Römer und Römer „O tu mir das nicht an!“

Aufstellungseröffnung in der Kunsthalle Rostock

12. Dezember 2010, von
Torsten und Nina Römer
Torsten und Nina Römer

Betritt man derzeit die Kunsthalle Rostock, könnte man zunächst glauben, eine Fotografieausstellung zu besuchen. Schon vom Eingangsbereich aus sind großformatige, farbige Momentaufnahmen von Reisen durch Asien zu sehen, ebenso wie Menschengruppierungen am Strand oder auf der Straße. Aber Irrtum, es sind keine Fotos. Nähert man sich den Bildern des Künstlerpaares Römer und Römer, erkennt man, dass es sich um Malereien handelt, zusammengesetzt aus pixelartigen Pinseltupfern.

Römer und Römer Ausstellung in der Kunsthalle
Römer und Römer Ausstellung in der Kunsthalle

Digitale Fotoaufnahmen bilden jedoch die Grundlage für die Kunst von Nina und Torsten Römer. Auf der Suche nach Motiven begeben sich die beiden ehemaligen Meisterschüler von A.R. Penck auf die Straßen und in die Parks von Berlin. Hier in ihrem Atelier in Kreuzberg arbeiten sie gemeinsam an ihren Werken. Aber auch nach Paris, Korea oder Japan hat sie ihre Bildrecherche schon geführt. Vor allem an politischen Themen und Jugendkultur seien sie interessiert, sagt Torsten Römer.

In Japan beispielsweise sind sie auf die Cosplayers gestoßen, die auf einigen Bildern der Ausstellung zu sehen sind. Cosplayers sind junge Leute, die sich als Manga- oder Animefiguren verkleiden. Ein Trend, der im Land der aufgehenden Sonne boomt, aber auch durchaus schon kritisch gesehen wird, erklärt der Maler.

Auf seine Partnerin scheint sich diese Vorliebe jedenfalls schon etwas abgefärbt zu haben. Zur Ausstellungseröffnung am Samstagabend erschien sie in einem Kostüm aus Japan, das ganz dem angesagten Lolitastyle entsprach. Schick, Schick!

„70's, die große Welle“ von Römer und Römer
„70's, die große Welle“ von Römer und Römer

Apropos Kleidung – warum die Jugendlichen beim Baden im Meer mit Schuluniform ins Wasser gingen, war mir ein Rätsel. Auch Nina Römer konnte es sich nicht richtig erklären. „Es muss ein besonderer Anlass gewesen sein“, soviel habe sie erfahren, als sie diese Szenen zufällig vor drei Jahren in Korea fotografisch eingefangen hatten.

Aber nicht nur im fernen Asien lassen sich reizvolle Motive finden, auch vor der Haustür im politischen Berlin spielt sich einiges ab, was das Interesse von Nina und Torsten Römer weckt. Wie zum Beispiel die Proteste gegen das Großprojekt Mediaspree und den Bau der O2 World. Ein Slogan auf einem Demonstrationsplakat „O tu mir das nicht an!“ gab der Ausstellung ihren Namen. Leider befindet sich ausgerechnet dieses Bild gerade in Korea. Einen Eindruck über die Arbeit des Künstlerpaares zu diesem Thema vermitteln jedoch andere ebenso wirkungsvolle Gemälde.

„Mediaspree versenken“ von Römer und Römer
„Mediaspree versenken“ von Römer und Römer

Und wie geht es weiter, nachdem Römer und Römer auf ihren Motivstreifzügen Hunderte Fotos gemacht haben? Nach einem aufwendigen Auswahlprozess werden die Fotos erst einmal am Rechner nach Kontrast und Farbigkeit bearbeitet. Bildausschnitte werden variiert und nach Bedarf vergrößert.

Das Bild wird in Pixel gerastert und auf eine Leinwand projiziert. Nun kommen Farbe und Pinsel ins Spiel. Zunächst werden große Areale mit den Basistönen aufgetragen. Anschließend wird mit kleinen Pinseln die Ölfarbe aufgetupft. So wird aus einem digitalen Foto schließlich ein analoges Bild.

„Bei unserem Umgang mit dem Medium handelt es sich eher um eine Reflexion über die neuen Aspekte, die die digitale Fotografie mit sich bringt und die Fotografie damit bereichert und die wir, damit inspiriert, in die Malerei einbringen wollen,“ beschreiben die beiden Künstler ihre Arbeit, mit der sie Fotografie und Malerei verbinden.

Bemerkenswert dabei ist, dass Nina und Torsten Römer gemeinsam und gleichzeitig an ihren Kunstwerken arbeiten und das nun schon seit gut 12 Jahren.

„Przystanek Woodstock“ von Römer und Römer
„Przystanek Woodstock“ von Römer und Römer

Mit ihren Bildern will das Künstlerpaar Impulse setzen. „Wir sind an Veränderungen der Gesellschaft interessiert und engagieren uns für eine offene, freiheitliche, demokratische und multikulturelle Gesellschaft “, sagt Torsten Römer.

Wer sehen will, wie sie sich damit in ihren Bildern auseinandersetzen, kann sich noch bis zum 23. Januar die Ausstellung „O tu mir das nicht an!“ von Römer und Römer in der Kunsthalle Rostock ansehen.

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4 Kommentare

  • Ilja Kruse sagt:

    Was Fotosabpinseln mit ernsthafter Malerei zu tun hat, soll mir bitte mal jemand erklären. Enttäuschend, da helfen auch keine schicken Kleidchen oder Föhnfrisuren.

  • Melanie sagt:

    Inwiefern die Fotos einfach nur abgepinselt wurden, kann ich nicht beurteilen, da ich die Ausstellung (noch) nicht gesehen habe (werden die Vorlagen denn auch gezeigt?), aber auch die zugrundeliegenden Fotos können doch schon Kunst sein, nicht umsonst wurde der Kunstpreis im letzten Jahr in dieser Kategorie vergeben.
    Und bei einigen anderen ganz großen Künstlern frage ich mich viel eher als bei dem was man hier sieht, was das mit Kunst oder Malerei zu tun hat…

    Mel

  • Camille sagt:

    Die kurzen Pinselstriche, Tupfer und die helle Farbpalette erinnern ja sehr an impressionistische Maler. Witzig, dass ihr Stil eine Antwort auf die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundet war und die Römers ihre Malerei wieder mit der Fotografie zusammenbringen.

  • Römer + Römer sagt:

    Wir empfehlen sich die Ausstellung anzuschauen, da Malerei schlecht von kleinen Bildern im Internet zu beurteilen ist.
    Zum besseren Verständnis unserer Ausstellung senden wir hier einen link zu der Eröffnungsrede des Leiters der Kunsthalle Rostock, Dr. Ulrich Ptak:
    http://www.berlinerkunstkontakter.de/flash/2010/kw4910/roemerrede.htm

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