installierte PV-Leistung passen“, hat er ausrechnen lassen und hofft auf den weiteren Ausbau. Aktuell sind es etwa 3 bis 4 Megawatt. Zum Vergleich: In Deutschland sind momentan 42.000 Megawatt Photovoltaikleistung installiert. Pro Jahr kommen etwa 1.000 dazu.

Altlastensanierung auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes abgeschlossen

Lutz Klingbeil vom StaLu und Hartmut Voß von den Stadtwerken erläutert die Altlastensicherung auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes.
Lutz Klingbeil vom StaLu und Hartmut Voß von den Stadtwerken erläutert die Altlastensicherung auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes.

Der Standort der neuen Photovoltaikanlage zwischen Warnow und der Innenstadt hat eine lange Tradition in der Energieerzeugung. 1856 nahm hier das Gaswerk die Produktion für die Straßenbeleuchtung auf. Mit der Entwicklung der Stadt wurde es weiter ausgebaut. Erst wurde es mit Steinkohle, später mit Öl betrieben. 1990 wurde die Anlage endgültig stillgelegt. Übrig blieben die für ein Gaswerk typischen Schadstoffe, Schlacken und Aschen, die flächendeckend über dem zwölf Hektar großen Gelände verteilt waren. Üble Gerüche waberten von hier in die angrenzenden Wohngebiete. Insbesondere der Teersee entwickelte sich zu einem Schreckgespenst und einer Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Hansestadt Rostock, als ein Damm, der zur Warnow hin absichern sollte, zu brechen drohte. Es bestand also dringender Handlungsbedarf. Aber erst als das Land die Kosten zu 90 Prozent übernahm, kam die Sicherung des Geländes richtig in Gang.

Mehrfach wurde die Sanierungskonzeption überdacht, erzählt Dr. Hartmut Voß von den Stadtwerken, der die Altlastensanierung leitete. Eine Entfernung aller Schadstoffe im Boden und im Grundwasser hätte geschätzt 200 Millionen Euro gekostet. Das kam nicht infrage. Auch von einer Teildekontamination wurde abgesehen. „Weil man nicht wusste, was noch auf einen zukam“, begründet Hartmut Voß. Stattdessen wurde „das Gebiet so gesichert, dass keine Altlasten in die Umwelt, insbesondere in das Trinkwasserschutzgebiet, dringen können.“ Dafür wurde eine 675 Meter lange Spundwand errichtet, wovon 300 Meter doppelwandig sind. Dort, wo keine Spundwand ist, wurden Filter eingebaut. Die Oberflächen wurden versiegelt oder mit Rasen auf einem geringleitenden Boden bedeckt. „Kein Niederschlagswasser soll auf den immer noch mit Schadstoffen belasteten Boden eindringen“, erläutert Lutz Klingbeil vom zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StaLu). „Denn dann würden die Schadstoffe in Bewegung gesetzt werden.“ Ein Zaun steht auf dem Gelände. Der habe jedoch nichts mit Altlasten zu tun, sondern schütze die 150 neu angepflanzten Bäume vor Rehen und Wildschweinen, die sich hier blicken lassen. Die Projektleiter sprechen von einem schützenswerten Biotop mit einer reichhaltigen Fauna, das sich hier mittlerweile entwickelt hat.

Die Photovoltaikanlage der Stadtwerke auf dem ehemaligen Gaswerk-Gelände
Die Photovoltaikanlage der Stadtwerke auf dem ehemaligen Gaswerk-Gelände

Das Grundstück der Stadtwerke kann jedoch nach wie vor nicht betreten werden. „Es besteht zwar keine Gefährdung für die Umwelt, aber auf dem Gelände. Jeglicher Spatenstich, den wir hier machen, erzeugt Abfall. Außerdem darf das System der Sicherung insbesondere der Wasserhaltung nicht gestört werden“, begründet Hartmut Voß. Es gibt jedoch Ideen außerhalb des Zaunes am Warnowufer entlang einen Weg zu einem Aussichtspunkt anzulegen.

Über 10 Millionen Euro von Land und Bund sind in den letzten Jahren in die Altlastensanierung des Geländes geflossen. Die jährlichen Kosten für die Wasseraufbereitung von etwa 50.000 Euro werden auch weiterhin gefördert, kündigt Dr. Till Backhaus an. „Mir ist es immer lieber, dass man auf Industriebrachen Photovoltaikanlagen installiert als auf hochwertigen landwirtschaftlichen Nutzflächen“, erklärt Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister bei der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage auf dem von Altlasten sanierten Gelände des ehemaligen Gaswerks.

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1 Kommentar

  • Ein Anwohner sagt:

    Die Idee ist gut, aber die Umsetzung, insbesondere des Zaunes, um „die angepflanzten Bäume vor Rehen und Wildschweinen zu sichern“, einfach nur ein Schildbürgerstreich.
    Hier wurden Gelder verschwendet, da die Fläche sich schon alleine renaturiert hatte/hätte und zusätzlich eines der wenigen Kranichpaare in Rostock vertrieben. Die Arbeiten wurden nämlich genau in der Brütezeit im Frühjahr 2017 durchgeführt und die sensiblen Tiere sicherlich für alle Zeit vertrieben.

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